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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Studenten entwickeln Ein-Akku-für-alles-Lösung

Die Friedberger Masterstudenten Zuhret Bajrami und Julien Ulm (von links) rüsten einen Tretroller nach

Elektorräder und -roller sind schön und gut, haben aber ihren Preis. Zudem können Nutzer die Akkus nicht wechseln. An der Technischen Hochschule Mittelhessen fanden Studenten eine Alternative.

Immer mehr Menschen steigen auf E-Bikes oder Roller mit Elektromotor um. Doch so nachhaltig, wie manche Nutzerinnen und Nutzer denken, sind die Kleinfahrzeuge mit verstärktem Antrieb nicht. Findet zumindest Martin Sting, Professor für Maschinenelemente an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg.

Dass in den heutigen Elektrofahrrädern und -rollern die Akkus fest verbaut sind und fast jeder Hersteller einen eigenen spezifischen Antrieb integriert, hält Sting für ein Problem: "Sie können die Teile nicht mehr frei am Markt kaufen, sondern die Hersteller verkaufen die nur noch an die Hersteller der Fahrräder." So benötige man für jedes Gerät eine eigene Batterie.

"Vergleichbare Akku-Leistung"

Martin Sting und einige seiner Studenten wollten eine nachhaltigere, flexiblere und nicht zuletzt günstigere Möglichkeit finden, die eigenen Zweiräder zu elektrifizieren. Nach mehreren Semestern Arbeit stehen im Labor der Maschinenbauer jetzt drei E-Roller und ein Pedelec - alle betrieben von den gleichen Akkus.

Die Studenten nahmen dafür Akkus, die normalerweise in Schraubern, Bohrmaschinen und anderen Heimwerkergeräten zum Einsatz kommen. Deren Leistung ist in etwa dieselbe wie die herkömmlicher E-Bike-Akkus, wie Sting sagt. Lediglich die Reichweite sei geringer. Um den Akku an Roller oder Fahrrad befestigen zu können, fertigten die Friedberger Forscher mit dem laboreigenen 3D-Drucker Halterungen an.

Unklar, wie Verbraucher profitieren können

Auf diese Art könne man zukünftig mit nur einem Akku einen Rasenmäher, einen Akkuschrauber und ein Fahrrad betreiben, versichert der Maschinenbau-Professor: "Dadurch lassen sich viele Ressourcen sparen." Batterienherstellung ist aufwendig.

Ob und wie die mit seinen Studenten entwickelte Methode anderen Verbraucherinnen und Verbrauchern zugute kommt, ist freilich noch nicht klar. Sting denkt nach eigenen Angaben darüber nach, ob er ein Start-up anstoßen oder wenigstens der Öffentlichkeit eine Anleitung zum Selberbauen zur Verfügung stellen wolle.

Ein Klapprad mit angebautem Akku und E-Bike-Antrieb im Labor der Technischen Hochschule Mittelhessen

Den Laboringenieur Richard Grieger, der das Projekt über mehrere Semester begleitete und beim 3D-Druck half, hat das Do-It-Yourself-Pedelec schon überzeugt. Er stellte sein eigenes KIapprad für den Umbau zur Verfügung und schwärmt: "Ich benutze nur noch das. Ich habe noch nie ein besseres Fahrrad gehabt."

Und das, das nötige technische Geschick vorausgesetzt, für ein paar hundert Euro und eine Halterung aus dem 3D-Drucker. Der Preis für ein E-Bike im Laden geht schnell mal in die Tausende.

Sendung: hr4 für Mittelhessen, 16.11.2020, 15.30 Uhr