Ein Teil des Vreo-Teams: Gründer Andreas Schemm und Mitarbeiter Egor Malychev (v.l.).

Der Frankfurter Gründer Andreas Schemm mag keine Werbeunterbrechungen in Smartphone-Spielen. Daraus hat er eine Geschäftsidee entwickelt. Werbung soll in Games dank seines Unternehmens anders aussehen - zum Nutzen von Games-Herstellern, Werbeunternehmen und Spielern.

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Vreo-Gründer Andreas Schemm
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Unternehmensidee

Andreas Schemm ist selbst Gamer und kennt die Bedürfnisse der Szene. Ein großes Problem aus seiner Sicht: Werbeunterbrechungen beim Spielen auf dem Smartphone. Er hält sie für nervig. "Das muss doch auch anders gehen", sagte er sich. So kam er auf die Idee, Werbeblöcken in Smartphone-Spielen den Kampf anzusagen. Statt das Spielerlebnis zu behindern, möchte er die Werbung direkt in das Spiel einbauen.

"Werbung in Computerspielen soll nicht so nervig sein, sondern wie in der echten Welt oder in Filmen", sagt der 32-Jährige. Deshalb gründete er 2017 das Start-up Vreo in Frankfurt. Schemm möchte die Werbung so unaufdringlich wie möglich integrieren. Nicht allein auf dem Smartphone, sondern auch auf PC und Spiele-Konsolen.

Konzept

Das Prinzip funktioniert ähnlich wie die Produktplatzierung in Serien oder Spielfilmen. Die Werbung wird direkt in die Spiel-Szenerie eingebettet. Auf einem virtuellen Marktplatz treffen sich Spielehersteller und Werbekunden. Spielehersteller können Flächen in ihren Spielen anbieten. Werbekunden können diese dann erwerben und nutzen.

Dabei ist es wichtig, dass die Werbung zum Spiel passt. "In einem Rennspiel bietet sich Autowerbung natürlich perfekt an, Werbung für Alkohol ist hingegen eher unvorteilhaft", sagt der Frankfurter Gründer.

Auf einem im Spiel integrierten Fernseher sollen Spieler künftig Werbefilme sehen können. Werbeunterbrechungen möchte Vreo-Gründer Schemm so vermeiden.

Bislang war es Werbefirmen nicht möglich zu ermitteln, wie viele Nutzer die Werbebanner überhaupt gesehen haben. Deshalb hat Schemm gemeinsam mit seinem Team einen Algorithmus entwickelt. Mit diesem können sie genau messen, wie lange ein Spieler sich die Werbung angeschaut hat und wie groß diese auf seinem Bildschirm zu sehen war.

Dadurch errechnet das System die Höhe der Werbekosten. "So können wir auch ermitteln, welche Stelle im Spiel besser für Werbung geeignet ist und welche nicht ", sagt Schemm.

Aktueller Stand und Blick in die Zukunft

Zwei Jahre hat das Team an der technischen Entwicklung gearbeitet. In diesem Jahr geht Vreo an den Markt. "Die technische Umsetzung ist abgeschlossen. Wir planen die erste Kampagne für Oktober", sagt Schemm. 50 Spiele sind schon jetzt auf Vreos virtuellem Marktplatz zu finden. Zwei Marken und drei Agenturen sind ebenfalls mit an Bord.

Die Beteiligten hoffen noch mehr Spielehersteller, Werbekunden und Agenturen für ihre Idee zu gewinnen. Dabei richtet das Team seinen Blick auf den weltweiten Markt. Die Technologie von Vreo ist global einsetzbar.

Und auch für die Zukunft hat Schemm schon Pläne: "Wir möchten expandieren. Der asiatische Gaming-Markt ist zum Beispiel sehr spannend." Man arbeite auch schon an einer Erweiterung der jetzigen Lösung. Denn zusätzlich zu 2D-Flächen sollen in Zukunft auch 3D-Figuren als Werbung einsetzbar sein. "Das ist allerdings um einiges komplizierter und zeitaufwendiger", sagt Schemm.

Team und Finanzierung

Ein Teil des Start-ups Vreo: Gründer Andreas Schemm und Mitarbeiter Egor Malychev bei der Gamescom.

CEO Andreas Schemm ist kein Neuling im Geschäft. Seit 2004 beschäftigt er sich mit der Gründung und dem Wachstum von Start-ups, etablierte beispielsweise die Spielkette "LaserTag" in Deutschland. Im Jahr 2016 gründete er ein Unternehmen für Virtual-Reality-Anwendungen. Das vierköpfige Team rund um Schemm vereint verschiedene Expertisen: Softwareentwicklung, Grafik, Finanzen und PR. Ergänzt wird das Team von zwei Freelancern.

Die Anfangsfinanzierung des Unternehmens sicherte ein "Business Angel". Dieser sogenannte "Unternehmensengel" beteiligt sich finanziell am Unternehmen und unterstützt die Gründer mit seinem Wissen. Zusätzlich erhielt Vreo von Hessen-Kapital eine Startfinanzierung des Landes im sechsstelligen Bereich. Zuletzt sicherte sich das Unternehmen nochmals 550.000 Euro, mit denen sie die Entwicklungs-, Personal-, und Reisekosten abdecken können.

Einschätzung der Start-up-Expertin

Katrin Burmeister-Lamp, Professorin für Entrepreneurship (Unternehmertum) an der EBS Universität in Wiesbaden, sieht in dem Unternehmen viel Potenzial. Sie lobt vor allem die bereits bestehenden Partnerschaften mit Spieleherstellern und Werbekunden. Auch die Technologie sei innovativ. "Außerdem scheint das Team eine langjährige Führungs- und Branchenkompetenz mitzubringen", sagt Burmeister-Lamp. Gerade das sei ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Start-ups.

Ein Herausforderung sieht sie bei der Gewinnung von Werbekunden. "Die eingebettete Werbung ist viel diskreter, als eine Werbeunterbrechung", sagt Burmeister-Lamp. Das könne Kunden abhalten, ihre Werbung in Spielen zu platzieren. Die Analyse, wie lange der Spieler die Werbung gesehen hat, könne das Ganze aber ausgleichen und für Werbekunden interessant machen.

Weitere Informationen

Serie: Vorgestellt - Junge Unternehmen in Hessen

In unserer Serie "Junge Unternehmen in Hessen" stellen wir vier Start-ups aus Hessen vor. Diese unterscheiden sich in der Unternehmensbranche und in der Phase, in der sie sich gerade befinden. Während zwei Unternehmen bereits an den Markt gegangen sind, steht eines kurz davor und ein anderes ist noch in der Gründungsphase.

Donnerstag: Vreo aus Frankfurt will Werbung in Games revolutionieren
Freitag: Im Robo-Studio sollen Kinder programmieren lernen
Samstag: Mehr Ernte dank App des Darmstädter Unternehmens Solorrow
Sonntag: mAIdical rückt Augenkrankheiten mit Künstlicher Intelligenz zu Leibe

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