Passagiere gehen auf dem Flughafen in Frankfurt an der Anzeigetafel vorbei.
Ausbleibende Passagiere sind nicht das Problem am Frankfurter Flughafen. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Zahlen stimmen, die Prognosen auch - und doch ist der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport trotz stetig steigender Passagierzahlen nicht völlig glücklich. Fehlende Baugenehmigungen, langsame Kontrollen und Pfusch eines Dachdeckers sorgen für Ärger.

Selten war Fliegen so billig und das Geschäft damit so lukrativ: Um 13,5 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro steigerte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport konzernweit seinen Umsatz im vergangenen Jahr, wie das Unternehmen am Dienstag auf seiner Hauptversammlung mitteilte.

"Wir haben unsere Ziele voll erreicht und sind sehr gut aufgestellt, um die positive Entwicklung fortzusetzen", sagte Vorstandschef Stefan Schulte, der die Umsatzmarke von drei Milliarden Euro für 2018 schon fest im Visier hat. Das Konzern-Ergebnis verbesserte sich auf bereinigter Basis um 21,6 Prozent auf rund 360 Millionen.

Schulterschluss mit Lufthansa

Doch es gibt auch Grund zum Klagen bei den Airport-Managern. Die von der Bundespolizei durchgeführten Sicherheitskontrollen für Passagiere seien zu ineffizient. "An anderen Flughäfen in Europa können pro Kontrollstelle in der gleichen Zeit etwa doppelt so viele Passagiere überprüft werden wie in Deutschland", monierte Schulte und verlangte eine Überprüfung in Eigenregie. Entsprechende Gespräche würden bereits mit dem Bundesinnenministerium geführt.

Lange Wartezeiten an den Pass- und Sicherheitskontrollen hatten zuletzt zu massiver Kritik der Lufthansa geführt. Ihrem Hauptkunden sprang Fraport nach den zurückliegenden Streitigkeiten um den Billigflieger Ryanair nun demonstrativ zur Seite: "Der Frankfurter Flughafen wird immer ein Premium-Hub bleiben mit einem klaren Fokus auf beste Umsteigeprozesse und ein weltweit hohes Angebot an Verbindungen“, sagte Schulte.

Die Abläufe der Kontrollen müssten daher flexibler gestaltet werden - und das am liebsten von Fraport selbst: "Wir möchten in den Verträgen mit Dienstleistern Leistungsanreize setzen. Und wir möchten modernste Technik schneller beschaffen können", erklärte Schulte.

Fehlende Baugenehmigung für Flugsteig G

Fraport hatte in der vergangenen Woche schon angekündigt, kurzfristig weitere Kontrollstellen einzurichten, um dem stark wachsenden Passagierandrang Herr zu werden. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Fluggäste am größten deutschen Flughafen um 6,1 Prozent auf 64,5 Millionen gewachsen. Im laufenden Jahr betrug die Steigerung in den ersten vier Monaten 8,7 Prozent.

Zur Bewältigung des erhöhten Aufkommens setzt der Betreiber auch auf einen weiteren Ausbau in Frankfurt. Der Bau von Terminal 3 verlaufe nach Plan. Für den vorgezogenen Flugsteig G für Billigflieger warte man aber noch auf die Baugenehmigung der Stadt. Die Investitionen seien entscheidend, um "auch künftig die notwendigen Kapazitäten bieten zu können", so Schulte.

Ärger nach Wirbelschleppen-Unfall

Weiter investieren will das Unternehmen zudem in die Sicherung von Hausdächern in Nachbargemeinden des Flughafens. 2.700 Dächer seien bereits mit Spezialklammern gegen sogenannte Wirbelschleppen versehen. 3.300 weitere Anträge lägen vor.

Erst vergangene Woche hatte ein landender Jet in Flörsheim (Main-Taunus) mehrere Ziegel eines bereits gesicherten Dachs heruntergerissen. Bei der Überprüfung habe sich herausgestellt, dass der beauftragte Dachdecker fehlerhaft gearbeitet habe, erklärte Schulte. Man werde die von der fraglichen Firma bearbeiten Dächer überprüfen und voraussichtlich juristisch gegen das Unternehmen vorgehen.

Sendung: hr-iNFO, 29.05.2018, 12.00 Uhr