Abgestorbener Baum im Frankfurter Stadtwald

Vertrocknete Bäume und Schädlingsbefall: Die Situation im Frankfurter Stadtwald ist dramatisch. 97 Prozent der Bäume sind nach Angaben der Umweltdezernentin mittel bis stark geschädigt.

Videobeitrag

Video

zum Video Frankfurter Stadtwald stark geschädigt

hessenschau
Ende des Videobeitrags

So schlimm stand es wohl noch nie um Frankfurts Stadtwald: Durch die Trockenheit der letzten Jahre sind vor allem Eichen und Buchen massiv geschädigt. Das berichtete Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Montag bei einem Ortstermin. Knapp 97 Prozent der Bäume sind nach ihren Angaben mittel bis stark geschädigt. Die düsterste Bilanz seit Beginn der Waldzustandserhebung im Jahr 1984.

Für den Stadtwald wünscht sich Heilig, dass der Sommer so weitergehe wie bisher: mit Regen, Wärme und Gewittern. Das würde auch die Waldbrandgefahr verringern. Derzeit ist die Laubschicht staubtrocken. "Perfektes Brennmaterial", warnte Stadtforstchefin Tina Baumann. Immerhin sei die obere Bodenschicht nun wieder durchfeuchtet nach den jüngsten Regenfällen.

Tote Bäume stehen wie Skelette im Wald

Die Trockenschäden an vielen mehr als 100 Jahre alten Eichen oder Buchen können dadurch aber nicht immer gelindert werden. "Für manche Bäume, die noch ein paar Blätter haben, besteht vielleicht eine Chance, dass sie sich erholen. Andere sind tot", sagte Baumann.

Wie Skelette stehen diese toten Bäume im Wald. Andere sind stark angegriffen, große Teile ihrer Rinde sind abgeplatzt - eine Folge der Hitzesommer. "Auch Bäume kriegen Sonnenbrand", beschrieb die Stadtforstchefin dieses Phänomen.

Die aktuelle Corona-Pandemie dürfe die Gefahren für die Umwelt durch die Folgen des Klimawandels nicht aus dem Bewusstsein verdrängen, mahnte Umweltdezernentin Heilig. "Wir müssen parallel den Klimawandel bewältigen - dagegen gibt es keinen Impfstoff."

Förster bekämpfen Borkenkäfer

Währenddessen bleiben die Förster nicht untätig: Mit ständigen Kontrollen und dem Aufstellen von Fallen ist vor allem der Kampf gegen den Borkenkäfer intensiviert worden, der bei den Fichten im Taunus ganze Flächen zerstört hat, wie Stadtforstchefin Baumann betonte.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lage im Frankfurter Stadtwald ist hochdramatisch

Tina Baumann, Abteilungsleiterin Stadtforst im Grünflächenamt, hält Rinde einer Buche in den Händen, die sich vom Stamm gelöst hat.
Ende des Audiobeitrags

Die verstärkten Kontrollen, aber auch Maßnahmen wie das Schlagen toter oder geschädigter Bäume in der Nähe von Straßen erfordere allerdings etwa den fünffachen finanziellen Aufwand der normalen Arbeit.

Gleichzeitig macht ein extremer Verfall der Holzpreise dem Stadtforst auch finanziell zu schaffen. So erzielte der Stadtforst durch den Verkauf von Holz in früheren Jahren Einnahmen von 400.000 bis 600.000 Euro, sagte Heilig. Da habe der Durchschnittserlös pro Kubikmeter noch 45 Euro betragen, inzwischen seien es rund 19 Euro, ergänzte Baumann. Im vergangenem Jahr sei der reguläre Holzeinschlag daher eingestellt worden, nur Schadholz werde entfernt.

Neue Baumarten lassen hoffen

Eine Maßnahme, um den Stadtwald widerstandsfähig zu machen, sei neben der Pflanzung heimischer Arten und schnellstmöglicher Wiederaufforstung das Anlegen von Versuchsflächen mit südeuropäischen Bäumen wie Küstentanne, Schwarzkiefer oder Atlas-Zeder. "Da warten wir mal ab, wie sich die Pflanzen entwickeln." Die Hoffnung der Förster ist, dass diese "Neuankömmlinge" im Stadtwald besser mit Hitze umgehen können.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.6.2020, 19.30 Uhr