Gastronomie, Tourismus, Veranstalter: In solchen Branchen drohen viele Corona-Pleiten. Hessens Finanzminister Boddenberg bereitet deshalb zusätzliche Finanzhilfen vor.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ministerium denkt über Nachbesserungen bei Corona-Hilfen nach

Bildkombo: Ein Schild vor einem Hotel zeigt freie Betten an, tische eine Cafés sind mit Absperrband umwickelt
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120.000 Anträge bisher, 800 Millionen Euro ausgezahlt: Von den staatlichen Soforthilfen für die hessische Wirtschaft ist schon einiges angekommen. Angesichts der dramatischen Folgen der Corona-Krise für viele Unternehmen bereitet Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) aber schon Stufe 2 vor.

Mögliche Nachbesserung stellt er besonders hart getroffenen Branchen in Aussicht. Große Sorgenkinder seien etwa die Gastronomie, die Hotellerie, der Tourismus, die Veranstaltungsunternehmen oder die Messebauer und die Luftverkehrswirtschaft, sagte der Minister.

"Also alle, die bereits jetzt viele Aufträge und Umsätze verloren haben, und diese auch nach Lockerung der Corona-Maßnahmen nicht mehr nachträglich reinbekommen."

Zweiter Nachschlag, zweiter Nachtrag

Man habe an viel gedacht und viel geholfen, müsse aber täglich weitermachen, sagte der Minister. "Wenn es neue oder mehr Bedarfe gibt, schauen wir uns das gründlich an."Boddenberg ist seit 31. März im Amt. Den ersten milliardenschweren Corona-Rettungsschirm hatte die Landesregierung eilig eine Woche zuvor noch unter Federführung des kurz darauf verstorbenen Amtsvorgängers Thomas Schäfer aufgespannt. Wie seinerzeit müssten auch neuerliche Hilfen über einen Nachtragsetat abgewickelt werden, der die Zustimmung des Landtags braucht.

Boddenberg: "Reicht das denn?"

Die Landesregierung schaue regelmäßig, wie die Hilfen und damit auch die Förderprogramme wirkten. Dazu zählten insbesondere die Soforthilfen, Mikrokredite oder Bürgschaften. "In Summe müssen wir bei manchen Dingen schlichtweg darüber reden: Reicht das denn?" Es sei bereits absehbar, dass die Auswirkungen der Krise in manchen Branchen deutlich länger als drei oder vier Monaten dauerten.

Finanzminister Michael Boddenberg (CDU)

Die Größenordnung des angekündigten zweiten Nachtragshaushaltes wollte Boddenberg noch nicht beziffern. Hier sei unter anderem die Steuerschätzung Mitte Mai maßgeblich. Erst dann wisse man mehr darüber, welche Beträge bei den Einnahmen wegbrechen.

"Sehr vieles ist abhängig davon, wie sich die Wirtschaft in kleinen Schritten analog zu den Lockerungen wieder in Richtung Normalität bewegen wird und welche Folgen diese Lockerungen auf das Infektionsgeschehen haben", sagte der Minister.

Nicht alles zu kalkulieren

Nach den ersten Öffnungen kleinerer Läden sei der Verkauf nicht gleich mit 100 Prozent angelaufen - "das kann man in dieser Ausnahmesituation vorher nicht zuverlässig kalkulieren, wie die Menschen auf weitere Lockerungen reagieren."

Man müsse auch unterscheiden, um welchen Konsum es gehe, gab Boddenberg zu Bedenken. Manche Einkäufe würden in der Krise verschoben. Ein Abendessen, das nicht stattgefunden hat, könne dagegen selbstverständlich nicht nachgeholt werden.

Sendung: hr-iNFO, 3.5.2020