Streikende Ärzte am Marburger Hauptbahnhof

Frankfurt, Gießen, Marburg: An den hessischen Unikliniken wollen die Ärzte den ganzen Dienstag lang die Arbeit niederlegen. Es geht vor allem ums Geld. Patienten müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen.

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Ärzte protestieren mit Transparenten und in weißen Kitteln.
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Die drei hessischen Unikliniken laufen am Dienstag im absoluten Notbetrieb. Denn die Gewerkschaft Marburger Bund hat die mehr als 2.000 Ärzte in Frankfurt, Gießen und Marburg zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Demonstriert wird auch, und zwar seit 10.45 Uhr, auf dem Marburger Marktplatz. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum sind die Ärzte im Warnstreik?

Derzeit verhandelt der Marburger Bund die neue Tarifrunde. Mit am Verhandlungstisch sitzen das Land, das für das Uniklinik Gießen und Marburg (UKGM) zuständig ist, sowie die Goethe-Universität, die für das Universitätsklinikum Frankfurt spricht. Es geht wie meistens in solchen Fällen ums Geld. Die Ärzte wollen, dass der Tarif um 6,9 Prozent steigt, außerdem geht es um Nacht-, Sonntags- und Kinderzuschläge. Zudem wollen die Ärzte das Landesticket behalten, das sie derzeit haben.

Die Gewerkschaft berichtet von einer laufenden Umfrage unter den Ärzten an den Unikliniken. Dabei werde ein "extrem hohes Maß an Unzufriedenheit" deutlich, unter anderem, weil die Ärzte zu wenig Zeit für ihre Arbeit hätten, das Privatleben unter der Belastung leide und Ärzte oft keine Zeit für ihre vorgeschriebenen Pausen hätten - die aber trotzdem von der Arbeitszeit abgezogen würden.

Was bedeutet der Streik für Patienten?

"Die genauen Auswirkungen sehen wir erst am Dienstag", sagt UKGM-Sprecher Frank Steibli, "aber wir gehen davon aus, dass es zu Verzögerungen kommt." Von den Tarifverhandlungen betroffen sind 1.500 Ärzte am UKGM.

Operationen oder Behandlungen: "Alles, was verschoben werden kann, wird verschoben." Auch die Uniklinik Frankfurt sagt, es könne "zu Verzögerungen im Behandlungsablauf und längeren Wartezeiten kommen". Gewerkschaft und Kliniken haben sich aber wie in solchen Fällen üblich per Notdienstvereinbarung darauf geeinigt, dass den Patienten in lebensbedrohlichen Situationen wie gewohnt geholfen werden kann.

Warum gab es noch keine Einigung?

Bislang wurde zwei Mal verhandelt, im Oktober und im Januar. Der nächste Termin ist Ende Februar. Eine Marburger-Bund-Sprecherin sagt, die Verhandlungen seien "im Grunde ins Stocken geraten".

Stefan Heck (CDU), Staatssekretär im Innenministerium und Verhandlungsführer für das Land, sagt dagegen, man sei "bisher gut vorangekommen". Er nannte den Warnstreik "überflüssig" und das bisherige Angebot des Landes "fair und angemessen". Die Arbeitgeber hatten demnach eine Tarifsteigerung von 5 Prozent in drei Stufen bis 2022 angeboten und das Landesticket "oben drauf gelegt". Die Forderung des Marburger Bunds von 6,9 Prozent mehr Geld auf zwölf Monate sei "unverhältnismäßig".

Wie läuft das außerhalb Hessens?

Die meisten Unikliniken Deutschlands fallen unter die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), aus der Hessen als einziges Bundesland 2004 ausgetreten ist. Bundesweit verhandeln die TdL und der Marburger Bund für 23 Kliniken an diesem Dienstag in Hannover, weshalb dort ebenfalls eine zentrale Marburger-Bund-Demo stattfindet.

Hier fordert die Gewerkschaft vor allem Verbesserungen bei den Dienstplänen, weniger Wochenendschichten und eine "manipulationsfreie Zeiterfassung" - und außerdem sechs Prozent mehr Gehalt.

Sendung: hr-iNFO, 4.2.2020, 7.30 Uhr