Dekabank

Nachhaltigkeit bei der Geldanlage - das fordern in Zeiten von Greta Thunberg viele. Aktivisten nehmen vor allem die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka ins Visier. Dabei macht die aus Sicht von Experten vieles richtig.

Die Mitarbeiter der Deka dürften sich ihren Nikolaustag gemütlicher vorgestellt haben. Statt guter Gaben setzt es vor der Zentrale des Sparkassen-Fondsanbieters Deka Investments in Frankfurt die Rute. Die schwingt ein als Knecht Ruprecht verkleideter Aktivist der Nichtregierungsorganisation Urgewald und raunt: "Von drauß' vom Walde komme ich her, um euch zu sagen: Bei eurer Nachhaltigkeit hapert es sehr!"

Als Nikolaus verkleidete Frau vor der Zentrale der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka

Etwa ein Dutzend Aktivisten protestieren am frühen Freitagmorgen vor der Bankzentrale. Auf einem Transparent steht: "Raus aus Kohle und Rüstung!" Dafür macht sich Urgewald schon lange stark. Nach den Recherchen der Aktivisten investiert Deka Investments hunderte Millionen Euro in Unternehmen, die etwa neue Kohlekraftwerke bauen, Waffen für laufende Kriege liefern oder Atomwaffen herstellen. In zahlreichen Deka-Fonds finden sich demnach etwa der Rüstungskonzern Rheinmetall, der Flugzeughersteller Airbus mit seiner Militärsparte und die Energiekonzerne Uniper und RWE.

Die Deka will den Geldhahn nicht zudrehen

Das mag nicht so recht zum Bild passen, das viele von den Sparkassen haben. In der skandalgeplagten Bankenwelt gelten sie als unbescholten. Die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser haben sich das Wohl der normalen Leute auf die Fahnen geschrieben - auch das Sparkassen-Wertpapierhaus Deka, bekannt für seine Fondssparpläne. Wer das Gemeinwohl hoch hebe, könne nicht zugleich etwa in Kohle investieren, findet Kathrin Petz von Urgewald: "Immer mehr Menschen fordern kompromisslosen Klimaschutz, darauf muss die Deka reagieren."

Dass Kohle längst kein Energieträger der Zukunft mehr ist, räumt auch ein Sprecher der Deka ein. Er hält aber dagegen: "Jetzt etwa nicht mehr in RWE zu investieren, ist schlecht für das Klima. Wir gäben unseren Einfluss als Aktionär auf und könnten den Wandel des Konzerns nicht mehr begleiten." Wie, so argumentiert man bei der Deka weiter, sollen solche Unternehmen in umweltfreundliche Energien investieren, wenn man ihnen genau jetzt den Geldhahn zudreht?

Union Investment: Gespräche trotz Ausstieg möglich

Auch einen Ausstieg aus Unternehmen wie Airbus, das unter anderem Kampfflieger und Militärhubschrauber entwickelt, kann sich der Fondsanbieter nicht vorstellen, schon allein aus wirtschaftlichen Gründen: "Das sind keine menschenverletzenden Rüstungsunternehmen, sondern Säulen unserer Wirtschaft", sagt der Sprecher.

Bei der Konkurrenz, Union Investment, dem Fondsanbieter der Genossenschaftsbanken, geht man ein Tippelschrittchen weiter: Dort sollen die Fonds zumindest atomwaffenfrei werden. In Atomwaffenproduzenten und ihre Partner will Union Investment nicht mehr investieren. Die Gespräche mit den Firmen lasse man dabei nicht abreißen, um auch so weiter auf sie einzuwirken, informiert ein Sprecher.

Experten drängen auf Veränderung von Innen

Gerade zum Klimaschutz bekennen sich immer mehr Investoren. Viele Banken und Versicherungen haben die Finanzierung von Geschäften rund um Kohle bereits eingeschränkt oder gestoppt. "Wenn Investoren mit ihrem Geld etwas für den Klimaschutz tun wollen, sollten sie es gerade in die braune Industrie stecken", findet dagegen der Frankfurter Finanzprofessor Jan-Pieter Krahnen von der Goethe-Universität. Dann sollten sie sich aber auch wirklich bemühen, etwa Energiekonzerne zu einer Veränderung zu bewegen.

Ähnlich sieht das Alexander Bassen von der Universität Hamburg, Mitglied im Rat für nachhaltige Entwicklung. Zum Beispiel RWE stecke gerade mitten in einem Umbruch, hin zu erneuerbaren Energien, betont Bassen. "Es ist nachvollziehbar, als Investor diesen Weg zu begleiten, selbst wenn RWE Kohlekraftwerke betreibt und sich im Hambacher Forst nicht mit Lorbeer geschmückt hat", sagt Bassen und stützt somit auch die Argumentation der Deka.

Wer solchen Konzerne Geld gebe, müsse das aber an Bedingungen knüpfen und notfalls bereit sein auszusteigen, heißt es bei der Nichtregierungsorganisation Urgewald: "Ansonsten verkommt solches Engagement zu einem zahnlosen Tiger."

Sendung: hr4, hessenschaureport, 06.12.2019, 7.30 Uhr