Radfahrer in Frankfurt

Kilometerlange neue Radspuren, Parkplätze für Zweiräder und höhere Parkgebühren für Autofahrer in der Innenstadt: Die Stadt Frankfurt bekennt sich zu ihren Radfahrern - wenn auch spät und auf Druck von Politik, Umweltschützern und nicht zuletzt den Radfahrern selbst.

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Es war schon nach Mitternacht, als das Frankfurter Stadtparlament in der Nacht zum Freitag nach mehrmonatigem Anlauf ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Förderung des Radverkehrs beschloss. Das 15-Seiten-Papier mit einem finanziellen Volumen von rund 21 Millionen Euro war bereits vor der Sommerpause gemeinsam mit den Initiatoren des letztjährigen Radentscheids ausgearbeitet worden. Das Bündnis sprach von einem Meilenstein.

Der Tenor: mehr Platz für Radfahrer. Bis 2023 soll es unter anderem mindestens 45 Kilometer neue oder umgestaltete Radwege geben. Um die Sicherheit der Schwächeren im Stadtverkehr zu gewährleisten, sollen neu- oder ausgebaute Radwege künftig eine Breite von mindestens 2,30 Metern haben.

Fahrradspuren sollen auch auf Hauptstraßen in beiden Richtungen entstehen. Dafür kann im Zweifel auch eine Auto- oder Parkspur wegfallen. Auch mehr Fahrradparkplätze sind geplant. Auf der Hauptverkehrsader Friedberger Landstraße sollen bessere Radwege schon 2020 entstehen.

Druck vom Umweltministerium

Die Stadt will sich offiziell zum Radverkehr bekennen, auch wenn das Nachteile für Autofahrer bedeute. Das hatte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) zuletzt mehrfach betont. Doch ein wenig Starthilfe hatte es dazu schon benötigt - nicht nur vom Bündnis Radentscheid, das sich freilich zufrieden mit den Beschlüssen zeigte, die großenteils aus der eigenen Feder stammen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr Platz für Radfahrer, höhere Parkgebühren für Autofahrer

Daumen hoch vom Radentscheid Frankfurt für die Verabschiedung des Maßnahmenpakets.
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Zuletzt hatte auch das Umweltministerium Druck auf das Parlament ausgeübt. Bis zum 31. August, so das Ultimatum, müssten konkrete Beschlüsse vorgelegt werden, um den Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) in Frankfurt flächendeckend einzuhalten. Dem trug das Stadtparlament nun Rechnung. Zuvor beschlossene Maßnahmen wie die Nachrüstung von Bussen hatten im Zuge des drohenden Diesel-Fahrverbots kaum jemanden beeindruckt.

Bis Ende September will der Verwaltungsgerichtshof in Kassel wissen, wie in Frankfurt im kommenden Jahr den Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft dauerhaft und flächendeckend unterschreiten möchte. Der Grenzwert-Debatte voraus ging eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen das Land Hessen.

Parken in der Innenstadt wird teurer

Neben den fahrradfreundlichen Maßnahmen beschloss der Magistrat auch, dass die Parkgebühren in der Innenstadt von bisher drei auf vier Euro pro Stunde erhöht werden, während Elektroautos die ersten beiden Stunden kostenlos parken dürfen. Außerhalb des Kerngebiets kostet das Parken künftig zwei Euro statt 1,50 Euro pro Stunde.

Nach Einschätzung des Verkehrsdezernats werden die höheren Gebühren voraussichtlich ab Ende September oder Anfang Oktober gelten. Eingeführt werden auch Parkgebühren für Reisebusse sowie die Möglichkeit, Parktickets via Smartphone-App zu bezahlen.

Damit sollen mehr Pkw aus der Innenstadt verbannt und Reisende dazu bewegt werden, öfter auf öffentliche Transportmittel oder eben auf Zweiräder umzusteigen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 30.08.2019, 13.00 Uhr