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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Standpunkt zu Frankfurts Verlust der IAA

Besucher schauen sich auf der IAA von BMW das Concept 4 Fahrzeug an.

Den Abgang der Automobil-Ausstellung sollte Frankfurt nutzen, um seine Konzepte zu einer Mobilität der Zukunft selbstbewusst umzusetzen. Die Krise der Messe hat die Autoindustrie selbst verschuldet.

Die angeblich Schuldigen waren schnell gefunden: Der OB habe die Autoindustrie verschreckt, mit seiner nicht gehaltenen, aber doch veröffentlichten kritischen Rede zur IAA. Oder: Die Politik in Frankfurt und im Land habe zu spät und zu zögerlich auf den drohenden Verlust der IAA reagiert.

Eine Schlammschlacht hat begonnen. Die ist natürlich mit anstehenden Kommunalwahlen, mit der Bedeutung der IAA für das gesamte Rhein-Main-Gebiet zu erklären. Dass die IAA nach 70 Jahren aus Frankfurt abwandert, bedeutet nicht nur einen großen Imageverlust. Es bedeutet auch finanzielle Verluste: etwa für Handwerker, die mit der Messe jedes Mal 100 Millionen Euro umgesetzt haben. Dazu kommen Hotels, Kneipen, für die die Messe jahrelang ein wichtiger Bestandteil ihrer Geschäfte war.

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So gesehen ist der Verlust dramatisch, und auf den ersten Blick steht Frankfurt als der Verlierer in dem Spiel da. Denn das ist es doch wohl, was der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) da getrieben hat – ein Spiel. Die Hersteller haben jahrelang weiter auf dicke Autos gesetzt und waren dann überrascht, als es Proteste gab, als sich Unmut über das ewige Weiter-so mit den Verbrennungsmotoren und immer größer werdenden Karossen regte.

So in die Enge getrieben, haben sie aus einer eigentlich schwachen Position heraus versucht, sieben Städte gegeneinander auszuspielen und das beste für sich selbst herauszuholen.

Proteste hätte es auch woanders gegeben

Frankfurt hatte wahrscheinlich von Anfang keine wirkliche Chance, die IAA zu behalten - nach allem, was während der vergangenen Messe passiert ist: zehntausende Fahrraddemonstranten, blockierte Messetore, Diskussionen um klimafreundlichere Mobilität. All das hätte es überall anders auch gegeben. Das liegt nicht am Standort!

Und dass der Oberbürgermeister einer Stadt, die von Dieselfahrverboten bedroht ist, auch mal kritische Worte über die Automobilindustrie verliert? Alles andere wäre geradezu fahrlässig.

Macht doch mal ernst!

Von Anfang an hat sich die Autoindustrie verhalten wie ein beleidigtes Kind: "Frankfurt ist schuld, jetzt spielen wir halt woanders!" Ja, vordergründig steht Frankfurt als Verlierer da. Doch der eigentliche Verlierer ist der VDA - und damit die Autoindustrie. Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt, nicht erkennen wollen.

Was jetzt von der Stadt Frankfurt, von allen Beteiligten zu erwarten ist: Macht doch ernst! Setzt eure Konzepte doch um! Selbstbewusst zeigen, wie Verkehr und Mobilität in Zukunft aussehen können und müssen, damit Ballungsräume nicht im Dreck und Stau ersticken. Der VDA wäre bei diesem Prozess doch bloß ein Bremsklotz.

Sendung: hr-iNFO, 30.01.2020, 11.10 Uhr