Mit Residenzwohnungen lässt sich derzeit ordentlich viel Geld verdienen.

Der Markt für Residenzwohnungen in Frankfurt boomt. Rund 3.000 solcher "Wohnen-auf-Zeit"-Apartments werden laut Planungsdezernent Mike Josef derzeit illegal vermietet. Damit soll jetzt Schluss sein.

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Hessenscheu vom 27.10.2019
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"Inklusive Kühlschrank, Mikrowelle, Geschirr, W-Lan und Flat-TV. Sie brauchen nur noch Ihren Koffer mitbringen." Der stolze Preis: 2.500 Euro Pauschalmiete für 50 Quadratmeter. Was als unkomplizierte Lösung für moderne Arbeitsnomaden angepriesen wird, ist mittlerweile auch in Frankfurt ein boomendes Geschäftsmodell.

Mit sogenannten Mikro-Apartments, Residenzwohnungen oder Flat-Sharing-Communities streichen Anbieter saftige Gewinne ein. Bis zu dreimal mehr als mit einer normalen Mietwohnung, so schätzt man im zuständigen Planungsdezernat. Kein Wunder, dass bei Bauherren Goldgräberstimmung herrscht, wenn es darum geht, solche Häuser vor allem in beliebten Stadtvierteln hochzuziehen. Der Kunde wünscht sich schließlich ein urbanes Lebensumfeld und möchte nicht im Gewerbegebiet übernachten.

Mieterschutzvereine in Sorge

"Viele Bauherren lügen bei der Genehmigung solcher Wohnungen die Bauaufsicht regelrecht an. Sie lassen sich Wohnungen genehmigen, die sie dann aber als sogenannte Residenzwohnungen monatlich vermieten", beklagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) im Gespräch mit dem hr. Die Stadt werde hier über den Tisch gezogen.

Tatsächlich sind diese Wohnungen, wenn sie möbliert wochen- oder monatsweise vermietet werden, keine Wohnungen mehr, sondern beherbergungsähnliche Betriebe, werden also gewerblich genutzt. Dem normalen Mietmarkt werden diese Wohnungen damit entzogen.

Den großen Immobilienunternehmen machen es die kleinen nach, fürchtet Rolf Janßen vom Mieterschutzverein Frankfurt. "Viele fragen sich dann natürlich: Wenn Vermieter mit möblierten Wohnungen hohe Gewinne erzielen, warum mache ich das nicht auch?". Der Mietspiegel werde durch die Möblierung und die zeitlich begrenzte Vermietung elegant ausgehebelt.

Anteil möblierter Wohnungen gestiegen

Josef will nun den Anbietern empfindliche Bußgelder aufbrummen, die Gewinne einziehen und auch juristisch zu Felde ziehen. Es laufen wohl auch schon Klagen. Durch die Ferienwohnungssatzung der Stadt, die seit März 2018 gilt, und durch das Baurecht habe man Handhabe, juristisch dagegen vorzugehen.

Das werde man nun auch massiv tun, unterstreicht Josef. Am Montag wird die Stadt dazu eine Pressekonferenz geben. Bisher hätten Residenzwohnungen keine so große Rolle gespielt, aber mittlerweile explodiere der Markt regelrecht.

Zahlen des Forschungsinstituts empirica bestätigen diesen Eindruck. Lag der Anteil der möblierten Angebote am gesamten Wohnungsmarkt 2012 noch bei 34 Prozent, sind es mittlerweile 45 Prozent. Auch die Mieten sind in die Höhe geschnellt: von durchschnittlich 19,20 Euro pro Quadratmeter 2012 auf 26,40 Euro 2019. Zum Vergleich: Unmöblierte Wohnungen kosten in Frankfurt derzeit laut empirica durchschnittlich 15 Euro pro Quadratmeter.

Bußgeldbescheide auf dem Weg

Im Geschäftsbereich Wohnraumschutz in der Bauaufsicht kümmern sich laut Stadt derzeit bis zu acht Mitarbeiter. "Die Bußgeldbescheide gehen in den nächsten Tagen raus", kündigt Josef an. Mieterschützer fordern zusätzlich, auch zeitlich nicht begrenzte möblierte Angebote besser zu regulieren. Viele Vermieter würden für ein paar Ikea-Möbel, die zusammen gerade mal 500 Euro kosten, noch mal ordentlich auf die Miete aufschlagen, so Janßen. Das müsse im Mietspiegel besser abgebildet werden und vergleichbar sein.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.10.2019, 19.30 Uhr