Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kommentar: Frankfurt sollte sich auf das Ende als Stadt der IAA einstellen

IAA erleben

Zwei Wochen rund um Klimaschutz, alternative Antriebe, und ja, auch rund ums Auto: Es war in jeder Beziehung eine ungewöhnliche IAA. Am Ende könnte stehen, dass die größte Automesse der Welt Frankfurt verlässt.

Die IAA 2019 war ungewöhnlich, auch deshalb, weil die sonst so verschlossene Branche offen zugibt, grundsätzlich über die Zukunft der Messe nachzudenken. Für die Stadt und das Land Hessen als Messe-Eigentümer wäre das Ende der IAA ein herber Schlag. Seit 1951 hat die IAA Millionen von Besuchern nach Frankfurt gelockt und viel Geld in die Kassen gespült. Andere Messen wie Ambiente, Automechanika und selbst die Buchmesse sind vergleichsweise klein.

Ich glaube: Frankfurt sollte sich auf ein Ende der IAA am Main einstellen. Zu viel hat sich rund um die IAA und in der gesamten Branche getan. Die Autokonzerne wollen so etwas wie einen Neuanfang, und da drängt sich ein Ortswechsel geradezu auf - schon um ein Zeichen zu setzen. Die gesamte Branche befindet sich im Umbruch. Die Hersteller wissen nicht, welcher Weg der richtige ist, wie selbstsicher sie sich auch nach außen geben. Der politische Druck, die CO2-Emissionen ab 2021 deutlich zu senken, hat Wirkung gezeigt.

Werden E-Autos die Probleme lösen?

Videobeitrag

Video

zum Video Im Schatten der Klimadebatte: Die IAA geht zu Ende

hs
Ende des Videobeitrags

So haben alle Elektromodelle mit auf die Messe gebracht. Ohne kann weder VW noch Opel oder Mercedes die Vorgaben erreichen. Aber keiner weiß, ob die E-Autos die Probleme wirklich lösen: Reicht der Ökostrom? Woher sollen die Millionen von Autobatterien kommen? Und vor allem: Machen die Kunden mit? Vielen sind die Strom-Autos nach wie vor zu teuer, fahren nicht weit genug und wo sie aufgeladen werden sollen, ist auch unklar. Nicht nur das verunsichert die Hersteller, die Milliarden investieren müssen.

Auch die Proteste von Tausenden von Radfahrern und die Blockade der IAA durch einige hundert Klimaaktivisten haben ihnen und der Messe spürbar zugesetzt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) behauptet zwar: Die paar Tausend Demonstranten seien doch verschwindend wenig gegen Hundertausende von Autofans, die zur Messe geströmt sind. So einfach ist das mit den Zahlen aber nicht: Die Besucherzahlen sind regelrecht eingebrochen. Vor zwei Jahren waren es noch mehr als 800.000, diesmal noch gut eine halbe Million. Und das hat nicht nur an den zweitägigen Protesten gelegen.

Zurecht Finger in die Wunden gelegt

Dass diese so viel Aufmerksamkeit bekommen haben, hat der Autoindustrie nicht geschmeckt. Das hat sie sich aber selbst zuzuschreiben. Jahrelang wurde angekündigt und versprochen, was an klimafreundlicheren Autos so entwickelt und gebaut werden solle. Gleichzeitig hat der Dieselskandal die gesamte Branche in Verruf gebracht und das letzte Vertrauen in einen ernst gemeinten Willen zum Umweltschutz zerstört.

In diese Wunden haben die Demonstranten völlig zurecht den Finger gelegt. gelegt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Der Autoverkehr hinkt beim Klimaschutz hinterher, ohne politischen und gesellschaftlichen Druck tut sich die Industrie mit den notwendigen Veränderungen schwer.

Politik und Industrie sind sich wieder näher gekommen

Immerhin haben die Hersteller auf der IAA signalisiert: Sie wissen, dass ihre Autos umweltfreundlicher werden müssen. Sie haben aber auch gezeigt, was sie nicht ändern werden: das Geschäftsmodell, möglichst jedem ein Auto zu  verkaufen. Neue Konzepte, wie autofreie Innenstädte mit deutlich ausgebautem ÖPNV, lehnt die Autoindustrie noch immer ab.

So sind neue Antriebe und die eher aufgezwungene Bereitschaft, Diskussionen zuzulassen, nur ein erster und zaghafter Schritt der Hersteller. Und auch nach dieser IAA befürchte ich: Sie könnten diesen Schritt auch wieder zurückdrehen, wenn Politik und Öffentlichkeit nicht aufpassen. Die zahmen Entscheidungen des Klimakabinetts unterstreichen ja, wie sich Politik und Industrie wieder näher gekommen sind. So droht zumindest ein bitteres Szenarium: Am Ende könnte die IAA Frankfurt verlassen - und doch alles beim Alten bleiben.

Sendung: hr-iNFO, 22.09.2019, 21 Uhr