Mit einer Petition haben sich Gastronomen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel an die Stadt gewandt: Wegen zunehmender Konflikte mit Drogensüchtigen, Bettlern und Obdachlosen blieben immer mehr Gäste weg. Das Sicherheitsdezernat verspricht, die Polizeipräsenz zu erhöhen.

Videobeitrag

Video

zum Video Bahnhofsviertel nach dem Lockdown

hs
Ende des Videobeitrags

Schlägereien am helllichten Tag, Belästigung der Gäste oder Junkies, die sich auf seiner Terrasse einen Schuss setzen - von solchen Erfahrungen kann Kanwal Gill zur Genüge berichten. Der Geschäftsführer des Restaurants "eatDOORI" in der Frankfurter Kaiserstraße fürchtet um seine wirtschaftliche Existenz. Denn als Hotels und Restaurants aufgrund der Corona-Beschränkungen zeitweise schließen mussten, hätten sich im Viertel andere breit gemacht: "Seit zwei, drei Monaten haben wir täglich mit Aggressivität durch Obdachlose und Drogensüchtige zu kämpfen."

Gill und rund 40 andere Gastronomen und Gewerbetreibende aus dem Bahnhofsviertel fühlen sich im Stich gelassen - von Politik und Polizei. In einer Petition fordern sie mehr Polizeipräsenz und zusätzliches Sicherheitspersonal. "Die Sicherheit im Bahnhofsviertel ist nicht mehr gewährleistet", heißt es in dem Brief vom 12. Juni, der dem hr vorliegt. Der Vorwurf: Während "organisierte Bettlerbanden" und Drogenkonsum zunähmen, sei die Polizei seltener und statt zu Fuß oft nur noch im Streifenwagen unterwegs.

Sicherheitsdezernen Frank: Werden die Polizeipräsenz erhöhen

Für Montagnachmittag hatten Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU), Polizeipräsident Gerhard Bereswill und weitere Vertreter von Polizei und Ordnungsamt die Gastronomen zu einer ersten Bestandsaufnahme eingeladen. "Wir wissen um die derzeit besonders schwierige Situation der drogenkranken Menschen, aber natürlich ist es für die Gastronomie ein Problem, wenn sie sich nicht regelkonform verhalten", sagte Sicherheitsdezernent Markus Frank im Anschluss an das Gespräch.

Er bat jedoch auch um Verständnis dafür, dass wegen der vielen Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Corona an anderen Stellen weniger Beamte präsent seien. In den kommenden Wochen würden die Behörden nun gemeinsam eine neue Einsatzplanung für das Bahnhofsviertel vereinbaren. Dabei solle auch der Forderung der Gastronomen nachgekommen werden, die Polizeipräsenz zu erhöhen. "Wir strengen uns jetzt an und werden unseren Beitrag dazu leisten, das Bahnhofsviertel wieder lebenswerter zu machen", versprach Frank.

Trotz Corona-Lockerungen nur noch ein Drittel der Gäste

Aus Sicht der Gastronomen ist das auch dringend notwendig. Denn während viele Restaurants in der Stadt nach den Corona-Lockerungen wieder eine annähernd normale Auslastung erreichten, kämen in die Kaiserstraße lediglich 30 bis 40 Prozent der sonst üblichen Gäste, schätzt "Good Guys"-Geschäftsführer Yesar Gür. "Vor allem Familien mit Kindern fühlen sich auf unseren Terrassen nicht mehr wohl", sagt der Geschäfsführer des "Bacco", Ahmet Erisik.

Wenn sich die Polizeipräsenz nicht erhöhe, werde sich das Bahnhofsviertel langfristig zum Schlechteren wandeln, ist sein Kollege Kanwal Gill überzeugt. "Und das wäre auch für die Stadt peinlich, weil die Kaiserstraße das Eingangstor vom Bahnhof in die Innenstadt ist. Da sollte eigentlich allen daran gelegen sein, hier etwas zu tun."

Plätze in den Druckräumen reichen nicht

Nach Angaben des Gesundheitsdezernats von Anfang Juni halten sich zwischen 200 und 400 Drogensüchtige regelmäßig im Frankfurter Bahnhofsviertel auf - das seien zwar weniger als noch vor der Corona-Pandemie. Doch weil die Hygiene- und Abstandsregeln auch in den Druckräumen gelten, in denen sich Schwerstabhängige legal Drogen verabreichen können, gibt es dort momentan auch deutlich weniger Plätze.

Mitarbeiter der Frankfurter Drogenhilfe hatten die prekären Zustände in den Druckräumen in den vergangenen Monaten mehrfach beklagt und von der Stadt gefordert, zusätzlich leerstehende Hotels für Drogenabhängige zur Verfügung zu stellen. Inzwischen sind die Druckräume immerhin mit Plexiglasscheiben, Desinfektionsmitteln und Masken ausgestattet worden. Doch Hotelzimmer gibt es ausschließlich für Corona-Infizierte.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.06.2020, 19.30 Uhr