In Hessen klagen viele über zu langsames Internet. Eine Firma will deshalb den Glasfaser-Ausbau entlang der Autobahnen beschleunigen. In Mittelhessen ist sie jedoch an mehreren Orten auf Widerstand gestoßen.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 01.09.2020
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Von einer Digital-Wüste wie noch vor einigen Jahren kann in Deutschland zwar inzwischen nicht mehr gesprochen werden. Beim schnellen Internet gibt es aber immer noch an vielen Orten erheblichen Nachholbedarf. Auch in Hessen. Hier ist inzwischen allerdings die Deutsche Glasfaser unterwegs. Ein Unternehmen aus Borken, das den Glasfaserausbau beschleunigen will.

Überall an den Autobahnen greift die Firma auf das vorhandene Glasfasernetz zurück. Von dort aus will die Deutsche Glasfaser die Haushalte und Betriebe mit hohen Bitraten versorgen, direkt bis zum Haus. Doch nicht überall findet das superschnelle Internet Interesse: Als die Mitarbeiter der Deutschen Glasfaser in den letzten Wochen in Mittelhessen auf Werbetour waren, hatten sie es mancherorts schwer.

Nicht alle Anwohner wollen schnelles Internet

In mehreren Butzbacher Stadtteilen und auch im alten Ortskern von Langgöns wollten deutlich weniger als 40 Prozent der Anwohner ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Zu wenige, als dass es sich für das Unternehmen rechnen würde.

Das gleiche musste der Pohlheimer Bürgermeister Udo Schöffmann (CDU) auch für mehrere seiner Stadtteile feststellen. Der Grund: Gerade ältere Anwohner sehen keinen Bedarf für superschnelles Internet, manche nutzen momentan gar kein Internet. Andere befürchten höhere Kosten, wie sie dem hr sagten. Dabei wären die Hausanschlüsse sogar kostenlos verlegt worden.

"Dorf-Güll war der erste Ort, wo diese 40-Prozent-Quote erreicht wurde", sagt Schöffmann. Danach seien die Marketingmaßnahmen im gesamten Stadtgebiet von der Deutschen Glasfaser noch mal verstärkt worden. "Leider kam aber nur noch Holzheim dazu", so Schöffmann. In den anderen vier Stadtteile hätten sich die Bürger dagegen entschieden.

Unternehmen sind enttäuscht

Dazu gehört auch das 3.000-Einwohner-Dorf Garbenteich. Dort gibt es einige Gewerbebetriebe, die sich schnelle Verbindungen mit 300 oder 500 Megabit gewünscht hätten. Auch Guido Frankenberger von einer Firma für Wasser- und Abwasserreinigung hatte darauf gehofft. "Wir sind von unserem Kundenstamm her sehr international geprägt und es wird einfach erwartet, dass man eine gute Anbindung hat." Gerade bei Web-Konferenzen wie jetzt während der Corona-Pandemie müssten mehrere gleichzeitig stattfinden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Glasfaser-Ausbau: Manche Mittelhessen sehen keinen Bedarf

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Dafür wäre es wünschenswert an das Glasfasernetz angebunden zu sein. "Wir haben deswegen schon ein Leerrohr bei einer zurückliegenden Baumaßnahme legen lassen", erklärt der Geschäftsführer. Dass Garbenteich jetzt unversorgt bleibe, sei schon sehr ärgerlich. Deswegen müsse man sich jetzt nach einer Alternative für die veraltete Richtfunk-Verbindung umschauen. Die allerdings wird wahrscheinlich sehr viel teurer werden.

Software-Entwickler: "Als Power-User hätte ich das Beste genommen"

Auch der Garbenteicher Software-Entwickler Christian Zehaczek hatte sich schon über einen Glasfaseranschluss gefreut. "Als Power-User hätte ich natürlich gerne das Beste genommen", sagt er. Wenn jetzt die Quote nicht erreicht wurde, dann komme er aber auch damit zurecht. Denn vor drei Jahren sei eine VDSL-Leitung gelegt worden, die seinen Ansprüchen genüge.

Und das gilt offensichtlich auch für viele anderen Garbenteicher. Bei einer hr-Umfrage haben jedenfalls nur wenige bedauert, dass das Glasfasernetz trotz Autobahnnähe dem Ort fern bleibt.

Im Nachbarort Dorf-Güll freuen sich die Anwohner dagegen. Dort wurde die 40-Prozent-Quote erreicht. Hier sind die Rohre sogar schon verlegt. Jetzt müssten die Leitungen nur noch zu den Hausanschlüssen durchgeschossen werden, sagt eine Anwohnerin. "Dann haben wir endlich schnelles Internet."

Pohlheims Bürgermeister hofft weiter

In Garbenteich und auch in den anderen Orten, die unter der 40-Prozent-Quote blieben, muss man hingegen weiter mit den bisherigen Anschlüssen zurecht kommen. Aber Pohlheims Bürgermeister Schöffmann hat die Hoffnung auch für diese Orte noch nicht ganz aufgegeben. "Wenn die Deutsche Glasfaser erstmal den Fuß in der Tür hat, dann hoffe ich, dass wir in einem weiteren Step auch noch andere Stadtteile anschließen können."

In den Köpfen der Bevölkerung müsse erstmal der Bedarf geweckt werden. Die Notwendigkeit von Homeschooling und Home-Office jetzt während Corona, glaubt Schöffmann, "werden zum Umdenken führen". "Und dann werden wir auch andere Stadtteile noch ans Netz bekommen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 01.09.2020, 16.45 Uhr