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Audioseite Feldmann entschuldigt sich für Shopping-Aufruf

Reger Betrieb herrscht auf der Frankfurter Einkausmeile Zeil am Samstag des zweiten Adventswochendes

Peter Feldmann rief dazu auf, mit einem extra günstigen Fahrschein per Bahn zum Einkaufen nach Frankfurt fahren, ungeachtet hoher Inzidenzwerte und einer wegen zahlreicher Kundgebungen ohnehin vollen Innenstadt. Nach heftiger Kritik ist er nun zurückgerudert.

Trotz steigender Corona-Infektionszahlen und zahlreicher angekündigter Demonstrationen in der Frankfurter Innenstadt hat Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für diesen Samstag mit preiswerten ÖPNV-Tickets zum Weihnachtsshoppen gelockt - und dafür unter anderem in den Sozialen Medien viel Kritik eingesteckt.

Einen Tag später entschuldigte sich der OB für die Aktion. Diese sei vor mehreren Monaten geplant worden, schrieb er am Samstagnachmittag - und damit Stunden nach Öffnung der Läden - auf Twitter: "Ich sehe ein: Sie passt nicht in die jetzige Zeit. Es tut mir leid, wenn sie als Einladung zum Leichtsinn missverstanden wurde."

Doch auch die Entschuldigung zog auf Twitter Kritik auf sich. Was habe den Oberbürgermeister denn davon abgehalten, die Aktion abzublasen, schrieben Nutzer. Immerhin habe das städtische Presseamt Feldmanns zweifelhafte Shoppingempfehlung erst am Freitagmittag veröffentlicht.

"Sich wieder wie ein Kind fühlen"

Mit einem günstigen Kinderfahrschein, der ausnahmsweise für Erwachsene galt, sollten zögerliche Kunden am dritten Adventssamstag zum weihnachtlichen Einkaufsbummel in Frankfurt animiert werden. Wie die Stadt am Freitag mitteilte, entschieden das der Rhein-Main-Verkehrsverbund und Oberbürgermeister Feldmann als RMV-Aufsichtsratsvorsitzender.

"Sich wieder wie ein Kind fühlen" - mit diesen Worten warb die Stadt Frankfurt für das Ticket. "Mit diesem Angebot ermöglichen wir den Fahrgästen am Samstag vor dem dritten Advent, kostengünstig mit einem Kinderfahrschein in Frankfurt unterwegs zu sein, um so ihren Weihnachtseinkauf zu erledigen", sagte Feldmann. Damit koste der Einzelfahrtschein im Stadttarif nur 1,55 Euro statt 2,75 Euro. Der Kindertarif gelte sowohl für Kurzstrecke als auch Einzelfahrschein und Tageskarte.

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"Dem lokalen Einzelhandel geht es nicht gut"

Dass das Land angesichts steigender Infektionszahlen und einem aktuellen Höchststand an Todesfällen in Zusammenhang mit Corona derzeit auf einen harten Lockdown zusteuert, tat der längerfristig geplanten Aktion keinen Abbruch.

Olaf Schiel, Pressesprecher des Oberbürgermeisters, sagte dem hr am Freitag: "Dem lokalen Einzelhandel geht es nicht gut. Wir brauchen aber den Einzelhandel, wenn die Innenstadt durch Corona nicht veröden soll." Eine Gefahr durch allzu volle Bahnen und stark frequentierte Geschäfte sah Pressesprecher Schiel nicht: "Wir animieren nicht zum Leichtsinn." Die Geschäfte hätten Hygiene- und Abstandsvorgaben, die sie konsequent umsetzten.

Einladung mit Risiken

Auch in der angekündigten Demonstration der selbsternannten "Querdenker", bei der am Samstag zehntausende Menschen in Frankfurt gegen die Corona-Maßnahmen protestieren wollten, findet Schiel keinen Grund, von der Idee mit dem Kinderticket abzurücken. Schließlich sei diese Demonstration verboten.

Pressesprecher Schiel betonte: "Die richtige Antwort darauf ist: Die vernünftigen Menschen sagen, das ist immer noch unsere Stadt, die lassen wir uns von den Covidioten nicht nehmen."

Polizei warnt vor Beeinträchtigungen im Nahverkehr

Anders sah es offenbar die Frankfurter Polizei. Sie empfahl am Freitag, die Innenstadt möglichst weiträumig zu umfahren. Am Wochenende gebe es "eine Vielzahl verschiedener und zum Teil thematisch konträrer Versammlungen im Stadtgebiet", warnte die Polizei. Es werde nicht nur zu erheblichen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr kommen - sondern auch im öffentlichen Personennahverkehr.

Virologin: "Ist heute der 1. April?"

Die bekannte Frankfurter Virologin Sandra Ciesek twitterte zu der Ankündigung Feldmanns nur ein ungläubiges "Ist heute der 1. April?". Sie verwies auf die Forderung des Verbands der Deutschen Intensivmediziner, wonach ein harter Lockdown sofort erfolgen müsse.

Sendung: hr-iNFO, 12.12.2020, 17 Uhr