Ein von der Rußrindenkrankheit befallener Baum.

Mehr als 30.000 Bäume müssen im Kreis Gießen gefällt werden. Sie sind von einem auch für Menschen gefährlichen Pilz befallen. Schuld ist wohl der trockene Sommer 2018. Der Schaden geht in die Hunderttausende.

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hs
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"Irre. Absolut irre." Christian Raupach, geschäftsführender Direktor des hessischen Waldbesitzerverbands, ist fassungslos. Mehr als 30.000 Ahornbäume müssen in den kommenden Wochen in einem Waldstück bei Lich (Gießen) gefällt werden, der Schaden beläuft sich auf eine hohe sechsstellige Summe - mindestens.

Die Bäume sind von einem Pilz befallen, der die sogenannte Rußrindenkrankheit auslöst. Der Name kommt daher, dass die tiefschwarzen Sporen im Endstadium durch die Rinde brechen, sodass die Bäume rußig aussehen. Der Pilz kommt ursprünglich aus Nordamerika, befällt alle Ahornarten und wurde 2006 in Deutschland erstmals nachgewiesen. Raupach sagt: "Der Pilz verbreitet sich rasend schnell und ist sehr aggressiv." Und er ist gefährlich - er kann auch bei Menschen Atemwegsprobleme auslösen.

Die Forstunternehmen sind überlastet

Diese Woche wurde daher beispielsweise auch der Schlosspark Rumpenheim in Offenbach wegen des Pilzbefalls gesperrt. Aber dort sind 100 Bäume betroffen, nicht gleich 20 Hektar wie im aktuellen Fall südwestlich von Lich. Dort wurden nun ebenfalls für mindestens zwei Monate die von Spaziergängern gerne frequentierten Waldwege gesperrt, berichtet Jörg Heßler, der zuständige Revierförster. Zuerst hatte die Gießener Allgemeine darüber berichtet.

Ein toter Ast, von der Rußrindenkrankheit befallen.

Am Montag sollen die Baumfällarbeiten beginnen, in vier Wochen sollte das geschafft sein, schätzt Heßler. Dann müssen die Bäume fortgeschafft werden, wie lange das dauert, ist unklar. "Die meisten Forstunternehmen sind noch mit den Sturm- und Käferschäden des letzten Jahres beschäftigt", sagt Heßler. Ein Teil des Holzes wird dann auf einer Fläche verbrannt, der Rest unter strengsten Auflagen zu Hackschnitzel verarbeitet.

Revierförster Heßler: "Das macht uns große Sorgen"

Die Bäume stehen im Privatwald des Fürsten zu Solms-Lich. Der ließ sie 1990 pflanzen, nachdem der Wald seinerzeit den Orkanen Vivian und Wiebke zum Opfer fiel. "In 50 Jahren hätte man die Bäume gut vermarkten können", sagt Christian Raupach. Wie Förster Heßler sieht auch er den extrem trockenen Sommer 2018 als Auslöser für das jetzige Waldsterben - dadurch seien die Bäume unter Stress geraten und der Pilz habe sich durchsetzen können. "Normalerweise befällt der Pilz zwar die Bäume, aber bringt sie nicht um", so Raupach.

Rußrindenkrankheit Lich

Zwar sind laut dem Landesbetrieb Hessenforst nur 0,1 Prozent der hessischen Waldfläche von Ahornarten besiedelt, Förster Heßler sieht dennoch ein Problem: "Wir wissen bald nicht mehr, was wir noch pflanzen sollen." Nach dem Ulmensterben durch den Ulmenspindkäfer Anfang der 1990er-Jahre und das Eschentriebsterben durch einen Pilz sei dies nun die dritte Laubholzart, die mit Risiken behaftet ist. "Das macht uns allen große Sorgen", erklärt der Förster.