Flugzeug Start Frankfurter Flughafen
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Die Deutsche Flugsicherung in Langen wehrt sich gegen Vorwürfe, nicht wirtschaftlich genug zu arbeiten. Im Gespräch mit dem hr wies DFS-Geschäftsführer Scheurle Kritik des Bundesrechnungshofs zurück. Das Problem seien Vorgaben der Europäischen Union.

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Startendes Flugzeug am Frankfurter Flughafen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Flugsicherung weist Kritik zurück

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Die Deutsche Flugsicherung (DFS) weist vom Bundesrechnungshofs erhobene Vorwürfe der Misswirtschaft zurück. "Natürlich haben wir unsere Kosten im Griff", sagte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Klaus-Dieter Scheurle, im Gespräch mit dem hr.

DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle auf dem Internationalen Luftsicherheitskongress in Madrid
DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle auf dem Internationalen Luftsicherheitskongress in Madrid Bild © hr

Das Problem seien Vorgaben der Europäische Union (EU): "Unsere Erlöse im Kerngeschäft werden reguliert", sagte Scheurle. Die EU verlange sinkende Gebühren und "das führt zu sinkenden Umsätzen trotz steigendem Flugverkehr." Es sei nun Aufgabe der Bundesregierung, bei der EU darauf hinzuwirken, dass die DFS "auskömmliche Erlöse" hat. Auch strukturelle Veränderungen wie eine engere technische Zusammenarbeit in Europa seien nötig.

Nicht erwarteter Rekordwert

Im vergangenen Jahr habe es im deutschen Luftraum mit 3,4 Millionen Flugbewegungen einen in diesem Ausmaß nicht erwarteten Rekordwert mit einer Steigerung von 4,4 Prozent gegeben. "Ich rechne im laufenden Jahr mit einer erneuten Steigerung um bis zu vier Prozent. Im Jahr 2025 sind wir dann bei über 3,9 Millionen Flugbewegungen und bekommen echte Probleme", sagte der Chef der bundeseigenen GmbH.

Hinzu komme ein höherer Steuerungsbedarf durch kurzfristige Abweichungen von den ursprünglichen Flugplänen und durch Verlagerung von Flugräumen. Aber: "Die Zunahme des Luftverkehrs bringt keine Einbrüche in der Sicherheit", betonte Scheurle, "dafür stehen wir."

Ausbildungskapazitäten erhöhen

Die DFS werde deswegen die Zahlen an Lotsen aufstocken, was aber wieder zusätzliche Kosten bedeute. Die DFS mit ihren rund 2.000 Lotsen war nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr für 22 Prozent der flugsicherungsbedingten Verspätungen in Europa verantwortlich. Der deutsche Luftraum mache zwar nur rund 3,5 Prozent des europäischen Luftraums aus, müsse aber 30 Prozent des Verkehrsaufkommens bewältigen, erläuterte Scheurle.

Außerdem werde man die eigenen Ausbildungskapazitäten erhöhen und habe bei benachbarten Flugsicherungen angefragt, ob dort Ausbildungsplätze angeboten werden könnten. Zusätzlich habe man rund 30 fertig ausgebildete Lotsen aus anderen Ländern angeworben, die gerade noch ihre Lizenzen für die jeweiligen Lufträume in Deutschland erwerben müssten. Generell interessierten sich genug Leute für eine Ausbildung zum Fluglotsen, allerdings sei der Auswahlprozess sehr streng und die Ausbildung mit vier Jahren sehr lang.

Rechnungshof: Kosten nicht im Griff

Laut Scheurle konnte mit der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) eine Einigung über zusätzliche Überstunden bis jetzt noch nicht erzielt werden. Nach Scheurles Einschätzung werden im Sommer rund 90 Lotsen in den deutschen Centern für die erwarteten Verkehrsmengen fehlen. Unter anderem habe man auch bei der Personalplanung gesellschaftliche Entwicklungen etwa zu mehr Teilzeit und Elternzeit unterschätzt. Die eigene Akademie werde im kommenden Jahr 146 statt der bislang 120 Berufsanfänger aufnehmen können.

Der Bundesrechnungshof hatte die wirtschaftliche Situation der DFS kritisiert. Die DFS-Führung bekomme die zu hohen Betriebskosten nicht in den Griff, hatte "Spiegel Online" am Montag aus einem Berichtsentwurf an das Bundesverkehrsministerium zitiert. Grund seien unter anderem die hohen Gehälter und Pensionsleistungen der Fluglotsen, die in der Regel mit 55 Jahren mit 70 Prozent ihres Gehalts in den Vorruhestand gingen. Da auch neue Fluglotsen dieselben Bedingungen genössen, würden die Personalkosten weiter ansteigen.