Geschlossenes Geschäft in der Frankfurter Innenstadt.

Der Andrang auf staatliche Soforthilfen in der Corona-Krise für kleinere Betriebe mit Finanznot ist in Hessen riesig. Der Ansturm auf den Online-Antrag sei erwartungsgemäß hoch ausgefallen, teilte die Landesregierung mit. Zeitweise waren die Server überlastet.

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Die Zugriffszahlen auf die Online-Anträge seien enorm, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Montag in Wiesbaden. Bereits nach sechs Stunden seien rund 5.000 Anträge eingereicht worden, teilte das Ministerium mit.

Unternehmen können seit Montag online einen Antrag auf die Soforthilfe beim Regierungspräsidium Kassel stellen. Denn Cafébetreiber, kleine Läden und Firmen, Freiberufler und Künstler stellt die Corona-Krise vor enorme finanzielle Herausforderungen. Viele fürchten wegen fehlendem Einkommen und Umsatzeinbrüchen um ihre Existenz, und das Geld fehlt schon jetzt.

Teilweise zu viele Zugriffsversuche auf einmal

Von den 5.000 Anträgen sei etwa die Hälfte vollständig ausgefüllt gewesen. Bewilligt worden seien bis jetzt rund 500 Anträge und damit fünf Millionen Euro Soforthilfe. Teilweise habe es allerdings mehr als 15.000 gleichzeitige Zugriffsversuche gegeben. Daher hätten sich am Montag etliche Antragsteller gedulden und es immer wieder neu versuchen müssen. Antragsteller müssten jedoch nicht fürchten, etwas zu verpassen, sagte die Sprecherin: "Die Anträge können noch bis zum 31. Mai gestellt werden."

Wenn ein Antrag eingegangen, positiv beschieden und die Soforthilfe festgesetzt worden sei, erhalte der Antragsteller sofort eine Benachrichtigung. In diesem Moment werde auch die Zahlung der Soforthilfe angewiesen. Der Online-Antrag kann täglich - auch an den Wochenenden - zwischen 6 und 24 Uhr eingereicht werden. Zwischen 24 Uhr und 6 Uhr morgens muss das System aus technischen Gründen pausieren.

200.000 Anträge erwartet

Die Corona-Soforthilfe von Bund und Land wird als einmaliger Zuschuss gewährt und muss nicht zurückgezahlt werden. Je nach Beschäftigtenzahl bewegt sich die Hilfe zwischen 10.000 und 30.000 Euro.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ansturm auf Corona-Soforthilfen

Geldscheine werden überreicht
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So soll all jenen geholfen werden, die nicht genug Rücklagen haben und schnell wieder Liquidität brauchen, wie es am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzstaatssekretär Martin Worms (parteilos) hieß. Worms führt nach dem Tod von Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) die Geschäfte des Ministeriums. Erst am Dienstag machte der Landtag den Weg für das beispiellose Hilfeprogramm frei. Am Tag darauf stellten Al-Wazir und Schäfer die Details vor.

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Für Hessen stehen allein zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Die Ministerien rechnen mit rund 200.000 Anträgen. Das wird nicht nur die Verwaltung vor eine Herausforderung stellen, sondern auch die Internet-Server. Deswegen bittet die Landesregierung darum, die Online-Anträge nicht aus bloßer Neugierde zu öffnen.

Auch gute Vorbereitung hilft: Für das Ausfüllen ist eine Reihe von Informationen notwendig - von der Höhe des Liquiditätsengpasses bis zu einem hochzuladenden Auszug aus der Einkommenssteuererklärung.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Soforthilfe:

Wer kann einen Antrag stellen?

Das Soforthilfeprogramm ist für Solo-Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern gedacht. Auch Künstler können Hilfen beantragen, wenn sie nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz versichert sind. Außerdem können Sozialunternehmen in der Rechtsform einer gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH) Hilfe beantragen.

Im Antrag muss dargelegt werden, dass Corona der Grund für die finanziellen Ausfälle ist. "Bei vielen geht es nicht nur um leere Auftragsbücher oder geschrumpfte Einnahmen, sondern um die Existenz", betonte Al-Wazir.

Wie viel Geld ist zu erwarten?

Die Höhe der Zahlung richtet sich den Angaben zufolge nach der Höhe des "Liquiditätsengpasses, der durch die Folgen der Corona-Pandemie entstanden ist". Die Zahlung ist einmalig und muss nicht zurückgezahlt werden. Je nach Größe eines Unternehmens ist ein Maximalbetrag für insgesamt drei Monate vorgesehen:

  • bis 5 Beschäftigte: 10.000 Euro
  • bis 10 Beschäftigte: 20.000 Euro
  • bis 50 Beschäftigte: 30.000 Euro

Dabei geht es um Vollzeitstellen. Nach vorgegebenen Beispielen können auch Teilzeitsstellen umgerechnet und berücksichtigt werden.

Wie funktioniert die Antragstellung?

Der Antrag wird online ausgefüllt. Es ist ratsam, sich vorab zu informieren, welche Unterlagen nötig sind. Dazu gehören neben einem Personalausweis etwa ein Beleg des Vorjahresumsatzes und der Einkommenssteuerbescheid. Wer erst während der Eingabe ins Online-Formular nach den Belegen sucht, riskiert einen Abbruch der Anmeldung: Ist man 15 Minuten lang nicht aktiv, wird man aus Sicherheitsgründen automatisch ausgeloggt.

Antragsteller müssen außerdem angeben, wie ihre aktuelle Situation ist und wie hoch die Ausfälle durch Corona sind. Der ausgefüllte Antrag muss ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und hochgeladen werden. So soll auch potenziellen Betrügern das Handwerk erschwert werden. Niemand solle sich "ungerechtfertigt auf Kosten der anderen Antragssteller bereichern", betonte Worms.

Wann wird der Zuschuss ausgezahlt?

Die Behörden rechnen mit einer Flut von Anträgen. Trotzdem soll der Zuschuss möglichst schnell gezahlt werden. Wenn alle Unterlagen vorliegen, soll es nur wenige Tage dauern, bis das Geld überwiesen wird. Wer Probleme mit dem Ausfüllen hat, soll sich an die Industrie- und Handelskammern wenden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 30.03.2020, 16.45 Uhr