Blick ins menschenleere Terminal 1 am Frankfurter Flughafen

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport stellt sich auf eine mehrjährige Flaute im Passagierverkehr ein. Davon geht auch die Airline Ryanair aus. Beide Unternehmen wollen Stellen abbauen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fraport stellt sich auf Durststrecke ein

Stillgelegter A380 am Frankfurter Flughafen
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Möglicherweise werde 2023 eine neue Normalität am Flughafen Frankfurt erreicht, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte in einer Videokonferenz mit dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten zum Wochenbeginn. Er sprach in dem Zusammenhang von einem "neuen Jahr Null". Dann werde es aber wohl immer noch 15 bis 20 Prozent weniger Fluggäste geben als im Vor-Corona-Jahr 2019, schränkte Schulte ein.

Um einen Stellenabbau kommt der MDax-Konzern aus Schultes Sicht nicht herum. Im März schickte Fraport rund 18.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Dem Unternehmen brachen nach eigenen Angaben seit März 95 Prozent des Geschäfts weg, es verliert pro Monat etwa 150 Millionen Euro. Das Terminal 2 ist geschlossen.

Fraport hofft auf den Urlaubsverkehr

Schulte ist mit Blick auf eine schnelle Erholung des infolge der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommenen Luftverkehrs vorsichtig: "Wir hoffen, dass wir irgendwann im Sommer wieder ein stärkeres Hochfahren des Verkehrs sehen." Zwar seien die wenigen Flüge, die es aktuell noch gibt, schon wieder etwas besser ausgelastet als im April. "Allerdings wäre ich schon glücklich, wenn das Passagieraufkommen im Dezember wieder 30 oder 35 Prozent des normalen Niveaus erreicht", sagte Schulte.

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Für das kommende Jahr erwartet der Fraport-Chef die Hälfte, im Jahr darauf rund 80 Prozent des "neuen Jahrs Null" 2023. Dabei dürfte seiner Einschätzung nach der Urlaubsverkehr stärker wachsen als die Nachfrage von Geschäftsreisenden. Aufgrund der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen verlegten sich viele Unternehmen auf Videokonferenzen. Es wird erwartet, dass etliche auch nach Ende der Krise dabei bleiben und auf teure Business-Flüge verzichten.

Maskenpflicht für Passagiere in Bussen und Geschäften

Tatsächlich hat der Flughafen schon begonnen, sich auf wachsende Passagierzahlen in der Corona-Krise vorzubereiten - und zwar mit Spendern für Desinfektionsmittel, Abstandsmarkierungen am Boden, abgesperrten Sitzen und Plexiglasscheiben an den Schaltern. Das Infektionsrisiko solle so gering wie möglich gehalten werden, sagte der Leiter des Flug- und Terminalbetriebs und der Unternehmenssicherheit bei Fraport, Alexander Laukenmann.

Am Frankfurter Flughafen gelten besondere Schutzmaßnahmen.

Auch bei den Sicherheitskontrollen sei der Wartebereich so gestaltet worden, dass die Passagiere mindestens 1,50 Meter Abstand voneinander halten könnten, das Personal trage Schutzmasken, sagte Laukenmann. Passagiere müssten in Bussen und Geschäften eine Mund- und Nasenbedeckung tragen.

Ryanair will ab Juli wieder durchstarten

Vergangenes Jahr zählte Fraport in Frankfurt erstmals mehr als 70 Millionen Passagiere - ein Rekord, den die Konzernführung ursprünglich deutlich früher erwartet hatte. Den Bau von Terminal 3 hatte das Management deshalb um mehrere Jahre verschoben. Inzwischen sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Aktuellen Angaben zufolge soll der erste Abschnitt im Herbst 2021, der Rest 2024 fertig sein.

Am Terminal 3 will Fraport vornehmlich Billigflieger abfertigen. Auch in diesem Segment schlägt die Corona-Krise voll durch. Der europäische Branchenführer Ryanair hofft darauf, ab 1. Juli wieder 40 Prozent der regulären Flüge anbieten zu können. Insgesamt geht das Management rund um Airline-Chef Michael O'Leary davon aus, dass Ryanair das Niveau des Vorjahrs frühestens 2022 oder 2023 erreicht - eine ganz ähnliche Kalkulation also wie bei Fraport.

Einem Neustart vorausgehen müssten gelockerte Reisebeschränkungen für Flüge innerhalb der EU und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz an Flughäfen, teilte Ryanair am Dienstag mit. Dann könnte man fast 1.000 Flüge täglich anbieten und damit 90 Prozent der Strecken abdecken, die man vor der Corona-Krise angesteuert habe.

Ryanair warnt vor zu hoher Terminal-3-Miete

Ähnlich wie Fraport wird vermutlich auch Ryanair infolge der Corona-Flaute Stellen abbauen. Seit Ende März hat das Unternehmen den Großteil seines Flugbetriebs eingestellt und bietet derzeit täglich nur rund 30 Flüge zwischen Irland, Großbritannien und Kontinentaleuropa an.

Unternehmens-Manager David O'Brien berichtete am Dienstag von Plänen, wegen der langfristig schwächeren Nachfrage etwa jeden fünften Job zu streichen. Es sei aber noch zu früh, die genauen Auswirkungen auf die Standorte und die rund 1.200 Beschäftigten in Deutschland zu benennen. Grundsätzlich stünden auch in Deutschland hunderte Jobs auf der Kippe. O'Brien warnte den Betreiber Fraport vor zu hohen Mietforderungen im Terminal 3: "Wir werden es gerne nutzen, solange wir niedrige Kosten haben."

Sendung: hr-iNFO, 12.05.2020, 13 Uhr