Vor zwölf Jahren wurden sie gefeiert: die Planer von Albert Speer und Partner in Frankfurt. Sie hatten für Katar die WM-Bewerbung gestaltet - mit Erfolg. Heute äußert sich die Firma dazu nur noch schmallippig.

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Auch das Frankfurter Planungsbüro AS+P verhalf Katar zur WM

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Es war der Moment, als auch in Frankfurt die Korken knallten: Der damalige Fifa-Chef Sepp Blatter gab am 2. Dezember 2010 den Schauplatz der Fußball-WM 2022 bekannt - Katar. Der Erfolg war auch "made in Hessen". Die Bewerbung des Emirats war in weiten Teilen in Frankfurt konzipiert worden, nämlich vom Planungsbüro Albert Speer und Partner (AS+P) und der Schwesterfirma Proprojekt.

Es gibt zwar Hinweise, dass Katar die WM nicht nur einer sauberen Bewerbungsmappe zu verdanken hat, sondern auch ganz anderen Faktoren, mit denen AS+P nichts zu tun hatte, etwa gezielter Einflussnahme auf Fifa-Funktionäre. Aber vor zwölf Jahren waren die Frankfurter Planer einfach nur stolz und ließen sich beim Anstoßen mit Schaumwein filmen. Joachim Schares von AS+P frohlockte in der hessenschau: "Das ist eine ganz große Ehre für uns!" Seine Exzellenz, der Emir von Katar, habe eine Nachricht nach Frankfurt-Sachsenhausen geschickt: "I love my Germans."

"Ich liebe die Araber"

Die warmen Gefühle waren offenbar wechselseitig. Der damalige Firmenchef Albert Speer junior, Sohn des gleichnamigen NS-Rüstungsministers, gab einmal dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu Protokoll: "Ich liebe die Araber." Und nicht nur das. In einem hr2-Interview bekannte Speer: "Bis heute liebe ich Wüsten." Speer und Katar, ein perfect match.

Heute, fünf Jahre nach Speers Tod, findet AS+P dagegen nur wenige, nüchterne Worte zum Katar-Engagement. Auf hr-Anfrage erklärt eine Unternehmenssprecherin, für ein Interview stehe man leider nicht zur Verfügung. Die Arbeiten lägen über zehn Jahre zurück, an der Umsetzung der Pläne von damals sei AS+P nicht beteiligt.

Dabei war der Frankfurter Beitrag keineswegs gering. Ein 700 Seiten starkes Bewerbungsbuch hatte Speers Büro geliefert, dazu die Grobentwürfe für acht WM-Stadien (damals wurde noch mit zwölf WM-Stadien geplant, letztlich kamen sieben neu gebaute zu einem bestehenden hinzu) und Konzepte für Verkehr und die Unterbringung der WM-Gäste.

Ideen für Kühlung und Rückbau der Spielstätten

Ein wenig stolz ist man aber immer noch auf die geleistete Arbeit. AS+P betont, dass man Antworten auf zwei zentrale Fragen gegeben habe: Wie lässt sich Hochleistungssport im Wüstenklima betreiben? Und: Was passiert mit all den Stadien nach der WM in einem Land, das halb so groß ist wie Hessen und keine zugkräftige Fußball-Liga hat?

Auch bei 40 Grad Außentemperatur, so die Frankfurter Planer, lasse sich das Innere der Stadien auf aushaltbare 26 Grad herunterkühlen, sogar klimaneutral mit Solarenergie. Für die Stadien selbst schlug AS+P vor, dass sie nach der WM teilweise abgebaut würden. Tribünen könnten etwa in Entwicklungsländer gebracht und dort wieder aufgebaut werden.

Das Hitze-Problem ist freilich längst gelöst, vor allem dadurch, dass die WM in den Winter verschoben wurde. Menschenrechte und Arbeitsbedingungen aber - die Themen, die seit langem die Katar-Debatte bestimmen - wurden nach der Vergabe nicht klar angesprochen, weder von Albert Speer und Partner noch von den hr-Journalisten.

Beim Stadionbau ging Speers Büro leer aus

Speer sagte 2010 im Spiegel über die Demokratie: "Die können wir nicht überall als das allein Seligmachende ansehen." Gern hätte sein Unternehmen weiter mit dem Emirat zusammengearbeitet. Nach dem Zuschlag für Katar sagte Joachim Schares, heute AS+P-Geschäftsführer, man hoffe, nun auch einige WM-Stadien bauen zu dürfen.

Aber da ging das Frankfurter Unternehmen dann leer aus. Die Aufträge bekamen andere Planungsbüros und Bauunternehmen. Mit der Ausbeutung von Gastarbeitern in Katar lässt sich Albert Speer und Partner daher nicht in Zusammenhang bringen.

Am liebsten, so hat man den Eindruck, möchte AS+P gar nicht mehr auf Katar angesprochen werden. Die Sprecherin empfiehlt in einer Mail, man möge doch "die aktuellen Player" fragen. Wenn aber am kommenden Sonntag eine WM beginnt, die zumindest in Architektur- und Energiefragen auf höchstem Niveau spielt, dann ist das auch den Planern aus Frankfurt zu verdanken.

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