Streikende Verdi-Mitglieder im Terminal
Streikendes Sicherheitspersonal im Terminal Bild © picture-alliance/dpa

Ein Warnstreik des Sicherheitspersonals hat am Dienstag zu hunderten Flugausfällen am Frankfurter Flughafen geführt. Ein paar Flieger konnten am Abend noch starten. Chaotische Szenen blieben aus.

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Um 22:38 Uhr ging am Dienstagabend der letzte Flieger vom Frankfurter Flughafen raus. Während sonst jede Minute bis zum Beginn des Nachtflugverbots um 23 Uhr für Starts genutzt wird, blieb es diesmal vergleichsweise ruhig.

Wegen eines Warnstreiks des Sicherheitspersonals, zu dem die Gewerkschaft Verdi und der deutsche Beamtenbund (DBB) aufgerufen hatten, waren schon im Vorfeld hunderte Flüge abgesagt worden. Laut Verdi beteiligten sich in Frankfurt rund 1.000 Sicherheitsleute an dem Ausstand.

Noch rund 50 Flüge am Abend

Der Streik hatte um 2 Uhr am Morgen begonnen und endete wie geplant um 20 Uhr. Kurz vor Streikende bildeten sich an den Schaltern lange Schlangen. Rund 50 Flüge konnten noch abgefertigt werden. Einem Flughafensprecher zufolge verlief die Abfertigung geordnet.

Insgesamt etwa 620 der rund 1.200 Verbindungen waren zuvor abgesagt worden. Das Nachsehen hatten vor allem Passagiere, die ihren Flug in Frankfurt beginnen wollten. Viele Umsteiger hingegen, die den Transitbereich nicht verlassen mussten, konnten fliegen, falls ihr Flug stattfand.

Allein die Lufthansa sah sich gezwungen, im Vorfeld 400 ihrer 640 Verbindungen zu streichen. Eine Condor-Sprecherin sagte, die Fluglinie wolle rund 1.000 Passagiere mit Bussen an nicht bestreikte Flughäfen bringen.

Passagiere waren vorbereitet

Bei regulärem Flugbetrieb wären an diesem Dienstag etwa 135.000 Passagiere am Frankfurter Flughafen erwartet worden. Stattdessen blieb es aber ruhig, in den Abfertigungshallen war wenig los. Viele Passagiere hatten sich auf den seit Tagen angekündigten Streik vorbereitet und waren gar nicht erst zum Flughafen gekommen.

Feldbetten, die man vorsichtshalber für gestrandete Passagiere bereit hielt, wurden einem Flughafensprecher zufolge nicht gebraucht. Eine genaue Bilanz der Auswirkungen des Warnstreiks will der Flughafenbetreiber Fraport am Mittwoch bekannt geben.

Verdi verlangt 20 Euro Stundenlohn für alle

Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit 23.000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den Flughäfen eine einheitliche Bezahlung. Verdi verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB 19,50 Euro.

Bislang reichen die Stundenlöhne in der Branche von 11,30 Euro (Gepäck- und Personalkontrolleure in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt) bis 17,16 Euro (Passagierkontrolleure in Baden-Württemberg).

Der neue Streikaufruf sei notwendig geworden, weil der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) auf die jüngsten Warnstreiks in verschiedenen Städten nicht "mit einem verhandlungsfähigen Angebot reagiert" habe, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. DBB-Verhandlungsführer Volker Geyer kommentierte: "Die Arbeitgeber lassen uns mit ihrer Blockadehaltung leider keine andere Wahl."

Arbeitgeber erklären sich zu Erhöhungen bereit

Die Arbeitgeberseite erklärte, das aktuelle Angebot liege bei bis zu 6,4 Prozent mehr Lohn pro Jahr. Bereits im Dezember habe der Verband zudem sehr deutlich kommuniziert, dass man zu einer weiteren Erhöhung und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei, erklärte der BDLS. Dessen Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser erklärte: "Die Gewerkschaft überspannt den Bogen mit diesen Maßnahmen zunehmend."

Am 23. Januar wollen sich Verdi und Arbeitgeber zu ihrer fünften Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt wieder an einen Tisch setzen. Verdi drohte mit neuen Streiks noch vor diesem Termin, falls ein verbessertes Angebot der Arbeitgeber ausbleibe.

Weitere Informationen

Diese Rechte haben Fluggäste bei Streiks

Informationen:
Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen ist es der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornieren oder umbuchen: 
Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Ist ein Ersatzflug erst am kommenden Tag oder später möglich, muss die Airline Übernachtungen und Transfers zum Hotel bereitstellen.

Verspätung:
Bei Flügen bis zu 1.500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1.500 bis 3.500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3.500 Kilometern nach vier Stunden.

Pünktlichkeit: 
Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und Reisende ihn dann verpassen.

Entschädigung:
Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber ebenso wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand. Entschädigungen gibt es daher nicht.

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Sendung: hessenschau, 15.1.2019, 19.30 Uhr