Scrabble-Steine bilden das Wort "Steuern" und liegen auf Münzgeld

Wenn jemand in der Corona-Krise keine Einnahmen hat, soll nicht auch noch das Finanzamt die Hand aufhalten. Nach diesem Motto hat Hessen steuerliche Erleichterungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro gewährt - für Unternehmen und auch Einzelpersonen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bürger und Unternehmen werden steuerlich entlastet

Steuern und deren Prüfung.
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Abgesagt: Es ist eines der häufigsten Wörter auf Michelle Spillners Webseite. Dort präsentiert sich die Frankfurter Zauberin mit weißem Kaninchen. Derzeit fallen jedoch all ihre Shows bis auf Weiteres aus. "Seit letztem Monat kann ich wegen der Corona-Krise nicht auftreten und verdiene kein Geld mehr", erzählt Spillner.

Steuern müsste sie als Selbständige trotzdem eigentlich weiterzahlen. Konkret werden Vorauszahlungen für die Umsatz- und Einkommensteuer fällig. Es geht um mehrere tausend Euro. Geld, das Spillner im Moment nicht hat.

Steuergeld hilft beim Überleben

Die Künstlerin hat sich deshalb an ihren Steuerberater gewandt. "Der hat sich darum gekümmert, dass ich Zahlungen aufschieben kann und bereits gezahlte Steuern zurückbekomme." Das habe problemlos geklappt, so die Frankfurterin.

Ein paar Tage später waren 1.000 Euro auf ihrem Konto. "Das erleichtert mich, denn damit komme ich einen Monat über die Runden, kann meine Miete zahlen, alle Versicherungen, die Raten fürs Auto und den Computer", sagt Spillner.

Über 90.000 Anträge eingegangen

Seit über einem Monat können hessische Bürger und Unternehmen bei den Finanzämtern steuerliche Hilfen beantragen. Über 90.000 Anträge seien bisher bearbeitet worden, berichtet das hessische Finanzministerium. Insgesamt habe man bereits steuerliche Erleichterungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro gewährt.

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Boddenberg kündigt weiteren Nachtragshaushalt an

Unterdessen hat Finanzminister Boddenberg angesichts der Corona-Krise einen weiteren Nachtragshaushalt angekündigt. Der erste Nachtragsetat von Ende März habe die Entwicklung der Steuereinnahmen nicht berücksichtigen können, sagte er in einem hr-iNFO-Interview. Noch vor dem Sommer wolle er mit dem Landtag über einen zweiten Nachtragshaushalt reden.

Mehr dazu: "Das Interview". Donnerstag, ab 19.30 Uhr auf hr-iNFO

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"Die steuerlichen Hilfen des Landes kommen an", sagt Hessens neuer Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) auf Anfrage des Hessischen Rundfunks. Sie würden helfen, die Corona-Krise zu meistern. Bürger und Unternehmen konnten zum Beispiel beantragen, dass sie bereits bezahlte Steuern zurückbekommen, weniger Steuern zahlen müssen oder Zahlungen aufschieben können.

Steuer-Vorauszahlungen gesenkt

Bei der Mehrheit der Anträge ging es darum, die Vorauszahlungen vor allem für die Einkommens- und Körperschaftssteuer zu senken. Allein dadurch hat sich laut Finanzministerium eine Steuererleichterung von knapp 700 Millionen Euro ergeben. Auch bei Umsatzsteuervorauszahlungen wollten viele Antragsteller entlastet werden.

Um reine Steuergeschenke handelt es sich dabei allerdings nicht. So heißt es beim Finanzministerium, am Ende eines Geschäftsjahres blicke man darauf, wie viel ein Unternehmen oder Bürger verdient habe und rechne dann aus, wie viel Steuern bereits gezahlt worden seien und noch fällig würden.

Steuerzahler haben schlaflose Nächte

Das bereite auch der Frankfurter Zauberkünstlerin Michelle Spillner schlaflose Nächte, sagt sie: "Denn wenn das Finanzamt am Ende des Jahres anklopft, habe ich vielleicht immer noch nicht das nötige Geld, um meine Steuerschulden zu begleichen."

Der hessische Bund der Steuerzahler lobt zwar die Anstrengungen des Landes Hessen, um die Wirtschaft zu unterstützen. Nach der Krise müsse diese Hilfe aber wieder zurückgefahren werden, fordert der Pressesprecher Moritz Venner: "Unendliche Schutzschirme und Hilfspakete darf es nicht geben, das Land muss dann gegenüber den zahlreichen Forderungen auch wieder 'Nein' sagen können." Schließlich müsste die nun beschlossene, massive Verschuldung auch wieder abgebaut werden.

Sendung: hr-iNFO, 23.04.2020, 16 Uhr