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zum Video Wiesbadener findet Traumjob auf Wasserkuppe

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Mit 30 Jahren leitet Lukas Schmidt-Nentwig die Flugschule auf Deutschlands höchstgelegenem Flugplatz auf der Wasserkuppe. Ein Traumjob, der doch auch verbunden ist mit einer Katastrophe.

Dieses Katastrophe laste "wie ein Trauma auf dem Flugplatz", sagt er. Doch trotz dieses Unglücks bleibt für Lukas Schmidt-Nentwig der Flugsport faszinierend: "Fliegen macht glücklich."

Einen schleifenreichen Werdegang hat Lukas Schmidt-Nentwig hingelegt bis zum Ziel seiner Sehnsucht: Nun hat er seinen "Traumjob", wie er sagt. Er ist Leiter der Flugschule auf der Wasserkuppe und verantwortlich für den Flugbetrieb auf Hessens höchstem Berg - mit gerade einmal 30 Jahren. Übernommen hat er die verantwortungsvolle Aufgabe vor wenigen Wochen vom langjährigen Leiter Harald Jörges.

Wenn es ums Fliegen geht, hat die gerade einmal 950 Meter hohe Wasserkuppe Superlative zu bieten: Deutschlands höchstgelegenen Flugplatz, zugleich steht hier in der Rhön die "Wiege des Segelfliegens". Hier fanden die ersten Versuche statt - inklusive Bruchlandungen. Die Segelflugschule auf der Wasserkuppe ist die älteste weltweit. 2024 wird sie 100 Jahre alt.

Die Welt der Fliegerei hat Lukas Schmidt-Nentwig schon als Kind fasziniert. Aufgewachsen in Wiesbaden, ging es fast in allen Ferien in die Rhön. Als er den Fliegern auf der Wasserkuppe zuschaute, war ihm schon als Jungen klar: "Das will ich auch können."

Ohne Masterplan ans Ziel der Träume

Mit 16 Jahren machte er den Segelflugschein. Doch einen Masterplan hin zu seinem jetzigen Job verfolgte er nicht. Er hat vieles ausprobiert und abgebrochen: Hörgeräteakustiker, Forstwirtschaft, Pädagogik, Psychotherapie. Studiert hat er auch, nämlich neun Semester Theologie in Fulda. Halleluja! "Ich habe aber mehr Zeit auf dem Flugplatz verbringen wollen als in Vorlesungen", sagt er.

Der Leiter der auf der Flugschule Wasserkuppe, Lukas Schmidt-Nentwig, hält ein Funkgerät in der Hand.

Und so kam er doch noch dort an, wohin er wollte, weil er auf sein Herz hörte. Auf die Frage, was ihn mit 30 Jahren als Oberflieger auf der Wasserkuppe qualifiziert, sagt Lukas Schmidt-Nentwig mit einem breiten Grinsen: "Ich habe keine abgeschlossene staatliche Berufsausbildung."

Er ist auf der Wasserkuppe "immer tiefer in die Fliegerei reingerutscht", wie er sagt: zunächst als "Handlanger", dann hat er sich hochgearbeitet. Inzwischen sei er hauptamtlich "Mädchen für alles".

Und ständig ruft das Funkgerät

Sein Job ist es, auf dem Flugplatz den Überblick zu wahren. Er kann keine Tasse Kaffee trinken, ohne zwischendurch angefunkt zu werden. Ständig gibt er Anflug-Infos an Piloten und Pilotinnen durch oder beantwortet andere Anfragen. Schmidt-Nentwig nennt das: Tagesgeschehen koordinieren. Nebenbei ist er noch als Techniker und Handwerker gefragt, etwa wenn an einer Maschine der Tankdeckel gerichtet werden muss.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Interview mit Segelflugschulleiter Lukas Schmidt-Nentwig

Lukas Schmidt-Nentwig, der neue Leiter der Flugschule auf der Wasserkuppe, sitzt in einem Cockpit.
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Doch am liebsten lässt er das alles hinter sich und steigt selbst in eine Maschine. "Bin in fünf Minuten wieder da", ruft er am Rollfeld und schleppt mit seiner motorisierten Maschine einen Segelflieger in die Luft. Er gibt als Leiter der Segelflugschule selbst Unterricht und koordiniert die Einsätze der Instruktoren.

Bei Reparatur-Bedarf greift Flugschulleiter Lukas Schmidt-Nentwig selbst zum Werkzeug.

Für Lukas Schmidt-Nentwig ist es ein Top-Job am höchsten Punkt Hessens. Er beschreibt es so: "Menschen begleiten, wie sie dem Traum vom Fliegen näher kommen. Und dann steigen sie glücklich aus dem Cockpit. Das ist der schönste Lohn."

Manchmal wird der Traum zum Trauma

Ihn ärgert, dass Segelfliegen unter dem Verdacht steht, ein elitärer und kostspieliger Sport zu sein. "Dabei ist es nicht viel teurer als Skifahren. Und wenn man in einem Verein mitarbeitet, dann ist es locker erschwinglich", sagt Schmidt-Nentwig. Seine Mission ist: Menschen für den so vielfältigen Flugsport zu begeistern.

Doch manchmal wird der Traum zum Trauma. So wie an einem schönen Herbstsonntag im Jahr 2018. Damals verunglückte wegen Pilotenfehlern ein Kleinflugzeug bei der Landung auf der Wasserkuppe. Eine Frau und ihre beiden Kinder, die dort zu Fuß unterwegs waren, wurden von der über die Landebahn hinausschießenden Maschine erfasst und getötet. Schmidt-Nentwig war einer der ersten Helfer am Unfallort. Es waren furchtbare Bilder.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.04.2021, 19.30 Uhr