Bahn Ausfälle

Bahnkunden müssen sich von Donnerstag an auf den bislang längsten Streik dieser Tarifrunde einstellen. Die Lokführergewerkschaft GDL hat zu einem fünftägigen Ausstand im Personenverkehr aufgerufen. Auch S-Bahnen und Regionalzüge werden stillstehen.

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Audioseite Neue Streikankündigung der GDL

Zug mit "Nicht einsteigen"-Anzeige steht im Bahnhof Frankfurt
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Es könnte wieder länger dauern für Pendlerinnen und Pendler, die mit dem Zug in Hessen unterwegs sind. Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihre Mitglieder bundesweit zu neuen Streiks aufgerufen.

Fünf Tage Streik - auch RMV-Züge betroffen

Ab Mittwoch, 17 Uhr, soll der Güterverkehr stillstehen, ab Donnerstag, 2 Uhr, dann auch der Personenverkehr. Gestreikt werden soll bis zum Dienstag der Folgewoche (7. September) um 2 Uhr.

"Von den Arbeitsniederlegungen können auch Regionalzüge und S-Bahnen im RMV-Gebiet betroffen sein", teilte der Rhein-Main-Verkehrsverbund am Montag mit.

Ticket-Erstattungen möglich

Die Bahn versuchte derweil, die Folgen des angekündigten Streiks zu dämpfen: Reisende können Fahrkarten für den Streikzeitraum flexibel nutzen und ihre Reisen vorziehen oder bis zum 17. September verschieben, teilte das Unternehmen am Montag mit. Auch eine Erstattung ist möglich.

Im Fernverkehr will die Bahn trotz Streiks etwa ein Viertel des üblichen Angebots aufrecht erhalten, im Regional- und S-Bahn-Verkehr etwa 40 Prozent. "Wer kann, sollte seine Reise auf die Zeit vor oder nach dem Streik verschieben", teilte der Konzern mit.

Kritik von Bahn und Fahrgastverband

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler bezeichnete den neuen Arbeitskampf am Montagabend als "völlig überzogen". Der Streik sei "durch nichts gerechtfertigt". Der GDL-Spitze gehe es nur darum, ihre Macht auszuweiten.

Auch vom Fahrgastverband Pro Bahn kam Kritik: Mit der Streikwelle schade die GDL dem Ruf der Eisenbahn und der angestrebten Verkehrswende, sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann. "Ich kenne genügend Leute, die sagen: Wenn das so weitergeht, dann war's das mit Bahnfahren."

Forderung: Corona-Prämie und Lohnerhöhung

Es ist bereits der dritte Streik im laufenden Tarifstreit. Schon in der vergangenen Woche hatten GDL-Streiks zu Ausfällen und Verspätungen geführt. Im Fernverkehr waren Dreiviertel aller Züge ausgefallen. In Hessen war besonders der S-Bahn-Verkehr im Rhein-Main-Gebiet betroffen gewesen. Dort fuhren die meisten Linien nur einmal in der Stunde, einige auch gar nicht.

Die GDL-Mitglieder streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangen sie eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen.

Die Bahn hatte zuletzt zwar 3,2 Prozent mehr Lohn geboten, will die Stufen aber später umsetzen und fordert eine längere Laufzeit des Tarifvertrages. Das Unternehmen hat zudem Verhandlungen über eine Corona-Prämie angeboten, jedoch keine konkrete Zahl genannt.

Im Hintergrund geht es bei dem Konflikt auch um einen Machtkampf zwischen der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Es geht darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt.

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