Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Games Academy zieht von Frankfurt nach München

Games Academy - Imago

Seit Jahren kämpft die hessische Gamesbranche um Förderung und staatliche Anerkennung. Mit bislang mäßigem Erfolg. Jetzt gibt eine wichtige Institution auf: Die Games Academy zieht von Frankfurt nach München - da sehen die Bedingungen viel besser aus.

Eigentlich gehört Hessen neben Hamburg, Bayern und Berlin zu den wichtigsten Standorten der deutschen Games-Branche. Vor allem im Großraum Frankfurt mit dem Flughafen als Drehkreuz haben sich schon in den 1990er Jahren japanische Groß-Unternehmen wie Sony Interactive, Nintendo oder Konami angesiedelt.

Auch international bekannte, preisgekrönte deutsche Studios wie Crytek oder Deck13 sitzen in Frankfurt. Und so zog es 2007 auch die Games Academy an den Main. Hier eröffnete die Ausbildungsstätte für Spieleentwickler ihren zweiten Standort nach Berlin.

Frankfurt kann mit Berlin nicht mithalten

Doch zum Wintersemester 2020 schließt die Academy ihre Frankfurter Dependance wieder. Wie eine Sprecherin am Montagabend auf Anfrage von hessenschau.de bestätigte, verlässt sie Hessen sogar ganz. Ein neuer Standort soll nun in der bayerischen Hauptstadt München entstehen.

Der Umzug habe maßgeblich mit der nicht ausreichenden Förderung der Gamesbranche in Hessen zu tun. Frankfurt habe nicht mit der Attraktivität des ersten Standorts in Berlin mithalten können, weswegen sich hier auch weniger Interessenten beworben hätten.

Ohne staatliche Anerkennung kein Bafög

Die fehlende Förderung spiegelt sich in einer fehlenden staatlichen Anerkennung der Academy wider. Die habe man bis heute in Hessen nicht bekommen, hatte Thomas Dlugaiczyk, Rektor der Privatschule, schon im Februar in der Frankfurter Rundschau beklagt. Doch ohne staatliche Anerkennung bekämen die Studierenden an der Academy kein Bafög – anders als in Berlin.

In München soll sich das ändern, dort will die Academy einen gleichwertigen Standort zu Berlin eröffnen. Dort bekomme sie viel Unterstützung durch Bildungspartner in Bayern. Immerhin suchten Studios und Agenturen deutschlandweit händeringend Fachkräfte der interaktiven Softwareentwicklung.

Positives Zeichen gewünscht

Eines dieser Studios ist der Entwickler Deck13, der gerade für den Titel "Bestes Studio" beim Deutschen Computerspielpreis nominiert ist. "Wir benötigen mehr ausgebildetes Personal als wir aktuell kriegen können", sagt Leiter Jan Klose.

Deswegen müssten in Frankfurt eigentlich Zeichen für die Ausbildung im Bereich Games gesetzt werden. "Je mehr ausbildende Institute es gibt, desto besser ist das für unsere Bewerberlage", sagt Klose. Deck13 profitiere von vielfältigen Ausbildungsstätten in Rhein-Main und habe immer wieder Absolventen der Games Academy gehabt.

Frankfurt und Hessen weit zurückgefallen

Was die generelle Gamesförderung angehe, so seien Frankfurt und Hessen weit hinter andere Städte und Bundesländer zurückgefallen. "Die Situation in Köln oder Berlin ist kein Vergleich zum Frankfurter Angebot, und gegen Bundesländer wie Bayern sind die Ansätze der Hessen bislang praktisch nichtexistent", sagt Klose.

Deck13 sei trotzdem sehr gerne in Frankfurt. "Wir würden uns eine größere und stärkere Entwicklerlandschaft in Frankfurt und Hessen wünschen", sagt Klose. Doch die ist jetzt um ein Element ärmer geworden.

Weitere Informationen

Beispiel: Gamesförderung in Bayern

Während beispielsweise Bayern seit über zehn Jahren Games fördert und dafür allein im Jahr 2019 rund 2,4 Millionen Euro ausgab, fördert Hessen Computerspiele kaum. 2018 stellte die schwarz-grüne Landesregierung erstmals eine Summe von 200.000 Euro für die Games-Förderung bereit. International hat die Games-Branche die Film- und Musikbranche dabei längst überrundet, mehr als 100 Milliarden Euro setzt sie weltweit jährlich um.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 31.03.2020, 18 Uhr