Ein Vorfeld-Mitarbeiter lädt auf dem Flughafen in Frankfurt Koffer in eine Lufthansa-Maschine.
Ein Vorfeld-Mitarbeiter lädt auf dem Flughafen in Frankfurt Koffer in eine Lufthansa-Maschine. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Offene Stellen gibt es auf einem großen Flughafen immer. Aber inzwischen fehlen in Frankfurt schon mehr als 1.800 Mitarbeiter. Warum der Betreiber Fraport so viel Personal braucht - und nicht findet.

Dass immer weniger Menschen auf dem Bau arbeiten wollen: bekannt. Dass in den Pflegeberufen viele Stellen unbesetzt bleiben: chronisch. Dass aber der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Schwierigkeiten bei der Fachkräfte-Suche hat: überraschend.

Fast jede zehnte Fraport-Stelle ist derzeit unbesetzt, insgesamt sind mehr als 1.800 Stellen beim Flughafenbetreiber und seinen Tochterunternehmen in unterschiedlichen Bereichen offen, wie das Unternehmen am Donnerstag bei der Vorstellung einer neuen Rekrutierungskampagne mitteilte. Zur Einordnung: Im Februar waren in ganz Hessen laut Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit insgesamt 52.660 freie Stellen gemeldet.

"Der Bedarf ist enorm"

"Schon seit dem Sommer merken wir, dass wir mehr Personal brauchen", sagte Fraport-Sprecherin Maria Linden hessenschau.de. "Der Bedarf ist enorm." Sie begründete das mit Fluktuation und dem starken Wachstum des Flughafens. Der Antritt von Ryanair und Großkunden wie Lufthansa hatten dem Flughafen 2017 einen Passagierrekord beschert.

Der Flughafenbetreiber zählte 64,5 Millionen Fluggäste und damit 6,1 Prozent mehr als 2016. Zum Jahreswechsel waren bei Fraport und direkten Tochtergesellschaften mehr als 21.700 Mitarbeiter beschäftigt.

Engpass bei Mechatronikern zeichnet sich ab

Fraport-Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen
Kollegen gesucht - und zwar viele: Fraport-Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen Bild © Fraport

Allein bei der Abfertigung, den sogenannten Bodenverkehrsdiensten, fehlen etwa 1.000 Mitarbeiter, wie Linden sagte. 300 bis 350 Stellen sind im Bereich der Sicherheitskontrollen offen. 200 bis 250 Mitarbeiter werden gesucht, die alte oder kranke Fluggäste zum Flugzeug und zurück begleiten. Der Rest fehle bei Feuerwehr, Rettungsdienst und technischen Berufen, sagte die Sprecherin.

Fraport sucht unter anderem Mechatroniker, Elektroniker und Facharbeiter für die Instandhaltung der Gepäckförderanlage. Ein Blick in die Fachkräfte-Engpassanalyse der Arbeitsagentur vom Dezember vergangenen Jahres zeigt: Gerade bei Spezialisten für Mechatronik und Automatisierung gibt es in Hessen Anzeichen für einen erheblichen Mangel an Fachkräften.

Hauptzielgruppe sind Berufseinsteiger

Warum hat ein so großer Arbeitgeber wie Fraport Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden? "Der Markt gibt viel her, die Bewerber haben die Auswahl", sagte Linden. "Wir versuchen, sie mit allen Mitteln zu uns zu locken." Das Unternehmen setzt längst nicht mehr nur herkömmliche Stellen in zeitungen oder auch online. So hat es gerade ein Video produziert, in dem Facharbeiter ihren Arbeitsplatz vorstellen und für den Flughafenbetreiber als Arbeitgeber werben.

"Unsere Zielgruppen sind sehr heterogen hinsichtlich Alter und Qualifikation, sodass wir unterschiedliche Wege gehen müssen, um Mitarbeiter zu erreichen", sagte Silke Niehaus, Chefin der Personalserviceleistungen bei Fraport. Hauptzielgruppe seien Berufseinsteiger, das Unternehmen suche aber auch auch Berufstätige, "die sich einer neuen Herausforderung stellen wollen".

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 08.03.2018, 19.30 Uhr