Waldsolms

Es klingt wie aus einem Märchen. Ein reiches Ehepaar aus Waldsolms hinterlässt der Kommune sein komplettes Vermögen: 6,2 Millionen Euro. Allerdings nicht ohne Bedingungen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gemeinde Waldsolms erbt 6,2 Millionen Euro

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Als Bürgermeister Bernd Heine (SPD) den Anruf bekommt, schwante ihm zunächst nichts Gutes. Heine ist nach einem schweren Unfall gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen worden. Jetzt solle er sich erstmal hinsetzen, sagt ihm sein Erster Beigeordneter. Dann aber der Paukenschlag: Waldsolms erbt 6,2 Millionen Euro. "Ich dachte erst, da ist ein Komma verrutscht", erinnert sich Heine.

Bis das Rechtliche in trockenen Tüchern war, vergingen noch ein paar Monate. Doch seit wenigen Tagen ist klar: Waldsolms (Lahn-Dill) ist jetzt wirklich um einige Millionen reicher. Zur Einordnung: Im Haushaltsplan für das laufende Jahr rechnete die Gemeinde mit rund 10,3 Millionen Euro.

Bankkonto, Aktien, Wertgegenstände, Haus und Grundstück

Die unglaubliche Erbschaft stammt von einem Ehepaar aus dem Ortsteil Weiperfelden. Dort lebten Renate und Alfred Wedel seit 1975 eher unauffällig in einem großen Haus mit weitläufigem Grundstück. Alfred Wedel, der schon 2014 im Alter von 88 Jahren in einem Pflegeheim in Butzbach starb, war früher selbständiger Börsenmakler in Frankfurt und hatte offenbar ein gutes Händchen. Jede Ausschüttung in seinem Aktiendepot sei reinvestiert worden, so sei das Vermögen zustande gekommen, sagt Bürgermeister Heine.

Renate Wedel lebte seit Mai 2016 in einem Pflegeheim in ihrer Heimatstadt Frankfurt. Dort starb sie im vergangenen Jahr einen Tag vor Weihnachten. Als Haupterbin war eigentlich ihre Schwester vorgesehen. Doch diese war ebenfalls schon verstorben. So ist dann schließlich die Gemeinde Waldsolms als Ersatzerbin nachgerückt. Die Erbschaft besteht aus einem Bankkonto, Aktien, Wertgegenständen, Haus und dem Grundstück.

Testament gibt vor, wie Geld ausgegeben werden soll

Was mit dem Vermögen nun geschehen soll, ist noch nicht klar. Fest steht nur, dass das Geld in gemeindliche Einrichtungen und die Infrastruktur investiert werden soll. So steht es im Testament. "Das Geld, das die Eheleute zusammengespart haben, muss jetzt nicht mit aller Gewalt in kürzester Zeit ausgegeben werden", sagt Heine. Doch Ideen gibt es schon.

Zum einen soll die ärztliche Versorgung auf dem Land verbessert werden. Dem Bürgermeister schwebt hier ein Versorgungszentrum vor. Investitionen soll es aber auch in die Kindergärten geben, denn: "Erfreulicherweise steigt hier wieder die Nachfrage." Außerdem hat der Bürgermeister die Infrastruktur im Blick. Gebäude, Wege, Plätze, Straßen – da gebe es einiges zu reparieren und auszubauen.

Von Bus bis beheiztes Becken – die Ideen der Waldsolmser

Senioren, Kinder, Straßen: Was dem Bürgermeister vorschwebt, scheint ganz im Sinne der Bevölkerung. Wer durch die Straßen geht und Waldsomser fragt, was mit dem unverhofften Geldsegen geschehen soll, hört Antworten wie: mehr Geräte auf dem Spielplatz, ein beheiztes Schwimmbecken im Freibad für die ganz Kleinen, dazu mehr Sportplätze und -angebote. "Wir müssen auch was für die Jugendlichen machen, damit die hier bleiben", sagt Michelle Hofhans aus dem Ortsteil Hasselborn und verweist auf den "Dirt Park", einen Hindernisparcour für Mountainbiker, an dem sich die Gemeinde beteiligen könnte.

Auch die ärztliche Versorgung hier auf dem Lande wird immer wieder genannt. "Viele Senioren fühlen sich schon sehr allein", meint eine Anwohnerin. Oben auf der Agenda steht aber auch eine bessere Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz. Ein Bus bis Butzbach wäre schön, schwärmt Gerhard Golling. Ramona Püllernd schwebt ein Gemeindeauto vor - oder zwei oder drei sogar", für Leute, die kein Auto auf dem Lande haben.

Sendung: hr4, 24.11.2020, 17.15 Uhr