Passagiere am Flughafen Frankfurt

Personalmangel, Kofferchaos - und Ferienbeginn: Am Wochenende droht erneut Chaos am Flughafen Frankfurt, dem seine bisher größte Bewährungsprobe bevorsteht. Das müssen Sie zu Ihrem Flug wissen.

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Dieses Wochenende am Flughafen wird hart

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Am letzten Schultag vor den Sommerferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland rechnet der Flughafen Frankfurt mit dem größten Passagieraufkommen seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020. Flughafen und Airlines haben vor dem Freitag bereits das Programm zusammengestrichen.

Wie viele Passagiere werden am Frankfurter Flughafen erwartet?

Mit dem Ferienbeginn in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland werden ziemlich sicher die Jahresrekorde bei den Passagierzahlen geknackt. Am Wochenende vom 22. bis 24. Juli erwartet der Airportbetreiber Fraport pro Tag jeweils rund 200.000 Fluggäste. So viele waren es in diesem Jahr bei einem bisherigen Höchstwert von gut 180.000 noch nicht. Vom Allzeithoch mit 241.228 Passagieren aus dem Juni 2019 ist das aber noch weit entfernt. Täglich starten und landen in Frankfurt derzeit bis zu 1.200 Flugzeuge mit 285 Reisezielen.

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Fraport rechnet mit hoher Flughafen-Auslastung zum Ferienbeginn

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Was sind die größten Probleme am Frankfurter Flughafen?

Für die Abfertigung der Maschinen fehlen vor allem Menschen bei den Bodenverkehrsdiensten. Flugzeuge müssen betankt, gereinigt sowie be- und entladen werden. Auch beim Check-in sowie in den Flugzeugen selbst ist das Personal knapp. Dazu kommen Störungen des Ablaufs durch Flugzeuge, die anderswo Verspätungen eingeflogen haben.

In der Folge bleiben häufig Koffer in Frankfurt liegen, während ihre Besitzer den Anschlussflug noch bekommen haben. In der Spitze lagen vor wenigen Tagen schon 5.000 nachzusendende Koffer in den Hallen. Ankommende Passagiere müssen oft stundenlang auf ihr Gepäck warten, da ausgehendes Gepäck bevorzugt verladen wird. Auch in den Großküchen gibt es massive Personalengpässe.

Was sind die Ursachen für die Probleme am Flughafen in Frankfurt?

Grundsätzlich haben die Airlines und der Flughafenbetreiber offenbar komplett unterschätzt, wie viele Menschen nach der Corona-Flaute wieder reisen wollen. Der Flughafenverband ADV spricht davon, dass rund 20 Prozent des Personals fehlten. "Jede Prognose wurde deutlich überholt, und es fliegen viel mehr Menschen als erwartet. Dafür haben die Flughäfen und Airlines zu wenig Personal auf allen Ebenen", sagte Fraport-Chef Stefan Schulte der Zeitung Mannheimer Morgen.

Letztlich verstärken sich die Abfertigungsprobleme an den verschiedenen Flughäfen in Europa und den USA gegenseitig, weil die Umläufe der Flugzeuge durcheinander geraten und Gepäck liegen bleibt. Auch Luftraumsperren wegen des Ukraine-Kriegs und technische Umstellungen bei der französischen Flugsicherung haben Europas Luftraum massiv geschwächt, so dass weniger Flugzeuge gelotst werden können.

Was unternehmen Flughafen und Airlines?

In Frankfurt ist vorsorglich der Flugplan ausgedünnt worden: Fraport will die Belastungsspitzen kappen und lässt daher pro Stunde nur noch höchstens 88 Starts und Landungen abfertigen. Vor einigen Wochen waren noch 106 Flugbewegungen pro Stunde möglich. Laut Fraport-Sprecher Jürgen Harrer hat sich der Betrieb bereits stabilisiert, und der Kofferberg konnte auf rund 2.000 Gepäckstücke reduziert werden.

