Ausverkauf bei Galeria Kaufhof in Fulda

In Fulda hat die Galeria-Kaufhof-Filiale geschlossen. Für Mitarbeiter und Kunden endet eine Ära - nach über 60 Jahren. Damals hieß das Kaufhaus noch anders - und bot mit der ersten Rolltreppe der Stadt eine echte Attraktion.

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Ein Plakat im Fuldaer Kaufhof: Wir schliessen
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In der Fuldaer Filiale von Galeria Kaufhof herrschte in den vergangenen Tagen nicht nur Ausverkauf - es war vielmehr Endzeit-Stimmung. Die Schließung des traditionsreichen Kaufhauses wurde vor Monaten beschlossen - und am Donnerstag öffnete das Warenhaus in der Innenstadt zum letzten Mal seine Pforten. Anders als ursprünglich geplant öffnet das Kaufhaus am Freitag nicht mehr: Aus und vorbei!

Für Kunden aus Fulda und Osthessen - vor allem für Shopping-Fans - ist es ein schwarzer Tag. Zwar gibt es in unmittelbarer Nähe noch eine Karstadt-Filiale. Doch für die Einkaufslandschaft in der City bedeutet das: ein Platzhirsch verschwindet. Seit 1958 gab es an Ort und Stelle ein Kaufhaus, damals noch unter dem Namen Kerber. In Fulda hieß es: Man geht zum "Kerbersch Koarl". Und Kerber war Kult - auch wenn man das damals anders ausdrückte.

Rolltreppe als Attraktion

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Der Unternehmer Karl Eduard Kerber setzte mit dem Warenhaus seiner Zeit Maßstäbe. Dort gab es die erste Rolltreppe in Fulda. Für die Kunden war es eine Attraktion, ein technisches Wunderwerk, mit dem sie zu den Stockwerken hinauf schwebten. Eine Milchbar dort entpuppte sich als beliebter Treffpunkt. Lässig einen Shake am Tresen zu schlürfen - das war angesagt.

1991 verkaufte die Familie Kerber das Warenhaus an Kaufhof. In den Jahren 2003 und 2004 wurde es zu einem Galeria-Kaufhaus umgebaut. Die Zeiten damals waren rosiger. Der stationäre Handel wurde noch nicht so heftig vom Online-Handel unter Druck gesetzt.

Corona sorgte für großen Einschnitt

Die Viruspandemie sorgte in diesem Jahr für den großen Einschnitt. Im Sommer verkündete die wirtschaftlich angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) nach coronabedingter Zwangspause und starken Umsatz-Rückgängen Veränderungen im Filialnetz. Von der Exit-Strategie von Deutschlands letzter großer Warenhauskette ist auch Hessen betroffen.

Neben dem Haus in Fulda schließen der Kaufhof im Hessen-Center in Frankfurt (Ende Januar 2021) und das Karstadt-Kaufhaus im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach (Ende Oktober). Begründung: mangelnde Rentabilität. Zudem gehen vereinzelt in Schnäppchencentern und Sporthäusern die Lichter aus. 300 Mitarbeiter sind insgesamt in Hessen betroffen, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Gute Nachrichten gab es hingegen für Karstadt auf der Zeil in Frankfurt. Es bleibt bis Januar 2025.

Die Fassade von Galeria Kaufhof in Fulda

Die Sanierungspläne der Kette sehen bundesweit die Schließung von mehr als 40 Warenhäusern vor. 4.000 Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren. Fast 130 Kaufhäuser und mehr als 16.000 Arbeitsplätze bleiben aber erhalten.

Im Fuldaer Kaufhof sind 64 Mitarbeiter betroffen. Zwei Azubis haben Glück. Sie können bei Karstadt weitermachen. Der traurige Rest muss sich neue Beschäftigungen suchen. Viele wechseln in eine Transfergesellschaft. Traurig - das war bis zuletzt auch die Stimmung unter den Angestellten.

