Ein Flugzeug über den Dächern von Flörsheim.
Im Forum Flughafen und Region wird über neue Möglichkeiten der Fluglärm-Reduzierung nachgedacht Bild © picture-alliance/dpa

Fluglärmexperten haben in Frankfurt ein neues Paket für besseren Lärmschutz vorgestellt. Optimierte Flugrouten und steilere Anflugwinkel sollen die Region entlasten. Doch nicht alle Kommunen haben Grund zur Freude.

Weniger Lärm, mehr Kommunikation - so lässt sich eine Reihe von Maßnahmen für aktiven Schallschutz rund um den Frankfurter Flughafen grob umschreiben. Vorgestellt hat sie am Freitag das Forum Flughafen und Region (FFR). Die Schritte sorgten auf unterschiedliche Weise dafür, "dass es in der Region leiser wird", sagte Johann Dietrich Wörner vom FFR-Vorstand. "Wir kämpfen um jedes Dezibel."

Allerdings dürften die kurzfristigen Maßnahmen, die schon in diesem Jahr umgesetzt werden könnten, nicht überall Freude auslösen. Denn wenn etwa ab 22 Uhr nach Süden fliegende Maschinen eine Kurve um Mainz, Offenbach oder Hanau machten, könnte dies die Lärmbelastung in diesen Städten senken.

Andererseits: "Wenn Menschen an der einen Stelle von Fluglärm entlastet werden, kommt es andernorts zu einer zusätzlichen Belastung", sagte Wörner. Zudem dürften Routenänderungen nicht zu Lasten des Abflugmanagements gehen, das in der Stunde vor Beginn des Nachtflugverbots um 23 Uhr unter besonderem Druck stehe.

Entlastung auf der einen, Belastung auf der anderen Seite

Die Gemeinden sollen über ein Konsultationsverfahren stärker als bisher an lärmverlagernden Maßnahmen beteiligt werden. Dies gilt gerade dann, wenn Flugroutenänderungen einige Kommunen stärker als bisher belasten. Anwohner in Frankfurt und Offenbach könnten den Angaben zufolge beispielsweise entlastet werden, wenn bis zu 20 besonders laute Flugzeuge mit Zielen im Osten umgeleitet werden.

Die Vorschläge der Lärmschutzexperten des Flughafens, der Fluggesellschaften und der Flugsicherung knüpfen auch an bereits umgesetzte Schallschutzmaßnahmen wie steilere Anflugwinkel an. Moderne Navigationstechnologien und satellitengestützte Programme könnten einen leiseren Anflug ermöglichen.

Weniger Lärm durch bessere Technik

Bisher ist dies auf der Landebahn Nordwest möglich, zusätzliche Technik kann die leiseren Anflüge auch auf den übrigen Landebahnen ermöglichen. Damit dieses System auch in Zeiten hohen Verkehrsaufkommens möglich ist, müssen allerdings die Vorgaben der Internationalen Zivilluftfahrtsorganisation entsprechend angepasst werden.

Prinzipiell gehe es darum, Fluglärm bereits an der Quelle zu vermeiden, erklärte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), sei es durch modernere Flugzeuge oder lärmärmere Flugrouten. Auf eine schwierige Diskussion macht der Minister sich mit Blick auf die vom FFR vorgeschlagenen Routenverlegungen gefasst. In den betreffenden Kommunen müsse man sich mit der Lärmverteilung ernsthaft auseinandersetzen.

"Gute Beratungsgrundlage" und "Zwischenstation"

Der wirtschaftspolitische Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Heiko Kasseckert, begrüßte die Vorschläge als "gute Beratungsgrundlage". Nur wenn die Belastungen so gering wie möglich gehalten würden, werde auch im Umland die nötige Akzeptanz für eine weitere Entwicklung des Flughafens erreicht. "Im Interesse der Region muss die Luftverkehrswirtschaft daher alles technisch Mögliche, ökonomisch Vertretbare und rechtlich Zulässige tun, um für eine Fluglärmverringerung zu sorgen", sagte er.

Der flughafenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Frank Kaufmann, bezeichnete die Vorschläge lediglich als eine Zwischenstation in der Diskussion um den Schallschutz. Immer noch gebe es zu viele Inlandsflüge, außerdem müsse man die Fluggesellschaften weiter zum Einsatz leiserer Flugzeuge motivieren.

Der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus verwies darauf, dass auch alle technischen und organisatorischen Maßnahmen nur eine Lärmminderung um maximal sechs Prozent ermöglichten. Zudem seien nur fünf bis zehn Prozent der Flugzeuge mit den technischen Einrichtungen zum genaueren An- und Abflug ausgestattet. Ebenso wie Schaus plädierte die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) zusätzlich zu den Schallschutzmaßnahmen für eine Ausweitung des Nachtflugverbots auf 22 Uhr bis sechs Uhr.

Sendung: hr1, 26.01.2018, 16.30 Uhr