Autos neben Straßenbahn
Auto oder ÖPNV? Was ist der beste Weg zur Arbeit? Bild © Imago Images

Lob, Kritik und offene Fragen: Der #hrpendler-Rechner hat zu einer lebhaften Diskussion unter den Nutzern geführt. Hier erklärt das hr-Datenteam, wie der Rechner entstanden ist - und an welcher Stelle Fehler unterlaufen sind.

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Wie schnell, wie teuer, wie umweltbewusst? Mit dem #hrpendler-Rechner entwickelte das Datenteam des Hessischen Rundfunks ein Tool, um den täglichen Weg zur Arbeit genauer unter die Lupe zu nehmen. Auto oder ÖPNV, was lohnt sich mehr? Die Reaktionen unserer Nutzer waren vielfältig. Zu den häufigsten Fragen und wiederkehrender Kritik nehmen die Macher des Pendlerrechners hier Stellung.

Was ist die Idee hinter dem Rechner und der Karte?

Wir wollen den Usern eine Hilfestellung an die Hand geben, um das Pendeln mit dem ÖPNV und mit dem Auto schnell vergleichen zu können. Dafür haben wir uns überlegt, was dabei relevante Faktoren sind, und sind bei der Dauer, den Kosten und der Umweltbelastung gelandet.

Ganz wichtig ist dabei: Wir rechnen mit Beispielwerten, die Ergebnisse sind darum nur als Richtwerte zu verstehen. Wenn man einen anderen Startort innerhalb der Gemeinde hat, ein sparsameres Auto fährt oder ein Jobticket nutzt, sind die Ergebnisse im Einzelfall natürlich anders. Der Rechner und die Karte können nicht jede individuelle Konstellation abbilden und sollen auch kein Ersatz für einen Routenplaner oder ähnliches sein, sondern lediglich eine Orientierungshilfe.

Wo starten und enden die Fahrten?

Wir haben uns zunächst feste Start- und Zielorte in den Gemeinden gesucht. Beim Auto sind das Koordinaten, die möglichst zentral in den Gemeinden liegen, also dort, wo viele Menschen wohnen. Mit diesen Koordinaten haben wir dann vom Anbieter Open Route Service Routen berechnen lassen.

Bei der Bahn haben wir uns diejenigen Bahnhöfe oder Stationen in der Gemeinde gesucht, an denen die meisten Verbindungen abfahren. Damit haben wir dann auf Schnittstellen der Verkehrsverbünde in Hessen zugegriffen, die uns die Verbindungen mit Bus und Bahn liefern.

Wir haben pro Strecke zwei Abfragen gemacht: Die Hinfahrt zum Arbeitsort haben wir so gewählt, dass man ungefähr um 9 Uhr morgens ankommt, die Rückfahrt wiederum beginnt ungefähr um 17 Uhr. Aus den Ergebnissen haben wir dann die jeweils kürzeste Verbindung gewählt. Natürlich können sich die Zahlen gerade in großen Städten ändern, wenn man am Rand oder im Zentrum losfährt. Außerdem ist es bei vielen ÖPNV-Pendlern so, dass sie erst noch mit dem Bus zum entsprechenden Bahnhof fahren müssen. Solche individuellen Unterschiede kann unser Rechner aber nicht einbeziehen. Die Ergebnisse sind darum unbedingt nur als Richtwert zu verstehen.

Sind bei der Dauer für die Autofahrt Staus und Baustellen berücksichtigt?

Der Anbieter Open Route Service verwendet keine aktuellen Verkehrsdaten für die Berechnung der Fahrtdauer. Wir haben die Werte aber mit den Ergebnissen bei anderen Routendiensten verglichen, die Verkehrsinformationen einbeziehen, und dabei festgestellt, dass die Dauer beim Open Route Service in der Regel der Dauer inklusive Verkehr bei anderen Anbietern entspricht.

Wir hätten gerne auch Verkehrsdaten mit einbezogen, das Problem dabei: Die Anbieter mit Verkehrsdaten verbieten in ihren Nutzungsbedingungen, die Daten abzuspeichern und weiterzuverarbeiten. Wir hätten also immer, wenn ein Nutzer den Pendlerrechner nutzt, Abfragen an den jeweiligen Dienst schicken müssen. Wir haben uns aus Datenschutzgründen gegen solch eine Lösung entschieden.

Das steckt hinter den Kosten für das Auto

Für die Kosten beim Auto haben wir einen Mittelklassewagen mit acht Litern Benzinverbrauch und den durchschnittlichen Benzinpreis des Jahres 2018 als Grundlage genommen. Natürlich ändern sich die Kosten, wenn man weniger verbraucht oder sich der Benzinpreis ändert. In vielen Kommentaren wird außerdem gefragt, warum wir keine Fixkosten wie Anschaffungspreis, Versicherung oder Kfz-Steuer eingerechnet haben: Das Problem dabei ist, dass diese Kosten stark von der jährlichen Fahrleistung und dem konkreten Automodell abhängen. Diese Kosten zu pauschalisieren, ist dadurch sehr schwierig. Wir hätten das gerne mit aufgenommen, konnten es aber mit unseren Ressourcen aktuell nicht leisten.

Der ADAC bietet aber einen Rechner an, mit dem man die Kosten für Versicherung, Werkstatt, Kfz-Steuer und Wertverlust ausrechnen kann: Für einen Golf VII mit 1,5-Liter-Benzinmotor sind das beispielsweise bei einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern umgerechnet auf 220 Arbeitstage im Jahr gut 24 Euro Fixkosten pro Pendlertag.

