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Audioseite Galeria Karstadt Kaufhof plant Neustart

Außenaufnahme des Galeria Kaufhof-Gebäudes an der Frankfurter Hauptwache bei sonnigem Wetter

Weniger Artikel, dafür E-Bike-Stationen und ein Pop-up-Museum: Der angeschlagene Galeria-Konzern will ab Herbst mit neuen Konzepten für seine Warenhäuser durchstarten. Zwei der drei Pilotfilialen stehen in Hessen.

Es sind ambitionierte Pläne, die der Unternehmenschef der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH geschmiedet hat: "Wir wollen das vernetzte Herz der Innenstadt werden", verkündete Miguel Müllenbach am Montag im Interview mit dem Handelsblatt. Zum "Wohlfühlstandort" sollen die Filialen werden, an dem die Menschen gerne ihre Freizeit verbringen, einkaufen, Dienstleistungen nutzen, Gastronomie und sogar Kultur genießen können.

Der strategische Neustart der letzten großen Warenhauskette in Deutschland, die von den coronabedingten Lockdowns hart getroffen wurde, soll im Herbst beginnen. Wichtigste Neuerung: Galeria Karstadt Kaufhof will seine Häuser künftig in drei Kategorien mit unterschiedlichem Fokus einteilen, wie Müllenbach verriet: "Weltstadthaus", "regionaler Magnet" und "lokales Forum". Um die neuen Konzepte zu testen, hat der Konzern für jede der drei Kategorien eine Pilotfiliale gewählt - zwei davon stehen in Hessen.

Pop-up-Museum neben Kinderkleidung

Das Galeria-Warenhaus in Kassel soll zum "regionalen Magneten" werden. Dabei gehe es darum, das Angebot mit Services, Waren und Erlebnis anzureichern, die genau dort nachgefragt würden, erklärte Müllenbach. Die Verkaufsfläche soll um 1.200 Quadratmeter reduziert werden, dafür soll Platz für regionale Produkte geschaffen werden. Neben der Kinderabteilung soll ein Pop-up-Grimm-Museum entstehen; außerdem richte die Stadt zwei Schalter für Bürgerdienste ein. Im Parkhaus könne man Fahrräder reparieren lassen und E-Bikes sowie E-Autos laden.

Die Frankfurter Kaufhof-Filiale an der Hauptwache dagegen wird zum "Weltstadthaus". Der Umbau ist schon in vollem Gange, einige Bereiche sind wegen der Bauarbeiten geschlossen. Was sich hinter dem wohlklingenden Namen verbirgt, erklärte Müllenbach im Interview allerdings nicht. Auch der Konzern wollte sich auf hr-Anfrage am Dienstag nicht zu den Details des Konzepts äußern.

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Gebeutelt von der Pademie

Anfang 2020 verschmolzen die beiden Unternehmen Galeria Kaufhof und Karstadt Warenhaus zu Galeria Karstadt Kaufhof GmbH. Wenig später begab sich das Unternehmen in ein Schutzschirmverfahren, nachdem es durch die Corona-Pandemie in Schieflage geraten war. Rund 40 Filialen bundesweit wurden geschlossen, darunter auch die Häuser in Frankfurt-Bergen-Enkheim, Sulzbach (Main-Taunus) und Fulda, außerdem das "Schnäppchencenter" in Gießen.

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Ergänzt werden soll das veränderte stationäre Angebot mit einer App, in der nicht nur Parkplätze im eigenen Parkhaus und Tische im Warenhaus-Restaurant reserviert werden können, sondern auch Angebote von Partnern - etwa Friseurtermine oder die Abholung des neuen Personalausweises im Bürgerbüro.

Experte: Services anzubieten, ist "absolut richtiger Weg"

Rund 600 Millionen Euro will der Konzern in den nächsten drei bis vier Jahren für den Umbau ausgeben, allein 400 Millionen Euro für die Modernisierung der bundesweit 131 Warenhäuser. Bis zu 60 Häuser sollen mit dem Geld komplett umgebaut werden, der Rest zumindest teilweise. Auch ein gemeinsamer Name für die Häuser, die aktuell zum Teil unter Kaufhof, zum Teil unter Karstadt laufen, soll kommen.

Doch kann es mit dieser millionenschweren Investition gelingen, Menschen zum Shopping in die Innenstadt zu locken? Auf externe Dienstleister zu setzten, sei der absolut richtige Weg, findet Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln: "Wir müssen ja überlegen, warum eine Kundin oder ein Kunde so ein Kauf- und Warenhaus aufsuchen und nicht bequem von zu Hause, von der Couch aus mit dem Smartphone online bestellen sollte."

Da sei man sehr schnell bei Services und Dienstleistungen, die online gar nicht so erbracht werden könnten, erklärt Hudetz - sei es die Reparatur von Fahrrad oder Uhr, der Friseurbesuch oder das Abholen eines Pakets.

"Shoppen zum Erlebnis machen"

Daneben gibt es für den Experten noch einen entscheidenden Faktor: "Ich muss auch Aufenthaltsqualität bieten, ich muss das Shoppen zum Erlebnis machen können." Der Marktplatz-Gedanke, wie Hudetz es nennt, müsse noch stärker verankert werden, als es bisher oft der Fall sei: Shopping verknüpft mit Gastronomie, Events, Pop-up-Stores oder frischen Start-Ups.

Wichtig seien aber auch regional unterschiedliche Konzepte. Der richtige Mix für die Kunden sehe in der Großstadt ganz anders aus als in einer kleinen Stadt. Auch darauf will Galeria Karstadt Kaufhof achten: Die Konzepte seien ganz genau auf den lokalen Standort abgestimmt, erklärte Müllenbach im Handelsblatt-Gespräch.

Verdi sieht Pläne mit Skepsis

Die Gewerkschaft Verdi blickt mit gemischten Gefühlen auf die Ankündigung, die Warenhauskette strategisch neu auszurichten. Vom Grundsatz her begrüße man die geplanten Maßnahmen, erklärte Gewerkschaftssekretär Marcel Schäuble auf hr-Anfrage: "Sie setzen das richtige Signal in die Belegschaft, dass an das Warenhaus geglaubt und das Konzept weiterentwickelt wird." Wichtig sei es, das Know-how der Mitarbeiter mitzunehmen.

Man müsse allerdings genau hinschauen, wie sich die angedachten Maßnahmen ausgestalten. "Viele von den Dienstleistungen, die hier präferiert werden, gibt es zum Teil schon in einigen Filialen, was Paketstationen, Postdienstleistungen oder Gastronomie anbelangt. Das ist im Prinzip nichts Neues", betonte Schäuble.

Auch auf die Höhe der Investitionenen blickt er kritisch. Die 600 Millionen Euro seien zunächst einmal ein riesiger Betrag, heruntergebrochen auf die Filialen und bei der Größe der Verkaufsflächen sei es aber doch eine relativ kleine Summe. "Wir müssen gucken, inwieweit die Investitionen dann auch tatsächlich so fließen oder so kanalisiert werden, dass sie letzten Endes nachhaltig zum Erfolg des Warenhauses beitragen."

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