Die Baustelle am Terminal 3 am Flughafen Frankfurt
So sieht die Baustelle am Terminal 3 derzeit aus. Bild © Roman Warschauer (hr)

Rund dreieinhalb Jahre nach dem Spatenstich wächst das dritte Terminal ab jetzt auch in die Höhe. Die Grundsteinlegung wurde begleitet von Protesten - und dem Fernbleiben prominenter Politiker. Ein Teilabschnitt soll schon bald öffnen.

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Spatenstich 2015, Grundsteinlegung 2019, Teileröffnung 2021: So lautet der Plan für den Bau des umstrittenen dritten Terminals am Frankfurter Flughafen, der mit der Grundsteinlegung in die heiße Phase geht. Während Betreiber Fraport bei der feierlichen Zeremonie am Montag rund 700 Gäste aus Politik und Wirtschaft begrüßte, gab es auch Protest.

Ausbaugegner hielten im bestehenden Terminal 1 eine Mahnwache ab und kritisierten erneut die zusätzlichen Belastungen für die Region durch Abgase und Lärm. Das Terminal liefere endgültig "den Sargnagel für die Rhein-Main-Region", erklärte einer der Bündnis-Sprecher.

Auf einem Grabstein wird zudem auch der für den Luftverkehr zuständige Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) an seine früheren Aussagen gegen das Terminal  erinnert. Al-Wazir hatte lange gegen die Expansion des Flughafens gekämpft, verhindern konnte er sie aber nicht. Er blieb der Veranstaltung ebenso fern wie Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der im Fraport-Aufsichtsrat sitzt.

Wer ist vor Ort?

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das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alles Wichtige zur Grundsteinlegung am Terminal 3

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Geleitet wurde die Grundsteinlegung von Fraport-Chef Stefan Schulte. Als Vertreter des Landes nahm Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) an der Eröffnung und der Baustellen-Rundfahrt teil. Er bezeichnete den Bau von Terminal 3 als "wichtigen Schritt für die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens und damit auch für den Wirtschaftsstandort Hessen".

Warum ist der Bau aus Sicht von Fraport notwendig?

Deutschlands größter Flughafen, nach London, Paris und Amsterdam der viertgrößte Europas, platzt aus allen Nähten. Mit bis zu 70 Millionen Passagieren pro Jahr und einem Anstieg bei den Passagierzahlen von rund acht Prozent in den vergangenen Jahren stößt Frankfurt allmählich an Kapazitätsgrenzen. Zudem übte vor allem die Lufthansa immer wieder Kritik an den Service-Standards. Es gilt, einen Ruf zu verteidigen: "Wir sind Europas bester Flughafenbetreiber und setzen weltweit Standards", heißt es von Seiten der Fraport.

das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen
So soll es einmal aussehen. Bild © picture-alliance/dpa

Wie ist der Zeitplan für den Bau?

Da der Bau von Flughäfen in Deutschland keinen allzu guten Ruf hat, beruhigte Schulte umgehend mögliche Bedenkenträger und versprach einen reibungslosen Ablauf. "Das wird kein BER, keine Sorge", sagte er. Bereits in zwei Jahren soll der erste Teilabschnitt, der sogenannte Flugsteig G für Billigflieger, eröffnet werden. Drei weitere Arme des Terminals, die Flugsteige H bis J, sollen in der zweiten Jahreshälfte 2023 für Passagiere zugänglich sein. Flugsteig K kann optional zusätzlich errichtet werden.

Wie hoch sind die Kosten?

Das Investitionsvolumen der Fraport, die zu knapp 32 Prozent dem Land und zu 20 Prozent der Stadt Frankfurt gehört, beträgt zwischen 3,5 und 4 Milliarden Euro. Die Finanzplanung stehe, so Schulte.

Wie viele Passagiere werden im neuen Terminal abgefertigt?

Wenn alles fertig ist, sollen bis zu 25 Millionen zusätzliche Passagiere in Frankfurt ein-, aus und umsteigen können. Das entspricht in etwa dem Volumen der Flughäfen in Düsseldorf oder Berlin-Tegel. Der früher öffnende Flugsteig G soll bereits ab Herbst 2021 insgesamt vier bis fünf Millionen Flugreisenden ein neues Zuhause bieten.

Wie sieht das Terminal aus?

Wie eine Hand. Im Zentrum steht das Terminalzentralgebäude, von dem aus die Flugsteige wie Finger in Richtung Flugfeld zeigen. Ob es insgesamt fünf werden und damit das Bild der Hand vervollständigen, ist noch offen. Besonders ins Auge fallen wird der 69 Meter hohe Vorfeldtower.

Um die Größe des gesamten Gebäudes besser einschätzen zu können, bemühte Architekt Christoph Mäckler am Montag einen Vergleich mit einem der berühmtesten Frankfurter Bauwerke: "Alleine in die Eingangshalle würde die Alte Oper sechsmal reinpassen."

Wo steht das Terminal?

Das neue Terminal steht anders als die bereits vorhandenen Gebäude südlich der Start- und Landebahnen. Rund fünf Kilometer entfernt vom Fernbahnhof.

Wie kommt man dahin?

Eine gute Frage, die viel diskutiert wird. Nach den Plänen der Fraport soll es keine neue S-Bahnstation geben. Stattdessen planen die Flughafen-Betreiber eine weitere fahrerlose Bahn, die alle Passagiere innerhalb von acht Minuten vom ersten zum dritten Terminal befördert. Da der Nahverkehr in Richtung Flughafen allerdings schon jetzt an Kapazitätsgrenzen stößt, formiert sich Widerstand. "Ohne Anschluss an die S-Bahn wird das Terminal zum Verkehrskollaps rund um das Frankfurter Kreuz führen. Die Anbindung an das S-Bahnnetz ist deshalb unverzichtbar", teilte der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit.

Was sagen die Parteien?

Michael Boddenberg, Fraktionsvorsitzender der CDU-Landtagsfraktion: "Die heutige Grundsteinlegung ist ein kraftvolles Signal in die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main hinein: Der Flughafen Frankfurt, Wachstumsmotor und Erfolgsfaktor für den Standort Hessen, wird weiter wachsen. Das ist eine gute Nachricht. Es werden weitere neue Jobs und Beschäftigungsperspektiven entstehen, etwa bei der Fraport AG, die allein in diesem Jahr 2.300 Neueinstellungen plant."

Janine Wissler, Vorsitzende und verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Landtag: "Die heutige Grundsteinlegung ist kein Grund zum Feiern. Es ist vielmehr ein schwarzer Tag für alle, die sich aus guten Gründen gegen das ständige Wachstum des Frankfurter Flughafens wehren. Die Salamitaktik des Flughafenausbaus geht weiter: Nach Startbahn West, Terminal 2 und Nordwestlandebahn nun Terminal 3. Der Flughafen frisst sich immer weiter in die Region, dabei sind die Grenzen der Belastbarkeit längst überschritten."  

Stefan Naas, Sprecher für Wirtschafts-, Industrie-, Arbeitsmarktpolitik und den Finanzplatz Frankfurt, FDP: "Die Grundsteinlegung am Frankfurter Flughafen ist ein guter Tag für Hessen und für die Freien Demokraten ein Grund zum Feiern. Das Terminal 3 wird die Wettbewerbsfähigkeit des Frankfurter Flughafens stärken und somit Tausende neue qualitativ hochwertige Arbeitsplätze in der Region schaffen und viele Tausende weitere sichern. Wir können stolz auf unseren Weltflughafen sein."