Bei der Kostenberechnung für das Auto ist uns in der ersten Version des Rechners außerdem ein sehr ärgerlicher Fehler unterlaufen. Wir hatten zunächst nur eine Strecke und nicht Hin- und Rückweg für die Berechnung verwendet. Das ist inzwischen korrigiert und ändert die Verhältnisse zwischen ÖPNV und Auto natürlich an manchen Stellen deutlich. Das hätte uns so nicht passieren dürfen und ärgert uns sehr.

Das steckt hinter den Kosten beim ÖPNV

Beim ÖPNV haben wir für die Kosten einen Anteil an der Jahreskarte berechnet. Wir haben als Grundlage dafür 220 Arbeitstage im Jahr angenommen. In einigen Fällen konnten wir leider keinen Preis berechnen, zum Beispiel dann, wenn die Fahrt von einem in den anderen Verkehrsverbund geht. Auch Preise für die Fernzüge der Deutschen Bahn konnten wir nicht einbeziehen, weil die Bahn keine Schnittstelle anbietet, über die wir diese Information abgreifen hätten können. Eine Anfrage dazu, ob man die Fernzug-Preise auf irgendeine Art verallgemeinern könnte, blieb leider unbeantwortet.

Vom Rhein Main-Verkehrsverbund erreichte uns die Kritik, dass die Jahreskarte ja nicht nur an den Arbeitstagen, sondern auch an den übrigen Tagen nutzbar sei. Da wir uns nur mit dem Pendeln beschäftigen, haben wir uns bewusst für die Grundlage der 220 Arbeitstage entschieden. Für ein Update des Rechners kann man sicher darüber nachdenken, diese Grundlage noch einmal zu ändern.

Außerdem wurde vom RMV angemerkt, dass viele Menschen mit günstigeren Jobtickets unterwegs seien. Das mag in manchen Fällen so sein, allerdings berücksichtigen wir auch keine Dienstwagen beim Auto. Für solche individuellen Unterscheidungen ist unser Rechner nicht ausgelegt. Grundsätzlich gilt auch hier: Um verallgemeinern zu können, mussten wir Entscheidungen treffen, was und wie wir vereinfachen. Wir haben uns die Entscheidungen nicht leicht gemacht und gründlich darüber nachgedacht, haben aber natürlich Verständnis dafür, wenn Nutzer und andere Beteiligte manche Dinge anders sehen.

Wie geht es mit dem Pendlerrechner weiter?

Wir wollen gerne am Pendlerrechner weiterarbeiten. Darum freuen wir uns über Kritik und Anregungen zu Rechner und Karte und werden versuchen, diese in "Version 2.0" einfließen zu lassen. Wir wollen zum Beispiel in einer neuen Variante des Rechners ermöglichen, dass Nutzer Voreinstellungen wie Benzinverbrauch, Benzinpreis und eben die Nutzung von Jobtickets eintragen können.

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Ihre Kommentare Wie viel Geld, Zeit - und Nerven - kostet Sie das Pendeln?

95 Kommentare

  • Bei mir kommen die Werte gut hin, mit dem Auto bin ich in knapp unter einer Stunde in Frankfurt Höchst, mit der Bahn brauche ich inklusive mit dem Pkw zum Bahnhof knapp 40 Minuten länger. Würde ich tatsächlich nur den ÖPNV nutzen wären es sicher nochmal 15-20 Minuten mehr pro Strecke, dann wäre es aber deutlich über der ÖPNV Angabe.

    Ich werde wohl auch in Zukunft hauptsächlich mit der Bahn fahren, morgens kann ich nochmal die Augen zu machen und Nachmittags ein Buch lesen. Nervig sind schlechte Auskünfte der Bahn über Verspätungen und Ausfälle obwohl die Möglichkeiten mit dem Streckenagenten ja gegeben wären. Da wird man dann schon mal in einen Zug gelassen obwohl man weiß das der Zug garnicht erst ankommen wird! Ja, auch manche Mitinsassen sind manchmal nervig, wobei die meist keine Pendler sind.

    Das Auto hat den Scharm der kurzen Fahrzeit, man muss aber früh hin und zurück. Halbe Stunde später klappt das schon nicht mehr. Nervig sind die vielen Lkw die dann auch noch Überholen

  • Der Rechner ist für die tatsächliche Strecke nicht geeignet. Wohne in Hofheim und arbeite in Darmstadt Stadtteil. Benötige mit dem Auto ca. 35 Minuten.
    Habe versuchsweise die Öffentlichen getestet und bin hier fast 2,5 Std. unterwegs - einfach - verbunden mit einem Umsteige-Marathon.
    So lange hier keine Verbesserung in Sicht ist, sehe ich keine Alternative zum Auto.

  • Inzwischen bin ich in Rente. Aber ich bin von 1998 bis 2011, also 13 Jahre lang von Michelstadt nach Frankfurt Dornbusch mit ÖPNV gependelt. Ich habe um 7 Uhr das Haus verlassen, um um 9 Uhr am Arbeitsplatz zu sein.Habe 8 Stunden gearbeitet mit einer Stunde Mittagspause, also um 18 Uhr den Arbeitsplatz verlassen und bin um 20 Uhr zu Hause angekommen. Immer Stress - ist die U-Bahn pünktlich, bekomme ich den Zug - oft leider nicht. Es war immer knapp. Ich denke, Im Odenwald gibt es einige, die noch länger unterwegs sind wegen der Busanfahrten aus kleinen Orten. Anfangs konnte ich noch die Züge der Deutschen Bundesbahn benutzen. Die waren zwar alt, aber hatten mehr Platz und Polster, die die Erschütterungen abfederten. Dann wurden uns die Itinos der Vias verordnet, ausgesucht von Menschen, die nicht täglich pendeln mussten. In einem Itino für 1 stunde 20 morgens und 1 stunde 20 abends zu sitzen ist eine Qual. Umziehen war keine Option wegen des Arbeitsplatzes meines Mannes.

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