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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fraport darf umstrittenes Bodenlager für belastete Erde errichten

Ein großer Erdhaufen, teilweise mit Plastik abgedeckt.

Das umstrittene Zwischenlager für belastetes Erdreich vom Bau des Terminals 3 des Frankfurter Flughafens ist genehmigt. Doch wie es aussieht, wird es gar nicht mehr benötigt.

Das Regierungspräsidium in Darmstadt (RP) hat dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport ein umstrittenes Zwischenlager für belastete Erde vom Bau des neuen Terminals genehmigt. Die Erlaubnis sei erteilt und auf fünf Jahre begrenzt, sagte ein Sprecher des RP am Montag. Die Unterlagen könnten voraussichtlich im Dezember von der Öffentlichkeit eingesehen werden.

Kritiker sorgen sich um Grundwasser und Umwelt

Deutlich mehr als 100 Personen und Organisationen hatten im Sommer Einwände gegen das geplante Bodenlager am Flughafen erhoben. Diese betrafen unter anderem die Abfalleinstufung und -entsorgung, den Grundwasser- und Bodenschutz, Luft- und Schallimmissionen sowie den Naturschutz.

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Was ist PFC?

PFC steht eigentlich für per- und polyfluorierte Chemikalien. Diese werden aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in Imprägniersprays und Bratpfannenbeschichtungen eingesetzt. Der Stoff steht im Verdacht, Krebs auszulösen.

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Das Problem: Beim Bau des Terminals 3 fallen immense Mengen von Erde an, die mit polyfluorierten Chemikalien (PFC) verseucht ist. Der Flughafenbetreiber Fraport geht mittlerweile von einer Gesamtmenge an überschüssigem Boden von 470.000 Kubikmetern aus - 70.000 Kubikmeter mehr als zuletzt geschätzt. Die Erhöhung komme durch corona-bedingte Veränderungen am Bauablauf vom Terminal 3 zustande, so Fraport am Montag.

Chemikalien vermutlich aus Löschschaum

Die Rückstände auf dem Frankfurter Flughafen stammen Fraport zufolge vermutlich aus Löschschaum, der auf der früheren US Airbase eingesetzt wurde. Durch ein verändertes Messverfahren war die hohe PFC-Konzentration erst während der Bauarbeiten für das neue Terminal aufgefallen. Entsprechend belastete Erde darf ausschließlich auf dafür ausgelegten Deponien entsorgt werden.

Weil noch im vergangenen Winter unklar war, bis wann die belastete Erde fachgerecht entsorgt werden kann, hatte Fraport den Bau eines Zwischenlagers mit einer Kapazität von 600.000 Kubikmetern beantragt. Inzwischen ist das Unternehmen zuversichtlich, noch in diesem Jahr 75 Prozent des belasteten Bodenaushubs abtransportiern zu können - per Zug, Schiff und Laster zu Aufnahmestellen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Ostdeutschland.

"Wir sind weiter auf einem guten Weg, das belastete Bodenmaterial sachgerecht und vollständig abzutransportieren", teilte Vorstandsvorsitzender Stefan Schulte am Montag mit. Bis Mitte des kommenden Jahres soll der Abstransport abgeschlossen sein. "Treten hierbei keine unerwarteten Verzögerungen auf, werden wir das genehmigte Bodenlager nicht bauen", so Schulte.

Sendung: hr3, 30.11.2020, 13 Uhr