Tränen bei der Belegschaft

Der Betriebsratvorsitzende von Galeria Kaufhof in Fulda, Michael Kretsch

Michael Kretsch (48) kann es immer noch nicht fassen. Der Fuldaer Betriebsratvorsitzende arbeitete seit 31 Jahren für das Unternehmen. Für ihn war es mehr als Arbeit. Er spricht von einem "familiären Team". Nun bricht es auseinander: "Emotional kann ich es noch gar nicht richtig verkraften. Dass jetzt Schluss ist, ist schwer zu verdauen." In der Belegschaft seien Tränen geflossen.

In lauter betrübte Gesichter blickte Kretsch auch, wenn er zuletzt durch das gespenstisch wirkende Warenhaus ging. Ein fast komplett leer gekauftes Kaufhaus - eine skurrile Szenerie: Die meisten Regale, Tische und Vitrinen sind verwaist. Zuletzt wurden noch vereinzelt Restposten angeboten. Hier Kosmetika, Schreibwaren und Porzellan, dort noch etwas Bekleidung. Aber insgesamt: tote Hose. Auf Schildern steht: "Alles muss raus" und "Alles reduziert", Rabatte von "80 Prozent" werden angepriesen.

Innenaufnahmen vom Ausverkauf verboten

Fotos von der Resterampe zu machen, hat das Unternehmen allerdings Medienvertretern untersagt. Die Mitarbeiter lassen sich aber nicht den Mund verbieten. Wie es ihnen geht? "Beschissen", sagt eine Verkäuferin ohne Umschweife. "Schlimm - nach so vielen Jahren", presst eine andere hervor. Sie sind vom Unternehmen und ihren Managern enttäuscht. Tenor: Sie hätten bessere Konzepte entwickeln müssen, dann hätte man beide Standorte - Kaufhof und Karstadt - in Fulda am Leben halten können.

Ein Kunde trägt eine Plastiktüte von Galeria Kaufhof

Zur Einschätzung, dass bessere Konzepte den Betrieb hätten retten können, kommt auch die Gewerkschaft Verdi. Denn auch an anderen Orte funktioniere es, dass Kaufhof und Karstadt in unmittelbarer Nähe voneinander existieren.

Auch für die Stadt ist die Lage misslich. Bürgermeister Dag Wehner (CDU) sagt: "Für die Stadt Fulda ist es ein schmerzlicher Verlust, weil damit ein Stück Attraktivität verloren geht. Der Handel lebt von der Vielfalt." Und gerade dieses Kaufhaus sei eine Institution gewesen.

Nachnutzung der Immobilie unklar

Wehner betont, die Lage sei attraktiv und die Immobilie - nach wie vor im Besitz der Familie Kerber - müsse weiterentwickelt werden. Eine Nachnutzung sei noch nicht ausgemacht. Bislang sei alles "völlig offen". Die Stadt sei bemüht, den Handel und die Gastronomie zu unterstützen.

Das Kaufhaus hinterlasse eine Lücke und sei ein wichtiger Besucher-Magnet gewesen, sagt Reginald Bukel, Vorsitzender des Vereins City Marketing Fulda. Wie sich der Verlust auswirken werde - das könne man noch nicht abschätzen. Doch es gebe auch gute Perspektiven für die Zukunft: Die Immobilie befinde sich an einem erstklassigen Standort, könne von der Bahnhofstraße, einer der Haupteinkaufsstraßen in der City, und vom Uniplatz betreten werden.

Neues Kaufhaus-Konzept unwahrscheinlich

Ein neues Kaufhaus-Konzept zu entwickeln, sei eher schwierig, sagt Bukel. Er geht davon aus, dass das Objekt in "verschiedene Filetstücke zerlegt" werde. Großflächigen Handel werde es dort wohl nicht mehr geben. "Vielleicht wird es eine Kombination aus Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Wohnen."

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi birgt die Schließung des Kaufhof in Fulda auch Chancen für andere. Landesfachgruppen-Leiter Bernhard Schiederig sagt: "Der umliegende Einzelhandel wird profitieren, wenn sich die Kundenströme verlagern."

Sendung: hr4, 14.09.2020, 15.30 Uhr