Windräder im Wald rund um Gründau im Main-Kinzig-Kreis

Die Regionalversammlung Südhessen hat am Freitag 121 Vorrangflächen für Windräder zwischen Taunus, Spessart und Odenwald beschlossen. In den betroffenen Orten regt sich Protest. Vor allem das kleine Gründau fühlt sich über die Maßen belastet.

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hs
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Die Mitglieder der Gründauer Bürgerinitiative Windjammer sind empört. Rund um ihre 15.000-Einwohner-Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis sollen rund 900 Hektar Waldfläche für den Bau von Windrädern bereit gestellt werden. Außerdem soll ein bestehender Windpark mit zwölf Windrädern um weitere fünf Anlagen vergrößert werden.

"Mit unserem bestehenden Windpark haben wir schon unseren Anteil zur Energiewende beigetragen", sagt die BI-Vorsitzende Sandra Emmel: "Wir wollen nicht, dass hier noch mehr Windräder stehen." Außerdem sei der Flächenanteil für Windräder in ihrer Gemeinde mit 8,5 Prozent angesichts des Zwei-Prozent-Ziels der Landesregierung überproportional hoch.

BI schlägt Windräder auf Äckern statt im Wald vor

Die Bürgerinitiative bringt gegen den Bau weiterer Windräder in ihrer Spessartgemeinde vor allem Bedenken wegen des natürlichen Wasserhaushaltes und des Artenschutzes vor. "Wir wollen nicht, dass unsere Landschaft verschandelt wird und dass die Gefahr besteht, dass unser Grundwasser verunreinigt wird", sagt Emmel. Windräder auf Äckern oder in Industriegebieten seien eine bessere Lösung als Windräder im Wald oder auf Bergrücken.

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Ein Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt wendet ein, dass nicht alle Flächen in Südhessen für die Aufstellung von Windkraftanlagen geeignet seien: "Das liegt in der Natur der Sache." In manchen Gebieten wehe nicht ausreichend Wind. Bestimmte Flächen im Taunus, im Odenwald und im Spessart eigneten sich am besten für Windenergie. Klar, dass sich genau dort der meiste Widerstand gegen die bis zu 240 Meter hohen Anlagen regt.

Erster Entwurf für Vorrangflächen war fehlerhaft

Am Freitag hat nun die Regionalversammlung Südhessen im Frankfurter Römer 121 Vorrangflächen für Windenergie im Regierungsbezirk Darmstadt beschlossen. Sie machen rund 1,4 Prozent der Landesfläche in Südhessen aus und gehören zum Teilplan Erneuerbare Energien. Zugleich wurden rund 97,8 Prozent der Landesfläche als sogenannter Ausschlussraum ausgewiesen, in dem keine Windkraftanlagen gebaut werden dürfen. Über die verbleibenden 0,8 Prozent soll in einem gesonderten Planänderungsverfahren entschieden werden.

Karte von Gründau und Umgebung mit eingezeichneten Vorrangflächen für Windräder

Ursprünglich sollte der Teilplan im Dezember 2018 verabschiedet werden. Doch mit den Offenlegungen der Entwürfe 2014 und 2016 wuchs auch der Widerstand in den betroffenen Kommunen. Rund 25.000 Einwendungen haben das RP Darmstadt nach eigener Auskunft gegen die geplanten Windkraft-Vorrangflächen erreicht.

Der erste Entwurf des Teilplans Erneuerbare Energien sah 1,7 Prozent der Fläche Südhessens als Vorrangflächen für Windräder vor, doch die Mitglieder der Regionalversammlung hielten die Beschlussvorlage für "nicht beratungsfähig". So kritisierten sie, dass in der Vorlage wieder Gebiete aufgetaucht seien, die wie zum Beispiel die Hohe Wurzel nördlich von Wiesbaden bereits 2016 aus wasser- und artenschutzrechtlichen Gründen als Windkraft-Vorrangfläche ausgeschlossen worden waren.

Das Regierungspräsidium Darmstadt muss den Teilplan nun der hessischen Landesregierung und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zur Genehmigung vorlegen. Der Widerstand der Bürgerinitiativen, Gemeinden und Umweltverbände dürfte damit aber nicht enden. Der Gründauer Verein Windjammer und weitere Bürgerinitiativen haben bereits Klagen gegen die geplanten Vorrangflächen angekündigt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 14.06.2019, 19.30 Uhr