Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verwaltungsgericht stoppt Rewe-Logistikzentrum

bild-grafik-logistikzentrum

Das geplante Rewe-Logistikzentrum in Wölfersheim soll riesige Ausmaße haben: 100.000 Quadratmeter groß, 35 Meter hoch, Arbeit für 500 Menschen - aber all das liegt jetzt erst mal auf Eis. Denn bei der Planung ist laut Gießener Verwaltungsgericht der Feldhamster nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Das geplante Logistikzentrum der Supermarkt-Kette Rewe in Wölfersheim (Wetterau) ist vorerst gestoppt. Das Verwaltungsgericht Gießen gab am Montag einem Eilantrag des Naturschutzbundes BUND gegen die bereits begonnenen Bauarbeiten statt.

Der BUND hatte in seinem Eilantrag vor allem beklagt, dass die Umweltverträglichkeit nicht ausreichend geprüft worden sei. Konkret geht es um die Feldhamster auf dem rund 30 Hektar großen Baugrundstück und um die Tiere im benachbarten Vogelschutzgebiet.

Ein Mal eine Kamera aufstellen reicht nicht

Das Verwaltungsgericht kam am Montag zu dem Schluss, dass diese Rügen "nicht von vornherein völlig von der Hand zu weisen" seien. Zum Beispiel sei das Feldhamster-Vorkommen möglicherweise "nicht hinreichend untersucht" worden - tatsächlich sei nur ein Mal im Jahr 2018 eine Wildkamera aufgestellt worden. Diese Untersuchungen seien "eher unzureichend".

Deshalb müsse man mit den Arbeiten warten, bis der Verwaltungsgerichtshof in Kassel über den Bebauungsplan urteilt. Andernfalls könnten dem Artenschutz "nicht rückgängig zu machende Konsequenzen" drohen. Anfang Juli hatte die Gemeinde den Bebauungsplan verabschiedet, Mitte Juli hatte der Wetteraukreis die Baugenehmigung erteilt. Dagegen hatte der BUND Widerspruch eingelegt.

Umweltschützer "hocherfreut"

BUND-Landesvorstand Werner Neumann äußerte sich "hocherfreut" über die Gerichtsentscheidung. "Wir haben erreicht, dass immense Schäden durch die Bauarbeiten von Rewe verhindert werden", denn für das Zentrum müsse "sehr wertvoller Boden" weichen.

Der Rewe-Konzern teilte am Dienstag mit, selbstverständlich respektiere man die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gießen. "Wir werden uns mit den Beschlüssen des Gerichts im Detail inhaltlich auseinandersetzen, die Argumente prüfen und die beteiligten Fachleute und Experten um ihre Stellungnahmen bitten, um dann über weitergehende Rechtsmittel zu beraten", sagte ein Unternehmenssprecher.

Der Wetteraukreis wollte sich laut einer Sprecherin am Montag zunächst nicht äußern, sie verwies auf das noch nicht abgeschlossene Verfahren. Bei der Gemeinde Wölfersheim war zunächst niemand zu erreichen.

Umstrittenes Projekt

Das Projekt in Wölfersheim ist schon lange umstritten. Wölfersheims Bürgermeister Eike See (SPD) hatte sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen - das Zentrum bringe mehr als 500 Arbeitsplätze und hohe Einnahmen aus der Grund- und Gewerbesteuer. Für Rewe waren die günstige Anbindung an die A45 und der Platz ausschlaggebend.

Umweltschützer und Wissenschaftler hatten dagegen gesagt, dass für das Projekt einer der fruchtbarsten Böden in ganz Europa dauerhaft versiegelt würde - auf einer Fläche von etwa 42 Fußballfeldern. 2.000 Lkw-Fahrten pro Tag, dazu sechs Meter hohe Lärmschutzwände, all das habe Auswirkungen auf die Natur.

Sendung, hr4, die hessenschau in Mittelhessen, 27.07.2020, 16.30 Uhr