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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Werkwohnungen sind im Trend

Collage: Das Bahnhaus in Frankfurt von außen; Werkswohnung von Sylvia Becker-Mane

Bezahlbare Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet sind rar. Das stellt auch Unternehmen vor Probleme, die dringend neue Mitarbeiter suchen. Nun setzen viele wieder auf Firmenwohnungen - von der Bahn bis zum Kita-Betreiber.

Wie real das Problem ist, zeigt das Beispiel von Sylvia Becker-Mane. Der Traumjob der Sozialpädagogin ist es, als Erzieherin mit Kindern zu arbeiten. Doch nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland wäre daraus fast nichts geworden.

Das lag nicht an fehlenden Stellenangeboten, sondern an der Schwierigkeit, eine bezahlbare Wohnung im Rhein-Main-Gebiet zu finden. "Ich war auf der Suche nach einem möblierten Zimmer oder einer kleinen Wohnung, in der wenigstens eine kleine Küche mit drin ist", erzählt die 42-Jährige. Angebote habe es auch gegeben, "aber die kann man mit dem Gehalt eines Sozialpädagogen in einer Kita nicht finanzieren."

Gesamtpaket: Job und günstige Wohnung

Seit zwei Wochen arbeitet sie in einer Kindertagesstätte im Frankfurter Stadtteil Sindlingen. Ihr neuer Arbeitgeber kann ihr beides bieten: eine Stelle und eine günstige Unterkunft in der Nähe. Der Träger der Kita hat erst vor kurzem eine große Wohnung in Flörsheim angemietet, die als Wohngemeinschaft für neue Mitarbeiter dient.

Sylvia Becker-Mane bei ihrer Arbeit im Kindergarten

So wolle man den neuen Kollegen den Einstieg in den Job erleichtern, erklärt der kaufmännische Leiter Björn Hörnle. "Es ist für uns einfach wichtig, in Zeiten des Fachkräftemangels die besten Pädagogen für unsere Einrichtung zu gewinnen. Da ist oftmals das Thema Wohnen im Rhein-Main-Gebiet ein absoluter Engpass." Aber daran wolle man es nicht scheitern lassen.

Selbst Metzgerei sorgt für Wohnungen

Diesen Lösungsansatz haben auch andere Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen inzwischen für sich entdeckt. Werks- und Firmenwohnungen scheinen einen neuen Boom zu erleben. Für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband sollen in Frankfurt bald 375 Wohnungen entstehen. Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden planen rund 200 Wohnungen für Mitarbeiter.

Selbst kleine Betriebe folgen dem Trend: So investiert eine Metzgerei in Kronberg aktuell in 20 neue Wohnungen.

Bahn denkt über Neubau nach

Auch bei der Deutschen Bahn - einem der größten Arbeitgeber Hessens - denkt man über den Neubau von Wohnungen für Mitarbeiter nach. Derzeit stehen rund 400 vergünstigte Apartments zur Verfügung, beginnend bei 300 Euro inklusive Nebenkosten.

DB-Personalleiter Bernhard Schad in einem Appartement der Deutschen Bahn

Doch das reiche nicht, denn der Personalbedarf bei der Bahn sei groß, sagt DB-Personalleiter Bernhard Schad. "Wir werden allein in Hessen dieses Jahr rund 4.800 Menschen neu einstellen. Und wir können es uns eigentlich nicht leisten, dass ein Vertragsabschluss am Ende nicht zustande kommt, weil die Menschen keine Wohnung haben, gerade hier im Rhein-Main-Gebiet."

Mieterbund: Gute Entwicklung - aber ...

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hs
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Der Hessische Mieterbund begrüßt diese Entwicklung. Es ist ein deutlicher Umschwung, denn vor knapp 20 Jahren wurden Werkswohnungen noch im großen Stil an private Investoren verkauft. Über 20.000 Wohnungen in Hessen seien damals veräußert worden, schätzt Eva-Maria Winckelmann, Geschäftsführerin des Mieterbundes Wiesbaden.

"Das war seinerzeit ein sehr großer Fehler, denn die Wohnungen, die jetzt alle im privaten Eigentum sind, sind oft von sogenannten Heuschrecken gekauft worden." Das hatte laut Winckelmann zur Folge, dass die Wohnungen längst nicht mehr so gut betreut würden, wie das früher der Fall gewesen sei. Zudem zahlten die Mieter in der Regel deutlich mehr, da die Mietsteigerungen höher ausfielen: "Diese Unternehmen möchten natürlich so viel wie möglich rausholen."

Um die Nachfrage nach günstigem Wohnraum im Rhein-Main-Gebiet zu decken, müssten allerdings noch deutlich mehr Unternehmen dem Trend folgen: Laut Schätzungen des Mieterbundes bräuchte es dafür derzeit rund 70.000 Werkswohnungen.

Sendung: hr4, 14.11.2019, 18.45 Uhr