Ein Arbeiter an den vertikalen Grünflächen des "Eden"-Towers in Frankfurt.

Im Frankfurter Europaviertel entsteht der "Eden"-Tower: ein knapp 100 Meter hoher Wohnturm, der mit seinen begrünten Fassaden für einen Paradigmenwechsel stehen soll - als innovative Lösung für den Klimawandel.

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Zugegeben: Ganz so neu ist die Idee nicht. Die hängenden Gärten von Babylon schafften es in ihrer Terrassenhaftigkeit einst schon unter die antiken sieben Weltwunder. Aber: Sie schmückten kein Hochhaus. Vermutet man zumindest, denn sie sind als einzige der antiken sieben Weltwunder bis heute unentdeckt geblieben.

Insofern hat ihnen der "Eden"-Tower mit aller Wahrscheinlichkeit etwas voraus. Der gerade entstehende Wohnturm im Europaviertel wird zwar weder ein Weltwunder noch Frankfurts höchstes Hochhaus werden - aber das erste mit vertikaler Bepflanzung. Am Dienstag waren schon die ersten beiden Grünstreifen angebracht.

Rund 200.000 Pflanzen

"Mit der Fassadenbegrünung des Eden Tower entsteht eine vertikale Grünfläche mit 2.000 Quadratmetern an einer Stelle, an der zuvor nur ein versiegelter Parkplatz war", sagt der Frankfurter Stadtrat und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU).

Rund 200.000 Pflanzen sollen dem belgischen Immobilienentwickler Immobel zufolge 20 Prozent der Fassadenfläche des "Eden"-Towers bedecken. "Dieses Bauprojekt ist ein beredtes Zeugnis dafür, dass unsere Wirtschaft auf die Herausforderungen des Klimawandels innovative Lösungen anbietet und umsetzt", sagt Frank.

Modell des "Eden"-Towers mit seiner begrünten Fassade.

Bewässerung über Tropfen-System

Im Gegensatz zum babylonischen Vorbild ist im Europaviertel auch überliefert, wie diese innovative Lösung aussieht. So werden der FAZ zufolge vor der Fassade des rund 98 Meter hohen Wohnturms zehn Säulen installiert, an denen begrünte Matten hängen.

Diese tragen dann die 15 verschiedenen Pflanzenarten, darunter herzblättrige Bergenie, die japanische Segge und den kriechenden Günsel. Ein Tropfen-System soll die Bewässerung übernehmen.

Frankfurter Skyline soll grüne Silhouette werden

"Jede Pflanze zählt", hatte Begrünungs-Experte Rudi Scheuermann Anfang dieses Jahres im hr-Interview gesagt. Es sei wichtig, so viele Pflanzen wie möglich in die Stadt zu bringen, "weil jede Pflanze das Kleinklima verbessert".

Durch begrünte Gebäudefassaden werde die Luft gereinigt, die Verdunstung der Bepflanzung bewirke mehr Abkühlung, Lärm werde gedämpft und so auch noch Stress der Stadtbewohner abgebaut. Diese Vorteile hat in der Zwischenzeit auch die Politik für sich festgelegt. "Wir wollen die Frankfurter Skyline zur grünen Silhouette machen", heißt es im Koalitionsvertrag von Frankfurts V-Ampel-Koalition.

"Insel der Natur"

Dazu solle es im nächsten Hochhausrahmenplan verpflichtende Vorgaben zur Begrünung der Fassaden geben. "Bis dahin soll es bei der Genehmigung neuer Hochhäuser im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten die Pflicht zur Fassadenbegrünung geben."

In dieser Situation sieht Muriel Sam, Head of Development bei Immobel, den "Eden"-Tower als "starkes Signal, dass die Städte zukunftsorientiert einen Paradigmenwechsel vollziehen". Sie bezeichnet den Turm, der den Angaben zufolge einer der höchsten begrünten Wohntürme Europas sein soll, als "Insel der Natur mitten im Herzen von Frankfurt".

Quadratmeterpreise von mehr als 11.000 Euro

Eine Insel mit 263 Wohnungen mit 1- bis 4-Zimmern, mit Concierge-Service in einer High-End-Lobby sowie mit einem Fitnessraum – und verschiedenen Medienberichten zufolge mit einem Durchschnittspreis von mehr als 11.000 Euro pro Quadratmeter.

Aktuell sind dem Bauträger zufolge 60 Prozent der Wohnungen im "Eden" verkauft und weitere 15 Prozent reserviert. Ende des Jahres soll der Turm fertiggestellt, in 2022 dann bezogen werden.

Dezernent Frank sprach im Zusammenhang mit dem begrünten Bau von "Pionierarbeit". Irgendwann, so die Hoffnung, würden solchen Lösungen "an vielen Bauwerken möglich sein". Sie böten vielen Menschen guten Lebensraum. "Das ist genau das, was wir in Frankfurt brauchen."

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