Zu sehen sind Menschen, in einem Abteil einer S-Bahn sitzend.

Im vergangenen Jahr hat der RMV über 800 Millionen Fahrgäste transportiert - so viele wie noch nie zuvor. Spätestens 2030 soll die Marke von einer Milliarde Passagieren geknackt werden. Das stellt den RMV vor Schwierigkeiten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 25 Jahre RMV - Steigende Passagierzahlen und neue Herausforderungen

Bus Frankfurt
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Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum und kann gleich eine Erfolgsmeldung verkünden: Im abgelaufenen Jahr nutzten so viele Menschen wie noch nie die Busse und Bahnen. Einer ersten Schätzung des RMV zufolge waren es rund 805 Millionen Fahrgäste – 17 Millionen mehr als 2017. Es sei gut möglich, dass die endgültigen Werte noch höher lägen, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat.

Spätestens im Jahr 2030 rechne man damit, die Eine-Milliarde-Grenze zu knacken. Es könnte aber auch schon 2025 so weit sein, sagte Ringat. Doch bei aller Freude über die gestiegenen Kundenzahlen ist Ringat auch bewusst, dass diese Entwicklung Herausforderungen mit sich bringt - wenn nicht gar Probleme. Denn schon heute ist das Schienennetz teilweise überlastet, Züge sind unpünktlich und es fehlt an Personal. Diese Schwierigkeiten gilt es für den RMV zu lösen:

Unpünktlichkeit

Seit Jahren strebt der RMV eine Pünktlichkeitsquote von 96 Prozent an – und verfehlt sein Ziel immer wieder. Im vergangenen Jahr hielten 92 Prozent aller Züge den Fahrplan ein, genauso wie schon 2017 und 2018. Am schlechtesten schnitten die S-Bahnen der Linien S2, S8 und S9 ab.

Verantwortlich seien vor allem externe Störungen. Notarzt- und Polizeieinsätze sowie Personen im Gleis hätten in verschiedenen Wochen für mehr als 40 Prozent aller Störungen gesorgt. Laut RMV wirken sich auch die gestiegenen Passagierzahlen negativ aus: S-Bahnen müssen länger halten als veranschlagt, da mehr Menschen ein- und aussteigen wollen.

Um pünktlicher zu werden, wollen Bahn und RMV unter anderem mehr Züge anschaffen. Vierzehn Fahrzeuge kommen in diesem Jahr dazu, bis 2023 soll noch einmal aufgestockt werden auf insgesamt 212 Züge. Außerdem setze man weiter auf Einstieglotsen sowie schnellere Ein- und Ausfahrtgeschwindigkeiten. Türen am Ende der Bahnsteige im Tunnel unter Frankfurt sollen verhindern, dass Menschen auf die Gleise gelangen und den Zugverkehr lahmlegen.

Personalmangel

Immer wieder wurden einzelne Verbindungen gestrichen, weil die Fahrer krank waren und kein Ersatz gefunden wurde. Das Problem könnte sich in den kommenden Jahren verschärfen, denn laut RMV ist jeder Dritte Lokführer zwischen 55 und 65 Jahre alt.

Dem Personalmangel entgegenzusteuern habe deswegen höchste Priorität. Die Bahn habe im vergangenen Jahr so viele Lokführer eingestellt wie noch nie, sagte Ringat. Zusätzlich würden dort über 1.000 Auszubildende pro Jahr angelernt - allerdings schaffe nicht jeder die Ausbildung. Außerdem gebe es einen großen Wettbewerb um diese Fachkräfte.

Marode Infrastruktur

"Fast jeden Tag gibt es Oberleitungsstörungen", kritisierte zuletzt der Fahrgastverband Pro Bahn. Dazu kommen Signalstörungen, Probleme an den Weichen oder an Stellwerken, die immer wieder zu Verspätungen und Ausfällen führen.

Zusammen mit der Bahn will der RMV bei diesem Thema in Zukunft mehr auf Prävention setzen. Zum Beispiel sollten Signale rechtzeitig ausgetauscht werden und nicht erst, wenn sie kaputt sind. Nach und nach soll außerdem das Schienennetz digitalisiert werden. Erste Erfolge gebe es zum Beispiel beim neuen Stellwerk im Frankfurter S-Bahn-Tunnel. Nach der aufwendigen Sanierung in den vergangenen Jahren sei die Zahl der Störungen um 75 Prozent zurückgegangen.

Überlastetes Schienennetz

Schon heute sei das Netz nicht nur belastet, sondern teilweise überlastet, sagte Ringat. "Die große Entlastung wird es erst mit dem Infrastrukturausbau geben." Doch das kostet Geld. Im Vergleich mit den Nachbarländern werde in Deutschland laut Ringat wenig investiert: 2018 seien 77 Euro pro Bürger in die Schieneninfrastruktur geflossen – in der Schweiz seien es 365 Euro gewesen.

Ausbaupläne für Hessen seien vorhanden. Nur wenn man diese umsetze, könne der erwartete Anstieg an Fahrgästen überhaupt bewältigt werden. Dazu zählen die Regionaltangente West, die nordmainische S-Bahn sowie das Vorhaben, einen Fernbahntunnel bis zum Frankfurter Hauptbahnhof zu bauen. Allein für die Regionaltangente West sind Kosten von 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Bis zum Jahr 2030 sollen laut Ringat 200 Kilometer mehr Gleise zur Verfügung stehen, Strecken wie die Aartalbahn sollen reaktiviert werden.

Der RMV setzt nicht nur auf die Schiene: In Regionen, in denen keine Bahnstrecken existieren, sollen Expressbusse die Lücke füllen. Drei neue X-Bus-Linien starten 2021 (Alsfeld - Bad Hersfeld, Gladenbach - Herborn, Dillenburg - Biedenkopf), 16 weitere Strecken werden gerade geprüft.

Herausforderung "Vernetzte Mobilität"

Wer heute unterwegs ist, setzt nicht unbedingt nur auf Bus oder Bahn. E-Roller, Carsharing und andere Angebote bieten zusätzliche Möglichkeiten und lassen sich mit den öffentlichen Nahverkehr kombinieren.

Die neue App des RMV soll es den Kunden einfacher machen, sich über mögliche Verbindungen inklusive solcher Angebote zu informieren. Außerdem soll man sie über die App auch gleich buchen und bezahlen können - ohne sich extra eine zweite App, z.B. für den Carsharing-Anbieter installieren zu müssen. Die neue RMV-App soll Ende des Jahres zum Download bereit stehen.

Außerdem hat sich der RMV mit neun anderen Verkehrsverbünden aus ganz Deutschland zusammengetan. Das Ziel: Über die App des RMV soll man in Zukunft Fahrten durch ganz Deutschland buchen können und Auskünfte über Busse und Bahnen in anderen Städten erhalten. Momentan ist das Angebot noch in der Testphase.