Galeria Karstadt Kaufhof

Wegen finanzieller Schwierigkeiten macht das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof zwei Filialen in Frankfurt und jeweils eine in Sulzbach und in Fulda dicht. Betroffen sind hunderte Beschäftigte.

Videobeitrag

Video

zum Video Karstadt will Filialen schließen

hessenschau
Ende des Videobeitrags

Der Kampf des Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzerns um sein Überleben führt auch in Hessen dazu, dass Kaufhäuser geschlossen werden und Arbeitsplätze verloren gehen. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi vom Freitag werden vier der 18 Filialen im Land frühestens Ende Oktober geschlossen.

In Frankfurt sind die Karstadt-Filiale auf der Einkaufsmeile Zeil und der Kaufhof im Hessen-Center in Bergen-Enkheim betroffen. Außerdem schließen der Karstadt im Main-Taunus-Einkaufszentrum in Sulzbach und der Kaufhof in Fulda. In Frankfurt und Fulda bleibt dann jeweils noch eine Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filiale.

Mehr als 600 Arbeitsplätze fallen weg

In den 18 Kaufhäusern der Gruppe in Hessen arbeiten knapp 3.000 Menschen. Rund 400 von ihnen werden nun ihren Arbeitsplatz verlieren, allein 235 im Karstadt Zeil. Aufgegeben wird auch das Logistik-Zentrum der Gruppe in Dietzenbach mit 220 Mitarbeitern. Für sie alle gilt nun ein Sozialplan.

Bundesweit droht nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 6.000 Mitarbeitern des Konzerns das Aus. Nach einer am Donnerstag erzielten Vereinbarung zwischen Unternehmensführung, Gewerkschaft und Betriebsrat könnten die Betroffenen aber für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln.

Schutzschirmverfahren erlaubt Schließung trotz Verträgen

Das seit langem angeschlagene Unternehmen gab Anfang April bekannt, sich in einem Schutzschirmverfahren sanieren zu wollen. Das Insolvenzrecht erlaubt gewisse Sanierungsschritte, die Galeria Karstadt Kaufhof nutzen möchte. Dazu zählt die schnelle Schließung verlustreicher Warenhäuser, auch wenn die Filialen an langfristige Mietverträge gebunden sind.

Die Karte zeigt die Standorte von Kaufhof- und Karstadt-Filialen in Hessen und diejenigen die geschlossen werden.

Laut Verdi-Informationen will das Unternehmen 62 seiner 172 Filialen in Deutschland schließen. Einen entsprechenden Plan bekam Verdi vom Management präsentiert. Die Warenhauskette gehört zur Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Galeria Karstadt Kaufhof schließt vier Kaufhäuser in Hessen

Karstadt und Kaufhof
Ende des Audiobeitrags

Verdi-Gewerkschaftssekretär Horst Gobrecht verglich das angestrebte Insolvenzverfahren am Freitagmorgen bei einer Protestkundgebung in Darmstadt mit dem Verfahren bei der 2012 Pleite gegangenen Drogeriekette Schlecker. Damals hatten tausende Mitarbeiter ihre Jobs verloren. Gobrecht sagte, man fühle sich erpresst von der Geschäftsleitung.

Wöchentliche Einbußen von 80 Millionen Euro

Als Grund für den massiven Einschnitt nennt das Unternehmen die Corona-Krise. Wöchentlich habe das Unternehmen in der Zeit der Schließungen aufgrund der Pandemieauflagen rund 80 Millionen Euro an Umsatz eingebüßt - insgesamt mehr als 500 Millionen Euro bis Mitte Mai.

Verdi hofft, die Zahl der Schließungen noch weiter senken zu können. "Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt der Standorte und die Zukunft der Beschäftigten kämpfen. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte das Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Hier sei auch die Politik gefordert.

Als Erfolg wertete die Gewerkschaft, dass der vom Unternehmen ursprünglich geplante Abbau von zehn Prozent der Stellen in den verbleibenden Filialen vom Tisch sei.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 19.06.2020, 16.45 Uhr