Finanzen für Frauen

Geld anlegen, fürs Alter vorsorgen: In so wichtigen Fragen werden Frauen oft schlechter beraten als Männer. Doch mittlerweile gibt es zahlreiche Extra-Angebote für sie.

Seit elf Jahren arbeitet Lisa Hassenzahl im Finanzsektor. Sie berät Menschen bei Fragen zur Geldanlage und Finanzplanung. Lange Zeit bestand ihre Kundschaft zu 90 Prozent aus Männern. Doch immer öfter hat die 31-Jährige Anfragen von Frauen bekommen, die sich ausdrücklich von einer Frau beraten lassen wollten. "Ich habe festgestellt, dass Frauen auf diesem Gebiet nicht die Wahl haben."

Lisa Hassenzahl berät in ihrem Büro in Darmstadt vor allem Frauen.

So sei die Idee für ihr eigenes Unternehmen "Her Family Office" in Darmstadt entstanden. Eine Finanzplanung, bei der sie vor allem Frauen berät. "Frauen mögen das Gefühl, alle Fragen stellen zu können und unter sich sein zu können", sagt sie. Männer und Frauen würden unterschiedlich ticken, wenn es ums Geld gehe. Denn Frauen überlegten länger, bevor sie eine Investition tätigen, sagt Hassenzahl. Sie informierten sich lange im Voraus. "Ich lese noch ein Buch, dann fang ich an – das würden Männer nie sagen."

Frauen zahlen höhere Gebühren

Dass Frauen und Männer nicht nur anders ticken, sondern auch anders behandelt werden, hat eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, des Finanzforschungszentrums Safe und der Universität Frankfurt ergeben.

Die Untersuchung zeigt: Frauen bezahlen für ihre Geldanlage höhere Gebühren als Männer. Und ihnen werden teurere Fonds empfohlen, die eine geringere Rendite abwerfen. Das hat laut Studienautorin Christine Laudenbach mehrere Gründe. Zum einen verhandelten Männer häufiger. Dadurch bekommen sie mehr Rabatte. Zum anderen entscheiden Frauen sich häufiger für "Rundum-Sorglos-Pakete", die teurer seien. "Das Verständnis von Kosten ist bei Frauen schlechter", sagt Laudenbach.

Dafür sei vor allem eine kulturelle Komponente entscheidend. So werde Frauen noch immer vermittelt, dass sie schlechter in Mathe seien und sich mit Finanzen nicht beschäftigen müssten. "Es fehlt oft dieser Startpunkt", sagt Laudenbach. Die jüngere Generation rede allerdings schon mehr über das Thema, meint Finanzplanerin Lisa Hassenzahl: "Gezwungenermaßen. Ohne Zinsen gibt keine Möglichkeiten mehr, wie früher. Die Welt ist risikoreicher."

Eine Welt voller Männer

Um das Verständnis von Frauen für Finanzen zu verbessern, hat Claudia Müller das "Female Finance Forum" in Frankfurt gegründet. In Workshops, Online-Kursen und auf Blogs informiert sie Teilnehmerinnen, wie anlegen funktioniert, welche Produkte sinnvoll sind und welche nicht. Finanzprodukte verkaufen tut sie selbst keine. Die Idee für ihr Unternehmen sei vor drei Jahren durch eine Freundin entstanden: "Sie sagte: Ich lese mich ein und die Autoren, die Experten - das sind alles Männer."

Claudia Müller erzählt den Teilnehmern, wie sie ihr Geld am besten anlegen können.

Seitdem ist der 34-Jährigen klar: "Wir brauchen weibliche Vorbilder." Viel zu oft stünden Männer im Fokus der Finanzwelt. Auch ein Großteil der Werbung richte sich noch immer an Männer. "Der Vater sitzt hinter dem Laptop und die Frau ist mit den Kindern beschäftigt."

Alle drei Frauen sind sich einig: Es braucht keine eigenen Produkte, wie pinke Kreditkarten oder eine rosa Geldanlage. "Das ist Quatsch. Warum sollte ein Produkt für Frauen anders aussehen?", sagt Laudenbach. Viel wichtiger sei, dass sich die Finanzwelt ändere und Frauen sich mehr angesprochen fühlten.

Warum Vorsorge für Frauen wichtig ist

Denn gerade für Frauen ist es wichtig, sich mit Geldfragen auseinanderzusetzen. "Wir Frauen haben weniger Geld zu Verfügung", sagt Müller. Denn Frauen sind häufiger in Teilzeit beschäftigt und haben durchschnittlich niedrigere Einkommen. "Wir müssen nicht reich sein, um zu investieren, sondern um reich zu werden", sagt die Frankfurterin.

Claudia Müller möchte Frauen motivieren, sich mit ihrem Geld und der Zukunft zu beschäftigen. Das Thema sei nicht komplex, es müsse einem nur gut erklärt werden. "Mein Ziel ist es, dass Female Finance Forum irgendwann überflüssig ist", sagt sie. Dann ginge sie wieder ihrem Job als Anlageberaterin nach. Doch bis dahin dauere es wohl noch ein paar Jahre.