Flugzeug Start Frankfurter Flughafen

Die Südumfliegung am Frankfurter Flughafen sorgt seit Jahren für Streit. Nun hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof eine Klage mehrerer lärmbelasteter Kommunen abgewiesen: Das Startverfahren darf bleiben - es fehle an Alternativen.

Wenn am Frankfurter Flughafen Westwind herrscht, machen Flieger beim Start einen Schlenker nach Süden: Acht Kommunen aus Hessen und Rheinland-Pfalz (siehe Liste) sowie fünf private Kläger sind am Donnerstag mit ihrer Klage gegen diese sogenannte Südumfliegung vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel gescheitert. Sie versuchen seit Jahren, sich gegen die Lärmbelastung durch die startenden Maschinen zur Wehr zu setzen.

Gericht: Alternativvorschläge nicht besser

Um vor Gericht mit ihrem Anliegen durchzudringen, hatten die Kläger einen Alternativvorschlag gemacht. Flugzeuge sollten beim Start Richtung Westen schneller steigen und über weniger bewohntes Gebiet fliegen. Das lehnte der VGH ab, die bisherige Regelung zur Südumfliegung müsse bleiben - aus Mangel an besseren Alternativen.

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Aktenzeichen: 9 C 651/16.T
Der VGH hat eine Revision zugelassen.

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Die möglichen alternativen Optionen führten entweder zu deutlich höherer Lärmbelastung, mehr Betroffenen oder lediglich zu einer Verschiebung der Lärmbelastung, außerdem würden sich "flugbetriebliche Nachteile" ergeben, begründete der VGH die Entscheidung. Außerdem würde der Alternativvorschlag die ohnehin stark betroffenen Kommunen im Westen des Flughafens noch zusätzlich mit Lärm belasten.

Westen entlastet - Süden belastet

Eingeführt worden war die Südumfliegung, um Regionen im Westen des Flughafens zu entlasten und damit sich startende Flugzeuge nicht in die Quere kommen. Dabei machen Maschinen nach dem Start erst einen Schlenker Richtung Süden. Sie steigen dann statt über Rüsselsheim bei Groß-Gerau auf, das zu den Klägern gehört.

Südumfliegung Flughafen Frankfurt

2013 hatte sich der VGH schon einmal mit der Südumfliegung befasst und die Regelung gekippt. Er sah Defizite bei der Auswahl der Route. Das Urteil wurde nie rechtskräftig, weil es vom Bundesverwaltungsgericht 2015 aufgehoben wurde. Die Südumfliegung wurde 2011 eingeführt.

Stau beim Abflug, Stau beim Anflug

Die Vertreter des beklagten Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BAF) sahen in dem Vorschlag der Kläger, die Flieger beim Start nach Westen schneller steigen zu lassen, keine gleichwertige Alternative für eine sichere, geordnete und flüssige Abwicklung des Luftverkehrs. Der steile Aufstieg sei ambitioniert. Selbst kleine Flugzeuge könnten das nicht sicher leisten.

Die vorgeschlagene Alternative könne zu Konflikten mit anderen startenden Flugzeugen führen: "Für Lotsen wird es komplizierter", sagte der BAF-Rechtsanwalt. Der VGH folgte in seiner Entscheidung den Einwänden des BAF: "Ein Stau beim Abflug hat irgendwann einen Stau beim Anflug zur Folge, dass kann zum Problem führen", sagte die Vorsitzende Richterin.

Der Bürgermeister von Groß-Gerau, Erhard Walter (CDU), als einer der Kläger kündigte an, die Urteilsbegründung zu prüfen, bevor man eine Entscheidung über die Revision treffe.

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Die klagenden Kommunen

Hessen:

  • Groß-Gerau
  • Nauheim (Groß-Gerau)
  • Trebur (Groß-Gerau)


Rheinland-Pfalz:

  • Nackenheim (Mainz-Bingen)
  • Lörzweiler (Mainz-Bingen)
  • Nierstein (Mainz-Bingen)
  • Ober-Olm (Mainz-Bingen)
  • Klein-Winternheim (Mainz-Bingen)
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Sendung: hr-iNFO, 14.02.2019, 19.00 Uhr