Schienen und Züge vor dem Frankfurter Hauptbahnhof / Eisenbahntunnel.
Bisher fahren in Frankfurt noch Fern- und Regionalzüge auf den selben Gleisen. Käme der Tunnel, würden die Schnellzüge unter die Erde verlegt. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Tunnel für Fernzüge soll den Eisenbahnknoten Frankfurt spürbar entlasten. Der Bund gab nun bekannt, wie viel er sich das Megaprojekt kosten lassen will. Er verspricht sich davon bundesweit schnellere ICE-Fahrten.

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ICEs der Deutschen Bahn

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bund beziffert Kosten für Frankfurter Fernbahntunnel mit 3,5 Milliarden Euro

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Vor gut zwei Wochen teilte das Bundesverkehrsministerium mit, es sehe im neuen Bundesverkehrswegeplan als "vordringlichen Bedarf" einen Fernbahntunnel unter Frankfurt hindurch vor. Seitdem überlegen Verkehrsexperten, wo dieser Tunnel verlaufen und ob er dabei den tief gründenden Hochhäusern und den S- und U-Bahntunneln in der Frankfurter City in die Quere kommen könnte.

Am Donnerstag wurde bekannt, welche Kosten die Bundesregierung für das Megaprojekt ansetzt: 3,5642 Milliarden Euro. Diese Zahl nennt Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, in einer Antwort auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Christian Jung. Das Schreiben liegt hr-iNFO vor.

Wie zu erwarten, würde der Fernbahntunnel damit den Löwenanteil der veranschlagten Gesamtkosten für den Ausbau des Eisenbahnknotens Frankfurt von mehr als 5,5 Milliarden Euro belegen.

Zu den Ausbauprojekten zählen auch die nordmainische S-Bahn (1,3 Milliarden Euro), Arbeiten am Bahnhof Frankfurt-Stadion und in Neu-Isenburg-Zeppelinheim (Offenbach) sowie Arbeiten in Darmstadt-Kranichstein und in Mainaschaff bei Aschaffenburg. Mit der Einstufung als "vordringlicher Bedarf" gilt die Finanzierung als gesichert.

Acht Minuten Zeitersparnis im Fernverkehr

Im Brief des Verkehrsstaatssekretärs steht auch, was sich der Bund von dem Fernbahntunnel verspricht: Dieser löse "in Verbindung mit der nordmainischen S-Bahn insbesondere die Engpässe im Bereich Frankfurt Hbf - Frankfurt Süd auf". Außerdem rechne man mit einer Fahrzeitverkürzung von etwa acht Minuten - und zwar im gesamten deutschen Fernverkehr. "Da Frankfurt den zentralen Knoten im deutschen Fernverkehrsnetz bildet, ist eine solche Fahrzeitverkürzung von besonders hohem Nutzen", schreibt Ferlemann.

Auch für Reisende, die am Frankfurter Hauptbahnhof ein- oder aussteigen, ergäbe sich mit den unterirdisch verlaufenden Fernbahngleisen ein Zeitvorteil, argumentiert der Staatssekretär: Ein neuer Quertunnel verbände die oberirdischen Bahnsteige untereinander und mit der S-Bahn und dem neuen Tiefbahnhof. "Damit verringern sich die Umsteigzeiten und -wege im Frankfurter Hauptbahnhof erheblich, weil umsteigende Fahrgäste nicht mehr bis zum Querbahnsteig am Anfang der Haupthalle laufen müssen."

Tunnel soll "Deutschlandtakt" sichern

Für den Fernbahntunnel existieren noch keine konkreten Pläne. In den 1990er Jahren sollte der gesamte Frankfurter Hauptbahnhof unter die Erde verlegt werden ("Frankfurt 21"). Letztlich verwarfen Bund, Bahn und Stadt diese Pläne jedoch. Der nun vorgeschlagene Fernbahntunnel soll den Hauptbahnhof an Ort und Stelle belassen, die oberirdischen Gleise würden dann jedoch nur noch vom Nah- und Regionalverkehr benutzt.

Das Bundesverkehrsministerium sieht in dem Tunnel eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der geplante "Deutschlandtakt" eingehalten werden kann. Dieser im Oktober von Minister Andreas Scheuer (CSU) vorgestellte Plan soll den Fernbahnverkehr in Deutschland revolutionieren: An großen Bahnhöfen sollen Fernzüge verlässlich immer zur selben Zeit im Stunden- oder Halbstundentakt ankommen.

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68 Kommentare

  • "Frankfurt 21" wird doch nichts anderes als ein weiteres Milliardengrab werden. Dabei würde es ausreichen, die zum Hauptbahnhof führenden Trassen - für einen Bruchteil des Betrags - zu entwirren, um eine ähnliche Effizienz zu erreichen, wie die FR berichtete. Aber das wäre unspektakulär und für die Politik(er) wenig attraktiv - es muss ja immer medienwirksam "geklotzt" werden. Überdimensionierte Denkmäler gewinnen bekanntlich Wahlen.
    Die Bahn hat derzeit mit anderen Herausforderungen zu kämpfen, die deutlich höher zu priorisieren sind.

  • Solange nur 20 der ICE Züge voll funktionsfähig sind ist die Generalfrage eher "Kommt einer "
    als die nach der Ankunfts/abfahrzeit. Kaspereien einer Mikropartei die außer Alkoholfahrten ihrer Führungskräfte nix im Portfolio hat. Tip: einen Zug früher nehmen! Die Kohle mal lieber in funkionierende Fahrtreppen , Aufzüge u.ä. stecken. Beschaffen evtl. aus China-da funtionierts

  • Das nenne ich mal Prioritäten setzen.

    3,5 Milliarden verpulvern, um Zugverbindungen 8 Minuten schneller zu machen. Grandios.
    Was könnte man alles Sinnvolles damit anstellen? Armut beseitigen, notwendige Infrastrukturen schaffen, Klimaziele fördern.

    Mir fällt nur noch Nietzsches Satz ein, viele Menschen seien "Pausen in der Symfonie des Lebens".

    Ansonsten: betretenes Schweigen.

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