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2G-Bändchen zum Shoppen in ersten Städten

Zwei Hände legen einer dritten Hand ein orangfarbenes Papierbändchen um das Handgelenk mit der Aufschrift "Weihnachtsmarkt Osnabrück".

In den ersten Städten in Hessen werden 2G-Bändchen im Einzelhandel eingeführt. Die Idee: pro Einkaufsbummel nur eine 2G-Corona-Kontrolle und nicht für jedes Geschäft. Manche Städte sehen aber auch Risiken und lehnen das Konzept ab.

Mehrere Städte in Hessen wollen die 2G-Zugangskontrollen im Einzelhandel vereinfachen, wie eine hr-Umfrage zeigt. In Nidda (Wetterau) gibt es die Bändchen für Geimpfte und Genesene seit Donnerstag. In Wetzlar, Alsfeld (Vogelsberg) und Limburg wohl ab Freitag.

In anderen Städten wird die Idee aktuell noch von den Behörden geprüft, zum Beispiel in Frankfurt, Marburg, Darmstadt, Wiesbaden und Hanau. Kassel will die Bändchen von seinem 2G-Weihnachtsmarkt nutzen. Wer dort eines bekommen hat, soll demnächst auch in die Läden dürfen.

In Offenbach werden die Bändchen seit Montag (13. Dezember) gegen Vorlage des Geimpften- oder Genesenennachweises in einem Pavillon in der Frankfurter Straße vergeben, in Bad Homburg bekommt man sie ab Dienstag (14. Dezember) in jedem Geschäft. Hofheim (Main-Taunus) verteilt sie seit dem 11. Dezember im Chinon-Center und im Bereich Hauptstraße/Marktplatz.

Hintergrund ist die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Hessen, wonach seit Sonntag im Einzelhandel für Kunden die 2G-Regel gilt - außer in Geschäften des täglichen Bedarfs wie in Supermärkten, Drogerien und Apotheken (zur vollständigen Liste).

Handel sieht 2G-Bändchen als große Erleichterung

Praktiziert wird das 2G-Bändchen-Konzept auch auf der anderen Rheinseite - in Mainz. Dort wird jeder Kunde nur einmal auf 2G kontrolliert und erhält dann ein Bändchen, mit dem er an diesem Tag Zutritt zu allen Geschäften hat. Das sei für den Handel eine große Erleichterung, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, der Nachrichtenagentur dpa.

"Die Kontrolle jedes Kunden in jedem Geschäft führt zu erheblichem Aufwand und zu Schlangenbildung vor den Ladentüren." Deshalb wirbt der HDE für eine eine bundesweite "Bändchenlösung" beim Einkauf in den Innenstädten und Einkaufszentren. "Es gibt aktuell ein buntes Durcheinander bei den Regelungen zur Kontrolle von 2G im Einzelhandel mit Gütern des nicht-täglichen Bedarfs", sagte Genth. Das müsse dringend vereinheitlicht werden.

Hilfestellung von Landesregierung erwünscht

Ähnlich die Einschätzung beim Handelsverband Hessen: "Die bisherigen Kontrollen an jeder Tür sind ein zu großer Aufwand", sagte Hauptgeschäftsführer Sven Rohde auf Nachfrage. Deshalb sei ein 2G-Bändchen eine "sinnvolle Lösung".

Allerdings wünsche man sich eine Hilfestellung der Landesregierung. So solle das 2G-Bändchen auch in der hessischen Corona-Verordnung berücksichtigt werden.

Kritiker: "Risiko zu hoch"

Nicht alle Städte und Händler teilen die Begeisterung für das Bändchen. In Gießen beispielsweise ist man dagegen. "Das Risiko ist uns zu hoch", sagte Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BID Seltersweg, einem Zusammenschluss der Ladenbesitzer in der Gießener Innenstadt, dem hr. Das Problem: Falls ein Laden nicht richtig kontrolliert, könnten auch Nicht-Geimpfte oder Nicht-Genesene an ein Bändchen kommen.

Und wenn dieser Kunde dann in einem anderen Laden vom Ordnungsamt erwischt wird, müsste wohl auch dessen Besitzer 2.000 Euro Strafe zahlen. Das könnte einer der Gründe gewesen sein, warum in Gießen die großen Ketten Galeria, H&M sowie TK Maxx nicht mitmachen wollten. "Außerdem spart es am Ende gar nicht so viel Personal", sagte Pfeffer. Denn auch die Bändchen müssten ja kontrolliert werden.

Staat soll Kontrollen unterstützen

Bei diesen Kontrollen fordert der HDE Unterstützung. Denn an dieser Stelle übernähmen die Unternehmen staatliche Aufgaben. Deshalb sollten hier entweder die Kommunen unterstützend tätig werden oder finanzielle Beiträge an die betroffenen Händler fließen, verlangte Genth.

Der Hauptgeschäftsführer ging sogar noch weiter: Grundsätzlich müsse die 2G-Regelung im Einzelhandel wieder abgeschafft werden, forderte er. Denn sie leiste keinen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie. Der Einkauf mit Maskenpflicht und Hygienekonzept sei sicher.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version wurde berichtet, dass es die 2G-Bändchen in Bad Homburg bereits seit dem 14. November gibt. Wir haben uns im Monat versehen und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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