Baustelle und Kran aus der Vogelperspektive

Die Pandemie haben viele genutzt, um endlich mal am Heim zu werkeln. Aber das dauert aktuell oft länger und manchmal geht es gar nicht weiter. Es herrscht ein Mangel an Baustoffen. Betriebe bringt das in Bedrängnis und Kunden müssen tiefer in die Tasche greifen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zu wenig Baustoffe - Betriebe in Bedrängnis

Blick in einen Baumarkt
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Ein Haus bauen, sanieren und vielleicht noch ein Gartenhaus kaufen: Die Baubranche hat während der Corona-Pandemie volle Auftragsbücher, aber es wird immer schwerer, an die nötigen Baumaterialien zu kommen. Auch das hat mit Corona zu tun, der Weltmarkt ist angespannt, gleichzeitig ist die Nachfrage hoch.

Knappheit kann Existenzen gefährden

"Ich bin jetzt 25 Jahre in der Branche, so was gab es noch nicht", sagt Thilko Gerke vom Kasseler Bauunternehmen Rennert. Es gebe "enorme Lieferzeiten". Es dauere aber nicht nur alles länger, für manche Betriebe sei die Knappheit an Holz, Kunststoffen, Beton, Dämmstoffen oder Stahl existenzgefährdend, sagt Gerke, der auch Bezirksstellenleiter des Verbandes baugewerblicher Unternehmen ist: "Wenn das in den nächsten Monaten nicht weniger wird, drohen Insolvenzen, da gibt es konkrete Befürchtungen der Verbände und von Mitgliedsbetrieben."

Auf dem Markt gilt außerdem das Gesetz: Ein knappes Gut kann teuer werden und das trifft irgendwann auch die Kunden. Einer von ihnen ist Jens Hermann. Er baut sein Haus um und sagt, er spüre die Entwicklung "sehr extrem".

Monatelang habe er zuletzt auf Holz und Dämmung warten müssen. Die Preise seien teils um 150 bis 200 Prozent angehoben worden, alles habe sich verzögert. Auch im Baumarkt seien manche Regale leer, Dachlatten habe er früher für 50 Cent pro Meter gekauft, jetzt kosten sie drei Mal so viel.

Baustopp und Preiserhöhungen

Anne Fenge vom Verband der hessischen Bauindustrie schlägt Alarm: "Es ist paradox, du hast volle Auftragsbücher, die Wirtschaft brummt und du musst Kurzarbeit anmelden, weil du keine Materialien hast und deine Leute nicht arbeiten können." Fenge ist Mitinhaberin des Kasseler Bauunternehmens Hermanns AG. Ihr Betrieb ist mit 400 Mitarbeitern groß, Verluste können sie noch ausgleichen. Trotzdem drohe Ende des Jahres ein Minus in der Kasse, sagt sie.

Die Produktion in Asien sei nach Corona schneller angelaufen als gedacht, nun würden etwa die USA und China den Markt regelrecht leer kaufen. Dass Holz knapp und teuer ist, treibe vor allem den Trend zum ökologischen Bauen in die Enge, wo Holz in guter Qualität gebraucht wird: "Die haben keine Möglichkeiten weiterzubauen, weil kein Holz am Markt zu bekommen ist." Was folgt, sei oft ein Baustopp.

Besserung ist nächstes Jahr in Sicht

Es muss aber nicht gleich der Hausbau sein, auch in den Baumärkten spüren Kunden die angespannte Lage. Dietmar Frankenberg, zuständig für den Einkauf bei den Herkules Baumärkten sagt, der Mangel an Materialien sei zur täglichen Herausforderung geworden. Lieferketten seien zusammengebrochen, manche Werke würden wegen Corona stillstehen. "Wohl oder übel" gebe es "fast täglich neue Preiserhöhungen", besonders bei Betonartikeln oder Folien.

Preisrabatte, wie sonst in der Saison üblich, gebe es kaum. Aktuell seien die aber Kunden froh, wenn sie überhaupt Materialien bekämen und trotz Corona die Baumärkte geöffnet blieben. Mit einer Entspannung der Lage rechnet Frankenberg erst Ende des Jahres. Im nächsten Jahr könnten die Regale dann wieder so voll sein wie sonst.

Sendung: hr-iNFO, 14.05.2021, 12 Uhr