Bislang hat allein die Lufthansa in Frankfurt und München fast 6.000 Flüge gestrichen, doch Fraport will weitere Gesellschaften in die Pflicht nehmen, einzelne Flüge abzusagen oder zumindest in schwächere Zeiten zu verschieben. Das stößt allerdings schnell an Grenzen, denn die Lufthansa Group steht in Frankfurt für rund 80 Prozent aller Flüge. Die nächstgrößeren Kunden sind dann Condor und Star-Alliance-Partner wie United und Air Canada.

Wo bleiben die angekündigten Aushilfskräfte aus der Türkei?

Fraport hat weiterhin Bedarf von mehreren hundert zusätzlichen Arbeitskräften. Das Unternehmen hat zuletzt aber Erwartungen gedämpft, diese Lücke mit Arbeitern schließen zu können, die über einen türkischen Personaldienstleister angeboten worden sind. Man müsse genau auf die Qualifikationen schauen und suche zudem in den Belegschaften der eigenen Auslandsflughäfen nach geeigneten Leuten, sagte ein Sprecher. Heißt: In den Sommerferien ist von dieser Seite nicht mit Entlastung zu rechnen.

Wie sieht es an den Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen aus?

Menschenschlangen über mehrere hundert Meter wie aktuell am Flughafen Köln/Bonn soll es in Frankfurt nicht geben. Die Bundespolizei hat nach eigenen Angaben bei den dafür zuständigen Dienstleistern fast so viel Personal an Bord wie vor der Corona-Krise. Trotz erhöhter Krankenstände werde man über Anreize und den Einsatz von zusätzlichen Kräften aus der Verwaltung den Andrang bewältigen.

Technisch ist der Flughafen Frankfurt allerdings nicht auf dem neuesten Stand. Nur zwei der 160 Kontrollspuren verfügen über Gepäckscanner modernster CT-Bauart, bei denen Flüssigkeiten und Elektronik-Artikel im Handgepäck bleiben können. So wird eine wesentlich höhere Kontrollzahl pro Stunde erreicht. Hier will Fraport ab 2023 massiv investieren. Schnellere Abläufe gibt es auch an den 30 Kontrollspuren, an denen mehrere Passagiere gleichzeitig ihr Handgepäck auflegen können.

Kann es noch schlimmer werden?

Definitiv ja. Auch wenn der Reisesommer längst in die zweite Halbzeit gegangen ist, wachsen die Risiken. Airlines wie Flughäfen rechnen erst für das kommende Jahr mit einer Normalisierung. Ohnehin ist eigentlich der September der traditionell reisestärkste Monat am Frankfurter Flughafen, so dass neuerliche Passagierspitzen nicht ausgeschlossen sind. Die Corona-Pandemie wird weiterhin für hohe Krankenstände sorgen wie auch zur Überlastung der verbliebenen Kräfte beitragen.

Zudem gärt es in der Belegschaft der Lufthansa. Beim Bodenpersonal sind bereits zwei Runden der Tarifgespräche mit Verdi ohne Ergebnis geblieben. Piloten und Kabinenpersonal ächzen unter der kurzfristigen Planung ihrer Einsätze und den mit Corona noch knapperen Personaldecken. Die Planer handelten unter der Maxime "Wir müssen die Flieger irgendwie vom Hof bringen", klagt die Kabinengewerkschaft Ufo. Sie verhandelt wie die Vereinigung Cockpit über offene Tarifverträge.

Was können Passagiere selbst tun?

Fraport bittet die Gäste, mindestens zweieinhalb Stunden vor Abflug am Check-in zu sein. Idealerweise hat man diesen bereits elektronisch erledigt und muss nur noch den Koffer abgeben, wofür zunehmend Automaten bereitstehen. Das kann häufig auch schon am Vorabend erledigt werden. Die Bundespolizei empfiehlt dann den schnellen Gang zur Passagierkontrolle, für die statt der üblichen 20 Minuten bis zu eine Stunde Wartezeit einzurechnen sei.

Ein heikles Thema ist das Handgepäck. Angesichts der Unsicherheiten mit den aufgegebenen Koffern neigen Passagiere derzeit dazu, möglichst viele Dinge mit in die Kabine zu nehmen. Für einen zügigen Ablauf an den Kontrollen wäre weniger mehr, mindestens sollten aber Flüssigkeiten und elektronisches Gerät vorsortiert sein, rät die Bundespolizei.

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