Ein Aufkleber der Initiative Radentscheid klebt an einem Ampelmast in Frankfurt.
Ein Aufkleber der Initiative Radentscheid klebt an einem Ampelmast in Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Als fahrradfreundlich ist Frankfurt bislang nicht bekannt. Nun hat die Stadt Forderungen des Radentscheids übernommen und will den Radverkehr massiv fördern und ausbauen - auf Kosten des Autoverkehrs.

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Neue Radwege, mehr Platz für Radfahrer, mehr Stellplätze für Räder: Frankfurt will den Radverkehr in der Stadt massiv fördern. Beim Fahrradklima-Test 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hatte Frankfurt die Schulnote "ausreichend" (3,94) bekommen.

Die drei Regierungsfraktionen im Frankfurter Römer (CDU, SPD, Grüne) einigten sich nach mehrmonatigen Verhandlungen gemeinsam mit den Initiatoren des letztjährigen Radentscheids auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Rund 21 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Laut Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) soll das 15-Seiten-Papier nach der Sommerpause im Stadtparlament beschlossen werden.

45 Kilometer neue oder umgestaltete Radwege

Tenor: Mehr Platz und mehr Sicherheit für die Radfahrer in der Stadt.

Bis 2023 soll es unter anderem mindestens 45 Kilometer neue oder umgestaltete Radwege geben, heißt es in dem Papier. Fahrradspuren sollen auch baulich vom Autoverkehr abgegrenzt sowie mehr Fahrradparkplätze eingerichtet werden. Erste Umbauten sollen 2021 begonnen werden.

Mehr Radwege, weniger Autospuren

Die Stadt trage dem zunehmenden Radverkehr in der Stadt Rechnung, sagte Oesterling, der betonte: "Das geht nur zu Lasten des Autoverkehrs - dazu bekennen wir uns auch."

Als Beispiel nannte der Verkehrsdezernent die Strecke vom Börneplatz über die Konstablerwache bis zum Friedberger Platz. Auf dieser Strecke sollen neue Radwege eingerichtet werden, dafür fallen zwei Autospuren weg. Die Änderungen sollen zunächst ein Jahr getestet und gegebenenfalls nachgebessert werden.

Der Ausbau des Radnetzes solle nicht zu Lasten von Fußgängern und öffentlichem Nahverkehr gehen, betonte Oesterling.

Betroffenen Straßen und Kreuzungen konkret benannt

Die Initiatoren des Frankfurter Radentscheids freuten sich über die Ergebnisse. Die wichtigsten Forderungen des Bürgerbegehrens fänden sich in dem Papier wieder, freute sich Mit-Initiator Alexander Breit und hob die konkrete Benennung von Haupt- und Nebenstraßen sowie Kreuzungen und Trassen hervor. Das sei eine sehr gute Grundlage, um schnell in die Planung und Umsetzung einsteigen zu können.

Die Initiatoren hatten im vergangenen Jahr rund 40.000 Unterschriften gesammelt. Der Magistrat hält den Rad-Entscheid zwar für unzulässig, die Stadt nahm aber Anfang des Jahres Gespräche mit den Radlern auf.

"Zeitenwende" und "maßvolles Ergebnis"

Wolfgang Sievert (Die Grünen), Vorsitzender des Frankfurter Verkehrsausschusses, sprach von einer Zeitenwende. "Heute ist das erste Mal, dass der Wandel sich in dieser Stadt ganz konkret in Beschlüssen niederschlägt."

Martin Daum, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, nannte die Beschlüsse ein "ebenso tolles wie maßvolles Ergebnis". Seiner Partei sei wichtig gewesen, die gesamte Verkehrssituation nicht aus dem Blick zu verlieren und keine künstlichen Staus zu schaffen.

Auch Kassel und Darmstadt wollen Radverkehr fördern

Radentscheide und eine Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer sind auch in anderen hessischen Kommunen ein Thema. So hat die Stadt Kassel die Ziele des dortigen Radentscheids in einer Magistratsvorlage aufgegriffen, über die die Stadtverordneten nach Angaben eines Stadtsprechers derzeit beraten.

In Darmstadt wurde das Bürgerbegehren der Initiative Radentscheid zwar für unzulässig erklärt. Gleichzeitig vereinbarte die Stadt eine Zusammenarbeit, um den Radverkehr zu fördern.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt mahnte in einer ersten Stellungnahme eine Entwicklung des Radverkehrs "mit Augenmaß" an. Die Hauptverkehrsachsen müssten offen bleiben für die Erreichbarkeit von Unternehmen, Transporten und Lieferungen.

Sendung: hessenschau kompakt, 18.06.2019, 16.45 Uhr