Auf einem Schild steht: "Aushilfen gesucht" für die Gastronomie.

Cafés und Restaurants können nach langem Corona-Lockdown zwar wieder Gäste empfangen. Doch es fehlt Personal. Viele Mitarbeitende haben während der Pandemie die Branche gewechselt. Das hat auch Auswirkungen für die Gäste.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Folgen: Personalmangel in der Gastronomie

Gastronomie: Ab Stufe 2 dürfen Cafés und Restaurants ihren Innenbereich für Gäste öffnen.
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Eigentlich könnte Gastronom Felix Wessling glücklich sein. Die corona-bedingte Zwangspause ist (erstmal) vorbei. Er darf seine Betriebe im Herzen der Fuldaer Innenstadt nach langer Durststrecke endlich wieder öffnen und Gäste bewirten. Doch sorgenfrei ist der 39-Jährige dennoch nicht. Er hat beim Re-Start - wie auch viele andere in der Branche - mit einem Riesenproblem zu kämpfen: Personalmangel.

Wessling gesteht mit nachdenklicher Miene: "Ich habe tatsächlich Angst vor der Zukunft, wie wir Mitarbeiter, Aushilfen und Fachkräfte bekommen sollen." Die Pandemie habe den bereits herrschenden Negativ-Trend noch mal verschärft. Motiviertes Fachpersonal zu finden, sei schwer. Denn sie müssen arbeiten, wenn andere feiern. Dazu sei längst nicht jeder bereit, weiß Wessling.

Konkret fehlen dem Fuldaer Gastronom für seine Kult-Kneipe "Heimat" am Buttermarkt und dem nicht weit entfernten Café-Restaurant "Alte Schule" zwei Dutzend Aushilfen. Deswegen sucht er auch mit Anzeigen über Social-Media-Kanäle und Info-Tafeln auf dem Bürgersteig nach Personal.

Handy Ansicht Personalmangel in Gastronomie

Notlösung trifft auch die Gäste

Der Mitarbeiter-Mangel hat auch Auswirkungen für die Gäste. Sie müssen zwar nicht länger auf Essen und Getränke warten. Aber die "Alte Schule" hat zum Beispiel nun gleich an zwei Ruhetagen zum Wochenbeginn geschlossen - vor Corona undenkbar.

Öffnungszeiten einschränken - dazu sind auch viele andere Betriebe gezwungen, wie der hessische Hotel- und Gastronomieverband Dehoga in Wiesbaden beobachtet. "Während des letzten Lockdwons haben nicht alle Mitarbeitenden die Warteposition so lange ausgehalten", erklärt Dehoga-Landesgeschäftsführer Julius Wagner die Ursache des Personalmangels. Viele hätten sich umorientiert und den Weg in krisensicherere Branchen gewählt.

Die Corona-Pandemie habe wie unter einem Brennglas bestehende Probleme und Trends verstärkt, sagt Wagner. Vor der Krise hatte die Branche 188.000 Mitarbeiter in Hessen. Seit dem Jahr 2020 sind es mittlerweile zwölf Prozent weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Mini-Jobber ausgenommen.

Julius Wagner Dehoga Hessen

"Kein Bereich blieb verschont"

Abgänge ließen sich in allen Berufszweigen beobachten, bedauert Wagner. Es fehlen neben Kellnern, Köchen und weiteren in der Gastronomie Beschäftigten und auch viele Hotelkaufleute. "Kein Bereich blieb verschont", betont Branchenexperte Wagner.

Fast 30 Prozent der Betriebe, die noch nicht wiedereröffnet haben, nennen als Grund fehlende Mitarbeiter. 42,4 Prozent dieser Betriebe beklagen den Wechsel von Beschäftigten in andere Branchen, wie Dehoga Hessen in einer Umfrage unter 600 Betrieben in Hessen erhob.

Die Beschäftigten seien in viele andere Jobs gewechselt, die den Auswirkungen der Corona-Krise nicht so heftig ausgesetzt waren, etwa in die Telekommunikation, zu Postdienstleistern, Speditionen und Paketzustellern, aber auch verstärkt in den Lebensmittel-Einzelhandel.

Aggressive Abwerbe-Kampagnen

Gastronomie und Hotelerie waren zudem einer aggressiven Recruiting-Kampagne der Konkurrenz ausgesetzt. Die Supermarkt-Kette Lidl warb beispielsweise in Anzeigen mit dem provokanten Slogan "Bar war gestern" und versuchte so Personal zum Seitenwechsel zu bewegen. Das sorgte für viel Diskussionsstoff und Kritik in den sozialen Medien.

Zum Teil sind die Probleme in der Gastro - neben den oftmals unattraktiven Arbeitszeiten - aber auch hausgemacht. Die geringen Löhne für Aushilfen und Ungelernte dürften nicht wenige abschrecken. Das kennt auch der Fuldaer Gastronom Wessling. Berufseinsteigern und Aushilfen könne er nur Mindestlohn zahlen. Das sind nicht mal zehn Euro pro Stunde. Wollte er mehr geben, müsste er die Preise anheben. Dann müssten die Gäste auch bereit sein, mehr zu zahlen, sagt er.

Der Gastro- und Hotelbranche stellen sich im Corona-Sommer 2021 große Herausforderungen. Die Betriebe müssten versuchen, ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch persönliche Ansprache zurückzugewinnen. Anzeigen-Kampagnen und Werbung in sozialen Netzwerken könnten helfen, rät Steffen Ackermann vom Dehoga in Fulda: "Im Moment laufen wir nur auf Sparflamme in den Betrieben." Damit ist auch Gastronom Felix Wessling nicht glücklich.

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