Lufthansa Schalter

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo will über den Jahreswechsel die Lufthansa-Tochter Germanwings bestreiken. Die Lufthansa-Kernmarke werde fürs Erste verschont - unter Vorbehalt.

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Flugbegleiter bestreiken vorerst nur Lufthansa-Tochter
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Aufatmen bei Lufthansa-Passagieren: Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat wegen des Tarifstreits mit dem Konzern zwar zeitnahe Streiks angekündigt. Diese sollen aber zunächst nur die Lufthansa-Tochter Germanwings betreffen. Der Ausstand dort solle vom 30. Dezember, 0 Uhr, bis zum 1. Januar, 24 Uhr, dauern, kündigte der stellvertretende Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr am Freitag auf dem YouTube-Kanal der Gewerkschaft an.

Ufo: Kein Flug von Frankfurt betroffen

Damit sind Reisende, die vom Frankfurter Flughafen in den Urlaub aufbrechen, außen vor. Am größten deutschen Airport sei kein Flug von dem Streik betroffen, sagte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies dem hr. Der Schwerpunkt liege unter anderem in Köln, Düsseldorf und zu Teilen in München.

Während die Verhandlungen mit den Lufthansa-Töchtern SunExpress und Cityline "normal" verliefen, gebe des Germanwings-Management den Mitarbeitern keine klare Perspektive, sagte Flohr.

Mit Eurowings kündigte am Freitagabend eine weitere Lufthansa-Tochter an, einen Sonderflugplan zu erstellen, um die Auswirkungen auf die Fluggäste gering zu halten. Außerdem wies die Fluggesellschaft darauf hin, dass sie 140 Flugzeuge habe, von denen nur die 30 Germanwings-Maschinen von dem Streik betroffen seien.

Gewerkschaft behält sich Streiks bei Lufthansa vor

Ausgestanden ist die Sache für die Lufthansa deshalb aber noch nicht. Weitere Streiks werde man zwar erst nach dem 2. Januar ankündigen, sagte Flohr. Allerdings nur, wenn es nicht zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts durch "Falschmeldungen, unbegründete Klagen, einstweilige Verfügungen" seitens der Lufthansa komme. In diesem Fall könne es auch schon vorher weitere Streikaufrufe geben.

Der Gewerkschafter kritisierte die Abberufung der bisherigen Lufthansa-Personalvorständin Bettina Volkens. Diese habe eine Neuausrichtung der Sozialpartnerschaft zwischen der Lufthansa und dem Personal angestrebt, so Flohr. Volkens verlässt den Konzern nun zum 1. Januar.

Keine kurzfristigen Lösungen gefunden

Die Arbeitskampfmaßnahme hatte die Gewerkschaft bereits vor einigen Tagen angekündigt. Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Tarifkonflikt mit dem Lufthansa-Konzern. In einem Schreiben hatte die Gewerkschaft ihren Mitgliedern mitgeteilt, es habe über die Weihnachtsfeiertage weitere Versuche der Schlichter für kurzfristige Lösungen gegeben. Die Lufthansa habe jedoch nichts davon aufgenommen, sagte Flohr, sodass keine Gespräche zustande gekommen seien.

Vor Weihnachten hatten die beiden vorgesehenen Schlichter - der frühere Chef der Arbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, und der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) - die zerstrittenen Tarifparteien zu einem weiteren Schlichtungsvorgespräch eingeladen. Dabei sollte der genaue Umfang der Themen festgelegt werden.

Lufthansa wirft Ufo Blockade-Haltung vor

Die Lufthansa warf ihrerseits der Gewerkschaft eine Blockade-Haltung vor. "Der Konflikt ist für uns kaum lösbar, da Ufo sich seit Wochen weigert, schriftlich mitzuteilen, was die konkreten Inhalte der Forderungen ihres Beauftragten sind", sagte Vorstand Detlef Kayser. "So kommen wir nicht weiter und auch nicht in die Schlichtung."

"Hier wird offensichtlich ein Arbeitskampf missbraucht, um persönliche und finanzielle Interessen des Vorstandsbeauftragten der Gewerkschaft durchzusetzen", sagte Kayser weiter. Die Lufthansa hatte Baublies im September fristlos gekündigt.

1.500 Flüge im November gestrichen

In dem Konflikt gab es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft. Dabei fielen im November rund 1.500 Flüge mit rund 200.000 betroffenen Passagieren aus.

Das Kabinenpersonal fordert unter anderem höhere Spesen und Zulagen. Außerdem verlangt Ufo die Rücknahme von Kündigungen und Klagen gegen frühere und aktuelle Vorstandsmitglieder.

Lufthansa hatte den Vertretungsanspruch von Ufo für die Flugbegleiter lange Zeit gar nicht anerkannt. Im November hatte man sich bilateral auf Grundzüge geeinigt, dann aber doch nicht zueinander gefunden.

Sendung: hr-iNFO, 27.12.2019, 18 Uhr