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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verwaltungsgerichtshof stoppt Hallenbau wegen Umweltbedenken

Bad Hersfeld: Blick auf ein Gebäude des Online-Versandhändlers Amazon

Das Hessische Verwaltungsgericht hat den Bau eines Amazon-Logistikzentrums in der Wetterau erst einmal gestoppt. Die Umwelt- und Artenschutzbelange seien nicht ausreichend geprüft worden.

Ein geplantes Logistikzentrum von Amazon bei Echzell (Wetterau) darf vorerst nicht gebaut werden. Das urteilte der Hessische Verwaltungsgerichtshof und gab damit einer Beschwerde des hessischen Landesverbands des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) recht. Es sei nicht ausreichend geprüft worden, welche Auswirkungen der Bau für die Natur- und Tierwelt sowie angrenzende Naturschutzgebiete hat, entschied das Gericht.

Die vorgelegten Unterlagen zu arten- und naturschutzrechtlichen Belangen im Bauleitplanverfahren erfüllten nicht die Anforderungen. Auch sei nicht klar, ob die Auswirkungen auf die angrenzenden Schutzgebiete und geschützten Arten ausreichend mit Ortsbegehungen und Kartierungen ermittelt wurden.

Halle soll 8.500 Quadratmeter groß werden

Der BUND begrüßte das Urteil am Freitag: "Die Entscheidung ist ein wichtiger Erfolg für den Naturschutz. Nun ist das ausgewiesene Vogelschutzgebiet wieder für die Vögel sicher und die rücksichtslose Bebauung für die riesige Logistikhalle unmittelbar am Rand des Schutzgebietes darf nicht fortgesetzt werden", sagte Werner Neumann, Vorstandsmitglied des BUND Hessen.

Das Urteil sei für den Kreis "eine große Klatsche", sagte Neumann dem hr. Man habe mehrfach auf die Umweltrisiken hingewiesen, diese seien aber einfach beiseite gewischt worden. Noch einige Zeit zuvor hätte der Kreis selbst mit Verweis auf das angrenzende Naturschutzgebiet ein anderes Bauvorhaben nicht genehmigt. Von Amazon oder der Gemeinde Echzell war am Freitag keine Stellungnahme mehr zu erhalten.

BUND: Halle bedroht Kranich und Co.

Der US-amerikanische Logistikriese Amazon hatte Anfang 2020 angekündigt, bei Echzell eine neue Zwischenlagerhalle mit Büro- und Sozialflächen sowie einem Parkhaus errichten zu wollen. Die benötigte Fläche für die Logistikhalle schätzte das Unternehmen damals auf gut 8.500 Quadratmeter.

Der BUND hatte dagegen geklagt. Die Lagerhalle würde mit ihrer "riesigen" Größe "weite Teile des benachbarten EU-Vogelschutzgebiets als Lebensraum für bedrohte Vögel entwerten". So würde sie beispielsweise einen wichtigen "Rastplatz von Kranichen zerstören und die Vorkommen weiterer seltener Vogelarten wie Grauammer und Bekassine gefährden". Auch eine geschützte Fischart sei bedroht.

Ob die Halle überhaupt kommt, ist nun ungewiss

Das Verwaltungsgericht Gießen hatte Anfang des Jahres einen Eilantrag auf Baustopp des BUND noch gekippt. Der Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs ist nun unanfechtbar.

Komplett vom Tisch ist das geplante Logistikzentrum damit aber noch nicht - der Bau ist abhängig von den beanstandeten Prüfungen. Das könnte nach Angaben des BUND aber dauern, da diese erst frühestens im Herbst beginnen könnten und dann wohl bis ins Frühjahr 2022 dauern. Und auch dann glaubt Neumann, dass die Chancen eher gering für eine Genehmigung sind: "Wir haben so viele Argumente auf den Tisch gelegt. Die müssen jetzt erst einmal entkräftet werden." Eigentlich wollte der Investor die Halle schon bis zum Herbst fertig gebaut haben.

Sendung: hr 4, 14.05.2021, 16.30 Uhr