Ein Erntehelfer packt den frisch gestochenen Spargel zusammen.

Landwirte in Hessen schlagen Alarm. Ihre dringend benötigten Saisonarbeiter bleiben wegen der Coronakrise aus. Bauern haben sogar schon Erntehelfer mit Chartermaschinen einfliegen lassen. Doch das reicht nicht.

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Eigentlich sollten 80 Erntehelfer aus Rumänien kommen, um Rolf Meinhardt zu Beginn der Spargelsaison in Weiterstadt zu unterstützen. Geschafft hat es nur die Hälfte, der zweite Bus musste an der ungarischen Grenze umkehren. Seit er diese Nachricht bekommen hat, hat Meinhardt viel telefoniert und organisiert. Mit dem Flugzeug hat er weitere Arbeiter nach Weiterstadt einfliegen lassen. Die Kosten: Rund das Vierfache eines Bustickets.

Spinat, Salat und Möhren könnten knapp werden

Bis zu 17.000 Erntehelfer fehlen in Hessen noch, teilt Bernd Weber als Sprecher des Hessischen Bauernverbandes am Dienstag mit. Während bei einigen Höfen die Situation tragbar sei, sei auf anderen gerade mal jeder dritte Erntehelfer da.

Knapp fünfzig Prozent der benötigten Erntehelfer fehlen derzeit noch in Südhessen, schätzt der Vorsitzende des Regionalbauernverbands Starkenburg, Willi Billau, für seine Region. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: "Wintergemüse, wie Spinat, könnte knapp werden. So der aktuelle Stand." Mit Blick auf die Situation in Spanien und Italien ergänzt er: "Es wäre ganz wichtig, dass die Region lieferfähig ist."

Von Jirko Stiller, Geschäftsführer des Behr Gemüsegartens in Büttelborn, gibt es hingegen positive Nachrichten. Auch er hatte gemeinsam mit anderen Landwirten ein Flugzeug gechartert. So konnte er in den vergangenen Tagen weitere 25 Arbeiter einfliegen. Dadurch habe sich die Lage in seinem Betrieb, dem größten Gemüsebetrieb in Hessen, ein wenig entspannt. Salate und Radieschen könnten wie geplant gepflanzt werden. Mitte April braucht er rund 100 weitere Arbeiter für die Ernte. Doch bis dahin sei ja noch etwas Zeit.

Größte Sorge: Coronafall im Betrieb

Doch selbst wenn es gelungen ist, Arbeiter auf den Hof zu holen, sei die Situation schwierig, erklärt Billau. Landwirtschaft sei Hand-in-Hand-Arbeit, die Saisonarbeiter schlafen zudem in Zimmern direkt auf den Höfen. Selbst das gemeinsame Essen wird in Zeiten von Corona zum Risiko.

Bislang sei ihm kein Fall einer Infektion mit dem Coronavirus auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bekannt. "Dass es einen Coronafall gibt und ein Betrieb geschlossen werden muss, davor haben wir alle furchtbare Angst."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Erdbeeren, Spargel und Spinat in Gefahr

Spargelstangen auf einem Feld in Weiterstadt
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Rolf Meinhardt in Weiterstadt hat seine Arbeiter so gut es geht auf alle freien Zimmer auf dem Hof verteilt. Es wurden Hygienemaßnahmen getroffen und sogar die eindringliche Rede von Angela Merkel auf Rumänisch übersetzt. Auch ist er vorsichtig, weitere Arbeiter auf den Hof zu holen. Jede weitere Person bedeute ein zusätzliches Risiko. Die Vorsichtsmaßnahmen und fehlenden Erntehelfer haben Folgen für Meinhardt. Schon jetzt rechnet er damit, dass er rund 60 Prozent seines Spargels in der Erde lassen und am Ende unterpflügen wird.

Spargel verkauft sich schleppend

Wie groß seine Verluste sein werden, kann Meinhardt nicht abschätzen. Seit rund einer Woche bietet er Spargel an seinen Ständen an, bislang greifen die Kunden aber nur zögerlich zu. Auch große Abnehmer fehlen, wie Restaurants und Gasthöfe.

Gerade für Spargelbauern sei das ein besonderes Problem, stimmt auch Willi Billau, der Vorsitzende des Regionalbauernverbands Starkenburg, zu. Schließlich laufe die Spargelsaison ja nur wenige Wochen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 24.03.2020, 16.45 Uhr