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Audioseite Miese Betrugsmasche mit Inkasso-Briefen

Inkasso

Sie wollen Geld sehen und drohen mit Gerichtsvollzieher und negativem Schufa-Eintrag: Falsche Inkasso-Büros verschicken derzeit vermehrt Schreiben. So reagieren Verbraucher richtig.

Kleo Freese-Holzmann staunte, als er vor knapp drei Wochen ein Schreiben eines angeblichen Kölner Inkasso-Büros namens "Rigo Forderungs AG" aus seinem Briefkasten zog. Dort stand, er habe an Glückspielen wie "Eurojackpot" teilgenommen und dafür telefonisch einen Vertrag über ein Abo abgeschlossen. Allerdings habe er dort noch offene Schulden in Höhe von knapp 270 Euro. "Dabei bezahle ich immer alles", sagt der Friedrichsdorfer: "Und mit Glücksspielen habe ich nichts zu tun."

"Daraufhin wollte ich bei dem Inkasso-Büro in Köln anrufen, habe aber unter der auf dem Schreiben angegebenen Nummer niemand erreicht", berichtet der Mann. Wie sich herausstellte, ist die Rufnummer gar nicht vergeben. Auch im Internet ist die Firma nicht auffindbar. Auf eine schriftliche Anfrage des Hessischen Rundfunks an die in dem Schreiben angegebene E-Mail-Adresse kam keine Antwort.

"Gespickt mit Rechtschreibfehlern"

Freese-Holzmann suchte Hilfe bei der Verbraucherzentrale Hessen. Dort melden sich immer mehr Verbraucher, die falsche Inkasso-Schreiben bekommen haben. "Die erkennt man etwa daran, dass sie oft gespickt sind mit Rechtsschreibfehlern", sagt Kai-Oliver Kruske, Referent für Verbraucherrecht: "Dagegen wäre ein Brief von einer seriösen Firma in der Regel fehlerfrei." Statt einer offiziellen Firmen-E-Mail-Adresse gäben die Betrüger häufig nur eine private E-Mail-Adresse an.

Ein weiterer Hinweis auf Betrug: Obwohl die angeblichen Inkasso-Unternehmen vorgeben, ihren Sitz in Deutschland zu haben, fordern sie ihre Adressaten dazu auf, Geld ins Ausland zu überweisen. So werden in den Schreiben etwa Konten in der Slowakei oder in Litauen angegeben. "Spätestens dann sollten die Alarmglocken angehen", meint Verbraucherschützer Kruske.

Ist das Geld weg, wird's schwierig

Auch wenn die Inkasso-Büros Druck ausüben, mit einem negativen Eintrag bei Wirtschaftsauskunfteien wie der Schufa drohen oder mit dem Gerichtsvollzieher, sollten sich Verbraucher davon nicht einschüchtern lassen, empfiehlt Kruske. Er rät dringend davon, voreilig Geld zu überweisen: "Denn dann wird es schwierig, dieses Geld zurückzufordern, wenn man feststellt: Die Forderung war nicht seriös."

Nicht einmal Widerspruch sollten Verbraucher schriftlich oder telefonisch einlegen, heißt es beim Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen. Generell sollten sie das angebliche Inkasso-Büro nicht von sich aus kontaktieren. Sonst riskierten sie nämlich, weiter belästigt zu werden und immer neue Schreiben zu erhalten.

Die Kriminellen wechseln die Namen

Auch dort melden sich immer mehr Verbraucher wegen falscher Inkasso-Schreiben. Der Verband spricht von einer neuen "Beschwerde-Welle" und hat auf seiner Webseite eine Liste mit allen dubiosen Inkasso-Firmen veröffentlicht. "Das Problem ist aber, dass die Betrüger sich immer neue Namen einfallen lassen und sie auch innerhalb weniger Tage ändern", berichtet Verbandspressesprecher Lorenz Becker. Teilweise missbrauchten sie sogar die Namen bestehender, seriöser Inkasso-Unternehmen für ihre illegalen Machenschaften.

Ob die angeblichen Inkasso-Büros Mitglied im Bundesverband seien, lasse sich auf dessen Webseite leicht überprüfen, meint der Verbandssprecher. Man nehme alle Hinweise von Verbrauchern dazu gerne auf, sagt Becker: "Wir raten aber auch zu einer Anzeige bei der Polizei, weil es sich dabei um Betrug handelt."

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